Kratz-Vandalen in der U-Bahn

Junge Täter: Fast alle Scheiben sind beschädigt. Schaden: 2,5 Millionen Euro.

Es dauert jeweils nur Sekunden - aber der Schaden ist immens. Mindestens 2,5 Millionen Euro müsste die Hamburger Hochbahn aufwenden, wollte sie jede U-Bahn-Scheibe ersetzen, die im vergangenen Jahr mutwillig zerkratzt worden ist.

"Scratching" (von englisch: to scratch - zerkratzen) heißt die Unart unter Jugendlichen - und sie breitet sich in Hamburg immer stärker aus. So sehr, dass mittlerweile so gut wie alle 13 500 Fensterscheiben der 750 Hamburger Hochbahnwagen mehr oder weniger stark beschädigt sind.

Daher hat die Hochbahn beschlossen, beschädigte Scheiben nicht auszutauschen. Es sei denn, sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar, weil sie zerbersten könnten oder es wurden Zeichen wie Hakenkreuze verwendet. "Ansonsten lohnt sich der Austausch aber nicht", so Gabriele Steeb (36), Pressesprecherin der Hochbahn. "Die neuen Scheiben sind ganz schnell wieder verkratzt." Insgesamt 3,2 Millionen Euro hat die Hochbahn 2002 für die Beseitigung von Vandalismus-Schäden wie Graffiti oder aufgeschlitzte Sitze ausgegeben.

Die Motive für den Vandalismus: Langeweile, Übermut - oder die Jugendlichen wollen sich vor anderen beweisen. Manche hinterlassen ihre Initialien - so genannte Tags - andere zerstören einfach sinnlos die Scheibe.

Nur selten gelingt es den Männern von der U-Bahn-Wache, einen Täter zu schnappen. Das Problem ist, dass die in der Regel Zwölf- bis 16-Jährigen kleine unauffällige Gegenstände verwenden. Bohrer, Ringe mit einem Dorn oder auch kleine Streifen Schleifpapier werden bevorzugt. Alles, was man schnell in seiner Hand verstecken kann. Zudem sind viele Täter nicht allein. Arndt Malyska, Geschäftsführer der Hamburger U-Bahn-Wache GmbH, sagt, "dass nur Wachmänner in Zivil eine Chance haben, mal jemanden auf frischer Tat zu erwischen. Uniformen schrecken im Vorfeld ab. Insbesondere, wenn ein Zug mit neuen Scheiben eingesetzt wird, wird dieser einige Zeit beobachtet. Bei gruppenweisem Auftreten der "Scratcher" haben jedoch auch diese Wachmänner keine Chance. Mehrere Jugendliche verdecken den eigentlichen Täter und dieser vollendet blitzschnell sein Werk."

Und bei anderen Passagieren stößt das Treiben der "Scratcher" meist auf Gleichgültigkeit. Hinweise aus der Bevölkerung erhalten die Wachmänner so gut wie nie. Bei der Rheinbahn in Nordrhein-Westfalen geht man mit dem Problem anders um: Dort wird für Hinweise auf "Scratcher" eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt.

Die Hamburger Hochbahn setzt mehr auf Abschreckung. Bis zum Frühjahr 2004 sollen alle Wagen mit Videokameras ausgestattet werden. Eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung stellt die Hochbahn immer, wenn der Täter strafmündig ist. Und er muss zivilrechtlich für den Schaden aufkommen. Wenn die Minderjährigen das finanziell nicht können, werden die Eltern in die Pflicht genommen.