Carlheinz Hollmann - er war ein Stück Hamburg

Erinnerungen: Die TV-Legende starb im Kreis der Familie. "Die aktuelle Schaubude" machte den Moderator berühmt.

"Carlheinz Hollmann - das bin ich, aber ich bin im Moment leider nicht direkt zu erreichen. Aber ich rufe schnell zurück, wie Sie das ja von mir kennen . . ."

Es war seine Stimme gestern Nachmittag auf dem Anrufbeantworter des Handy-Anschlusses, die wir so lange kannten - schnell, erwartungsvoll, optimistisch. Aber es war bereits eine Stimme aus einem fernen Land ohne Wiederkehr.

Carlheinz Hollmann ist tot.

Am Dienstag Nachmittag, 14.45 Uhr, ist er für immer eingeschlafen, inmitten seiner Familie, wie er es sich gewünscht hatte: Ehefrau Gerti beugte sich über ihn, Tochter Nicole und Sohn Nils hielten seine Hände. Der letzte Kampf war in weniger als einer Minute vorbei. Nierenversagen als Folge eines Prostata-Tumors.

Im November 2003 hatte Hollmann die ärztliche Diagnose erfahren. Aber erst am ersten Weihnachtsfeiertag hatte er seinen Nächsten gesagt, wie es um ihn stand. Wie immer war er auch in dieser bitteren Stunde voller Hoffnung:

"Das schaffen wir zusammen! Ich akzeptiere die Krankheit nicht. Ich habe Projekte, ich habe Visionen. Ich brauche meine Arbeit."

Der frühere NWDR/NDR-Reporter des Jahrgangs 1930, der mit einem Bericht "Termiten in Altona" Teile der Hansestadt in Panik versetzt hatte, der Moderator von "Die aktuelle Schaubude" und "Das ist ihr Leben", der Erfinder des Volksfestes Hafengeburtstag, der Organisator des Alstervergnügens und der Alsterfontäne schien jenseits aller Ängste und Schrecken.

Am vergangenen Sonntag arbeitete er noch in seinem Büro, steckte letzte verbliebene Kräfte in das kommende Alstervergnügen, das ihm das Leben zuletzt doch zunehmend schwerer gemacht hatte. "Warum mache ich das eigentlich noch?", hatte er sich manchmal gefragt. Und an Weihnachten geschworen: "Nur einmal noch! Das ist das letzte Mal!"

Aber es hatte ihn auch noch angetrieben: "Das Wasserprogramm steht. Und ich habe einen neuen Sponsor. Das ist doch mein Hamburg!"

Die schwarzen Zeichen an der Wand wollte er nicht sehen. Er und seine Familie glaubten noch an eine gnädige Frist.

Am Montag, 3. Mai, waren alle Hoffnungen am Ende, die Krise da: Carlheinz Hollmann konnte nicht mehr stehen, Schmerzen quälten ihn, in der Nacht trat eine Lungenentzündung auf, die Nieren fielen aus. "In unseren Händen schlief er ein", sagte Sohn Nils, als alles vorbei war. "Er war unglaublich tapfer!"

Bei einem langen Gespräch in seinem gemütlichen Heim in Luhmühlen bei Hamburg, wo nach 73 Jahren der Weg des gebürtigen Hamburgers enden sollte, hatte er mich hinter "die Fassade" blicken lassen: Hollmann war kurz zuvor von einer Reise nach Kap Hoorn zurückgekehrt, "Gottes tiefem, dunklem, nassem Grab für 10 000 Seeleute", wie er das Kap der Schrecken und Stürme schaudernd nannte.

Das Ergebnis dieser Dienstfahrt war der eindrucksvolle 100-Minuten-Film "Die letzte Reise der Kap Horniers", produziert von der Fa. Carlheinz Hollmann Event & Public Relations. Aber auch, wie er sagte, etwas ganz anderes: "Ich habe da unten Frieden gefunden und die Erkenntnis, das Leben gelassener und dankbarer zu sehen als bisher." Und er fügte jene mahnenden Worte hinzu, die gewissermaßen sein persönliches Motto waren: "Carpe diem! Nützt den Tag, pflückt Rosenknospen, solange es geht. Denn morgen schon ist es zu spät!"

Sein geliebter Kater "Sir James" saß schnurrend zu unseren Füßen. Vorbei und verweht . . .

Ein ruheloses Herz hat seinen Frieden gefunden. Zurück bleiben Ehefrau Gerti und die gemeinsamen Erinnerungen: Am 15. Februar vor 46 Jahren hatten sich Gerti Daub, Miss Germany 1957, die einzige Miss, die vom Papst empfangen worden ist, und der Reporter Hollmann in der "Aktuellen Schaubude" zum ersten Mal gesehen.

Hollmann sollte "drei Minuten mit ihr machen", was er - wie den ganzen Miss-Zirkus - "einfach zum Kotzen" fand.

Sie erschien, wie erwartet, auf himmelhohen, gläsernen Absätzen, einen winzigen weißen Pudel im Arm und fand ihn "frech und aufdringlich". Er war "zuerst sehr eklig" zu ihr, dann "tief beeindruckt" und schließlich so außer sich, dass er eine Endlos-Werbekampagne startete.

Auf einem Weinberg bei Heidelberg machte er ihr einen formvollendeten Heiratsantrag, der wiederum sie "tief beeindruckte".

Am 1. Dezember 1958 heiratete Margit ("Gerti") Daub, nachdem die gelernte Kosmetikerin ihr Miss-Krönchen abgelegt hatte, ihren unermüdlichen Verfolger. Es musste die große Liebe sein, eine Liebe, die für fast ein halbes Jahrhundert gut war - und mehr.

Die Trauerfeier für Carlheinz Hollmann findet am 19. Mai 2004, 10.30 Uhr, in der Hauptkirche St. Michaelis statt, Hamburgs Wahrzeichen. Das ist gut so. Denn Carlheinz Hollmann, der Mann für alle Fälle, war ein Stück Hamburg.