Nur ein Witz? Wirbel um Öger-Äußerungen

Irritation: SPD- Europakandidat fordert deutsche Frauen auf, mehr Kinder zu bekommen.

Es war als Witz gemeint, wurde aber nicht von allen so verstanden. Der SPD-Europa-Kandidat Vural Öger hat mit einer umstrittenen Äußerung zur hohen Geburtenrate in der Türkei im Gegensatz zur geringen in Deutschland für Verwirrung gesorgt.

"Das, was Sultan Süleyman mit der Belagerung Wiens 1683 begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen, verwirklichen", zitiert die türkische Zeitung "Hürriyet" den türkischstämmigen Öger, der einen deutschen Pass hat. Wollte Öger damit der Islamisierung Deutschlands das Wort reden und hat er mindestens Ängste vor Überfremdung geschürt, wie Kritiker ihm vorwerfen?

"Nein. Es war ein Witz. Ich wollte mit einer ironischen Bemerkung die deutsche Bevölkerung wach rütteln", sagte Öger gestern dem Abendblatt. "Es geht einfach nicht, dass 40 von 100 deutschen Frauen keine Kinder machen, dass unsere Renten in Gefahr sind", erläuterte Öger im NDR Hamburg-Journal. "Wenn man in einem Land wie Deutschland keinen Witz mehr machen kann, weiß ich auch nicht mehr weiter. Ich höre ohne Ende Türken-Witze und lache darüber", sagte Öger, der sich zu einem Kongress der Friedrich-Ebert-Stiftung in Istanbul aufhält.

Der Vorwurf, er setze sich für die Sache der türkischen Nationalisten ein, hat den Unternehmer zutiefst empört. "Ich bin sehr betroffen", sagte Öger. Seit 30 Jahren setze er sich für die Integration der Türken ein und habe eine deutsch-türkische Stiftung ins Leben gerufen.

Gefallen ist Ögers Sultan-Satz bei einem privaten Essen für türkische Unternehmer, das die Zeitung "Hürriyet" vor zwei Wochen in Frankfurt gegeben hatte. "Ich saß an einem Tisch mit sieben oder acht Geschäftsleuten. Es war keine öffentliche Rede und kein Vortrag", sagte Öger. Seinem Satz sei eine Bemerkung eines anderen Gastes vorausgegangen. "Er sagte, er habe sich mit einem deutschen Historiker angelegt. Der hatte gesagt: Wir werden euch Türken nicht reinlassen in die EU. Was wir vor Wien geschafft haben, lassen wir heute auch nicht zu", gab Öger gegenüber dem NDR Hamburg-Journal das Gespräch wieder. Er habe dann ironisch hinzugesetzt: "Was der gute Süleyman nicht geschafft hat, das schaffen unsere geburtenfreudigen Türkinnen in der Bundesrepublik, überwiegend Anatolierinnen."

Der Wirbel um seine Äußerung hat den Kandidaten zerknirscht. Über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland werde er sich in Zukunft anders äußern. "Ich werde mich mit meinem Temperament eher zurückhalten", setzte Öger noch hinzu.

In der SPD sorgen die Irritationen um den Europa-Kandidaten Öger vorerst noch nicht für Aufregung. SPD-Landeschef Olaf Scholz hat allerdings nach Informationen des Abendblatts Öger in einem Gespräch seine Erfahrung mitgeteilt, dass sich Ironie und Politik nicht miteinander vertrügen.