Law School lehrt jetzt in Peking

Seminar - Der Handel boomt: China sucht europäische Rechtsexperten

Der Handel zwischen Hamburg und China ist so intensiv wie nie zuvor. "Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Hamburg und China boomen", bestätigt Corinna Nienstedt, Geschäftsführerin der Handelskammer Hamburg, gegenüber dem Abendblatt.

Rund 700 Hamburger Firmen haben Wirtschaftsbeziehungen zu China, davon sind 100 Hamburger Firmen permanent in China vertreten, vor allem in Hamburgs Partnerstadt Shanghai. "Die Tendenz ist steigend", so Asienexpertin Nienstedt. Allein der Hafenumschlag des Hamburger Hafens mit China hatte 2003 eine Steigerung von 31 Prozent: Wurden im Jahr 2002 rund 1,04 Millionen 20-Fuß-Container im Hafen von und nach China umgeschlagen, waren es im vergangenen Jahr 1,36 Millionen. Allein im ersten Quartal 2004 wurden 380 000 Container zwischen Hamburg und China befördert. Vor allem im Dienstleistungsbereich bestehe zunehmend Interesse an China, etwa bei Architekten, Unternehmensberatern.

Im Gegenzug sind 324 chinesische Firmen in Hamburg, so viel wie nirgends in Europa - allein im vergangenen Jahr kamen 58 neue China-Firmen in der Hansestadt dazu. Die Chinesen wickeln vor allem den Handel mit Elektrogütern nach Mittel- und Osteuropa über Hamburg ab. Doch: Mit dem Boom im China-Handel steigt zugleich auch die Nachfrage nach Rechtsexperten in dem Bereich. Jetzt startete die Hamburger Bucerius Law School, Deutschlands private Hochschule für Rechtswissenschaft, eine bundesweit einzigartige Offensive: Sie bringt derzeit in Peking chinesischen Juristen deutsches und Europa-Recht bei, macht dort Praktiker fit für Europa.

In dem zweiwöchigen "Sommercamp", unterrichten derzeit drei Professoren von der Law School und zwei Professoren vom Max-Planck-Institut 50 Juristen in Peking. Die Chinesen bräuchten vor allem ein Verständnis für das EU-Recht, für die Kultur, die dahinter stehe, sagt Markus Baumanns, Geschäftsführer der Law School. Die Hörer sind ausgesuchte Praktiker, die westlich orientiert seien. "Wir wollen den Chinesen helfen, ein systematisches Rechtsverständnis aufzubringen", sagt Prof. Karsten Schmidt, Vizepräsident der Law School, der dort u. a. Gesellschaftsrecht lehrt. Es gehe etwa um Aktienrecht, GmbH-Recht und andere Praxisfragen.