Rote Flora ein Spielball? Unternehmer drohte Stadt

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Elisabeth Stimming

Streit: Es ging um die Villa im Heine-Park. Klausmartin Kretschmer spielt alles herunter.

Immobilienhändler Klausmartin Kretschmer (46) hat der Finanzbehörde in einem internen Schreiben damit gedroht, er wolle die Rote Flora "medienwirksam auf den Markt werfen", sollten sich ihm vorliegende Hintergrundinformationen im Zusammenhang mit der von ihm gemieteten Plangeschen Villa im Heine-Park an der Elbchaussee bestätigen. Das Schreiben ist datiert vom 18. Februar und direkt an Finanzsenator Wolfgang Peiner gerichtet. Das bestätigte Kretschmer gegenüber dem Abendblatt.

Nach Angaben Kretschmers war das Schreiben Teil eines längeren Briefwechsels in Sachen Plangesche Villa. Der rüde Ton, so verteidigte sich Kretschmer, sei nur aus dem kompletten Schriftverkehr zu erklären. Und: "Mit Markt war nicht der Immobilienmarkt gemeint, sondern der Informationsmarkt." Denn Fakt ist, und das wissen alle Beteiligten, dass die Rote Flora nicht ohne Zustimmung des Senats weiterverkauft werden kann. Und diese Zustimmung gibt es nicht.

Kretschmer hatte das Gebäude 2001 für 370 000 Mark von der Stadt erworben und den von linken Autonomen besetzten Brennpunkt damit befriedet. Doch für ihn blieb der Kauf nicht ohne Folgen: Es habe in Verbindung mit dem Flora-Kauf Mord- und andere Drohungen gegen ihn gegeben. Seiner Frau, einer Malerin (inzwischen wird Kretschmer häufig mit Ex-Bohlen-Freundin Nadja Abd El Farrag gesehen), seien Ausstellungen abgesagt worden. Sein Auto sei demoliert worden. "Ich wurde mit all dem von der Stadt allein gelassen, obwohl mir garantiert wurde, dass mir durch das Flora-Engagement kein Schaden entstehen sollte." Mit diesem Sachverhalt wollte Kretschmer nun an die Öffentlichkeit gehen und den Senat unter Druck setzen.

Verärgert ist er vor allem deshalb, weil ihm die Plangesche Villa, wie er glaubte, bis zum endgültigen Verkauf an einen Investor zur Miete zur Verfügung gestellt werden sollte. Er will das Haus kaufen. Die Vermieterin SpriAG hat das Haus jedoch kürzlich (wir berichteten) der Hamburger Marketingakademie für drei Jahre zur Miete angeboten. Der Mietvertrag mit Kretschmer kann mit einer Frist von vier Wochen gekündigt werden.

Der Grund für den Sinneswandel der Vermieterin, so heißt es aus informierten Kreisen, seien Beschwerden über Lärmbelästigung sowie der Umstand, dass die Stadt das Haus zum Zeitpunkt des Verkaufs garantiert leer haben will. Aus der Liegenschaft heißt es: "Über vertragliche Verhältnisse geben wir keine Auskunft." Kretschmer hatte die Villa für den Architektur-Sommer 2003 gemietet, öffentliche Veranstaltungen waren Bestandteil des Vertrages.

In der Finanzbehörde sieht man den Vorgang gelassen: "Wir nehmen keine Stellung zu internem Schriftverkehr", erklärte Behördensprecher Burkhard Schlesies. Der Heine-Park, in dem die Villa steht, sowie das Gelände der Seefahrtschule an der Rainvilleterrasse (zusammen 30 000 Quadratmeter) wurden vergangene Woche in Cannes auf der Immobilienmesse Mipim angeboten. Schlesies: "Es gibt Interessenten."

Das Gelände soll in diesem Sommer gegen Höchstgebot ausgeschrieben werden. Einer Bewerbung Kretschmers steht nichts entgegen: "Klausmartin Kretschmer ist uns als Immobilienhändler bekannt und genauso lieb wie jeder andere", erklärt Schlesies. Der umstrittene Brief mit der Flora-Drohung habe keinen Einfluss auf die Bewerbung: "Es gibt kein Junktim (wegen innerer Zusammengehörigkeit notwendige Verbindung etwa von Verträgen, d. Red.) zwischen einzelnen Immobilien der Stadt."

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