"St. Pauli wird zu St. Disney": Kritik am Spielbudenplatz-Plan

Ausstellung: Im früheren Altonaer Karstadt-Gebäude werden die 326 Entwürfe gezeigt. Verhaltene Reaktionen.

Hannelore Sören schüttelt den Kopf. "Nee, nee, was wollen die da bloß machen? Das sieht aus wie aus Legosteinen gebaut", urteilt die 65-Jährige, während sie zwischen den Entwürfen für die Neugestaltung des Spielbudenplatzes hindurchgeht. "Bis jetzt kann ich mit den Plänen noch nicht viel anfangen", fasst die Bahrenfelderin zusammen. "Das ist nichts mehr für uns Ältere."

Seit gestern sind die eingereichten Vorschläge für die Neugestaltung des Platzes im ehemaligen Karstadt-Gebäude in Altona ausgestellt. Insgesamt 326 Entwürfe nahmen an dem Wettbewerb teil (das Abendblatt berichtete). Die Neugestaltung des zentralen Platzes auf St. Pauli sorgt seit Jahren für Diskussionen. Die Besucher der Ausstellung reagierten denn auch verhalten bis ablehnend auf die Pläne. Zu abgehoben, zu aufwendig, zu wenig Natur - so auch das Urteil etlicher Abendblatt-Leser. "Warum nicht einfach Brunnen, Bäume, Bänke, fertig?", fragen viele. Doch auch Zustimmung ist unter den Reaktionen: "Endlich ein guter Vorschlag", so Abendblatt-Leser Werner Rossow (83) aus Rissen. "Ich bin begeistert."

Anwohner Dirk Warmbold ist entsetzt: "Das ist grausam und katastrophal. St. Pauli wird zu St. Disney gemacht", kritisiert der 44-Jährige, der seit 14 Jahren direkt am Spielbudenplatz wohnt. Vor allem der Siegerentwurf mit der Oberfläche aus Stahlplatten missfällt ihm. "Das ist der größte Schwachsinn. Die Oberfläche lädt zu gar nichts ein, vor allem nicht, sich darauf zu bewegen. Die Anwohner werden bei den Planungen auch überhaupt nicht gefragt. So nach dem Motto: ihr könnt ja wegziehen."

Architekt Roger Fumey (38), der auch mit einem Vorschlag an dem Wettbewerb teilnahm, hält den Siegerentwurf für realitätsfern: "Ich glaube nicht, dass der Plan so umgesetzt wird", sagt der 38-Jährige aus Poppenbüttel. "Es gibt viele Dinge in dem Projekt, die in der Praxis scheitern können. Die roten Lichter zum Beispiel sieht man am Tag überhaupt nicht."

Maria-Olga Dankert (40) ergänzt: "Der Vorschlag ist als Kunstprojekt interessant. Er ist so wie ein Plakat, das vielleicht eine Saison über irgendwo hängen kann, aber nichts für lange Zeit. Man weiß nicht, wie die Stahlplatten aussehen, wenn sie altern, wenn Schmutz oder Wetter auf sie einwirken." Ihre grundsätzliche Kritik an den Entwürfen: "Man sollte einen lebendigen Platz schaffen, nicht so ein Exponat."