UKE plant Bau einer Herzklinik in Shanghai

Projekte: Auch konkrete Pläne für chinesisches Medizin-Zentrum in Hamburg.

z. Zt. Shanghai. Das Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) plant den Bau einer Herzklinik in der chinesischen Metropole Shanghai. "Es gibt hier ein großes Interesse an westlicher Medizin", sagte der ärztliche Direktor des UKE, Jörg Debatin, der derzeit mit Bürgermeister Ole von Beust China bereist. "Wir dürfen diesen Markt nicht den USA allein überlassen." Man gehe auf Grund der immer westlicher geprägten Lebensweise davon aus, dass künftig rund fünf Prozent der Chinesen unter Herzkrankheiten leiden werden - bei 1,3 Milliarden Menschen sei das eine beträchtliche Zahl. "Zunächst könnte man klein aber fein beginnen, mit einer Klinik mit rund 120 Betten", so Debatin. Bisher sei die Finanzierung zwar noch unklar.Er wolle aber versuchen, starke Partner zu finden, etwa Siemens oder Philips.

Schon weitaus konkreter sind die Pläne zum Aufbau eines Instituts für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) am UKE. Bereits vom kommenden Herbst an, sollen dort rund 800 Patienten jährlich mit Akupunktur, Akupressur, Heilkräutern und Mineralien behandelt werden. Gestern unterzeichneten Bürgermeister von Beust, Wissenschafts-Staatsrat Roland Salchow und Vertreter der Shanghaier TCM-Universität ein Kooperationsabkommen über die Zusammenarbeit. "Unser Institut für TCM soll auf Augenhöhe mit allen anderen Forschungsinstituten arbeiten", so Debatin. Ge-plant ist die Einrichtung einer Stiftungsprofessur. Zudem sollen sieben bis acht Ärzte und Mitar-beiter eingestellt werden, unter ihnen chinesische Experten für das richtige Setzen von Nadeln.

Ganz andere als medizinische Nadelstiche musste sich Bürgermeister von Beust gestern bereits vor der Unterzeichung des TCM-Abkommens gefallen lassen. Bei einem Besuch der Konzernzen-trale von China Shipping am Huangpu-Fluss wurde er vom Vizechef der riesigen Reederei, Sun Zhi Tang, gefragt, wie sicher es sei, dass die geplante Elbvertiefung denn auch komme. Hintergrund: China Shipping hat bereits einen der neuen Schiffsgiganten bei einer koreanischen Werft in Auftrag gegeben, die 9600 Normal-Container (TEU) transportieren können. Ohne Elbvertiefung könnten diese Schiffe den Hamburger Hafen gar nicht mehr anlaufen.

Die Elbvertiefung werde ohne große Zeitverzögerung kommen, sagte von Beust bei dem Ge-spräch in der Glaskuppel auf dem Dach des 20-stöckigen Firmenhochhauses. "Wir wollen und werden Sie und Ihr Unternehmen nicht verlieren", so der Senatschef. Dadurch, dass mit China Shipping eine der weltgrößten Reedereien seine Europa-Zentrale in der HafenCity baue, könne Hamburg noch besser um weitere Investoren werben.

Bereits am frühen Morgen des dritten Reisetages war es gestern um viele Milliarden Euro gegangen. Auf Einladung der HSH-Nordbank waren zehn Vorstände chinesicher Riesenkonzerne zu einem Frühstück inklusive Hamburg-Vortrag ins Ritz-Carlton-Hotel gekommen, in dem die Delegation untergebracht ist. Zwar gab es dabei keine konkreten Ergebnisse - aber allein das Erscheinen der zehn Herren galt als Erfolg. Denn ihre Unternehmen setzen zusammen 150 Milliarden Euro pro Jahr um. Bei einer PR-Veranstaltung der Berenberg-Bank warben die Hamburger später weitaus drastischer um chinesisches Geld. Deutschland sei derzeit am Tiefpunkt des Wirtschaftszyklus, so der Wirtschaftschef der Berenberg-Bank. Deswegen seien deutsche Firmen billig zu haben - da sollten die Chinesen rasch zuschlagen und am besten in Hamburg investieren.

Heute reist die Delegation weiter nach Hongkong. Morgen geht es zurück nach Hamburg.