"Opa Gnädig": Überführt DNA-Analyse die Mörder?

Moorburg: 1997 wurde der 77-Jährige umgebracht. Jetzt verfolgt die Kripo neue Spuren.

Die Brutalität schockte selbst hart gesottene Fahnder: Ein alter Mann, mit glühendem Feuerhaken gefoltert und dann grausam ermordet - vor genau sieben Jahren erschütterte der Fall des getöteten Herbert Gnädig Hamburg. Bis heute ist das Verbrechen vom 31. Mai 1997 an dem 77-Jährigen in Moorburg nicht aufgeklärt. Doch Mord verjährt nie. Und zurzeit laufen "viel versprechende Untersuchungen", wie die Ermittler der Mordkommission sagen. "Wir vermuten an einer bestimmten Stelle Spurenmaterial. Und das wäre dann ganz sicher vom Täter", so Detlef Spielmann und Stefan Hartmann zum Abendblatt. Damit stehen die Chancen, die Mörder zu fassen, so gut wie nie zuvor.

Es wäre dem Fortschritt der Wissenschaft und der immer präziseren DNA-Technik zu verdanken, wenn es bald zu einem Fahndungserfolg käme. Winzigste Mengen Speichel, Sperma, Haut oder Haar reichen aus, um mit Hilfe kriminaltechnischer Untersuchungsmethoden den so genannten "genetischen Fingerabdruck" zu ermitteln. Die DNA würde mit vorhandenen Daten abgeglichen. "Wenn es einen Treffer gibt, ist der Fall gelöst", erzählen Kriminalhauptkommissar Spielmann und Kriminaloberkommissar Hartmann. Denn die Fehlerquote bei der DNA-Analyse liegt bei 1:20 Milliarden. Gäbe es keine Übereinstimmung, würden alle Personen, die Kontakt zum Opfer hatten, zum Speicheltest gebeten und dann die Proben verglichen. Wo die Spuren vermutet werden, wollen die Kripobeamten aber "aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen". Zudem sei im Gespräch, dass eine LKA-Dienststelle, in der fünf Spezialisten Fallanalysen (Profiling) machen, sich des Falls "noch mal annehmen. Denn die Methoden entwickeln sich weiter." Allein 1291 Seiten umfasst die Ermittlungsakte über das Verbrechen an dem 77-Jährigen mittlerweile, dazu kommen so genannte Tatort- und Spurenmappen. Herbert Gnädig, da sind die Fahnder sicher, war kein Zufallsopfer. Seine Mörder hatten den Rentner zunächst an Händen und Füßen gefesselt, ihm Augen und Mund mit Klebeband verklebt und dann mit einem Feuerhaken auf ihr wehrloses Opfer eingeschlagen. Vermutlich wollten sie mit dieser Folter erzwingen, dass er verrät, wo er im Haus Geld versteckt hatte. Denn dass er oft Beträge zwischen 300 und 7000 Mark verlieh, war in Moorburg bekannt. Die Verbrecher waren vermutlich durch ein Seitenfenster in die Dreizimmerwohnung gelangt und hatten sie systematisch durchwühlt. Die Täter hatten schließlich eine Taschenuhr, in deren Deckel Pferdeköpfe eingraviert sind, mitgenommen, darüber hinaus eine 15 Zentimeter hohe Silberfigur sowie einen Anzug.

Entdeckt worden war die Bluttat von der Schwiegertochter Angelika Gnädig, die gemeinsam mit ihrem Mann gegenüber vom Mehrfamilienhaus am Moorburger Elbdeich wohnt. Sie hatte sich am Morgen gewundert, dass auch um 10 Uhr die Jalousien noch geschlossen waren. "Ich bat meinen Sohn Timo mitzukommen und nachzusehen", erzählt die 51-Jährige. "Ich rief immer wieder: ,Opa, wo bist du?'" Im Wohnzimmer von Herbert Gnädig machte sie dann die furchtbare Entdeckung: Der Rentner lag ermordet in seinem Fernsehsessel. "Er war zusammengeschnürt wie ein Paket, ich war panisch und habe geschrien." Sie rief die Polizei und informierte ihren Mann Siegfried, der sofort von der Arbeit nach Hause kam.

Sein Vater sei in Moorburg "bekannt und beliebt gewesen", erzählt Siegfried Gnädig. "Er war ein geselliger Mensch, der auch gern gefeiert hat. Seine Hobbys waren seine kleine Datscha am Deich, die er ,Ponderosa' nannte und wo er selber Obst und Gemüse anpflanzte, und seine Marschmusik. Und er war für seine Enkel ein begeisterter Großvater. Vor allem mein Sohn Timo war sein Ein und Alles."

Dass Herbert Gnädig Geld verliehen habe, "haben wir zu Anfang gar nicht gewusst", so der Schiffszimmermann. Später erfuhren sie dann, dass er Bekannten und Nachbarn "Kleckerbeträge, aber auch mal mehrere Hundert und mehrere Tausend Mark vorgeschossen hatte. Darüber hatte er richtige Verträge und Schuldscheine geschrieben". Größere Beträge habe Herbert Gnädig aber nie im Haus gehabt. Er könne sich nicht vorstellen, sagt Siegfried Gnädig, dass sein Vater "nur wegen des Geldes ermordet wurde. Da muss noch was anderes gewesen sein. Hoffentlich wird es nun noch aufgeklärt".