Dammöffnung - Anwohner in Angst

EU-Projekt: Hamburger Umweltbehörde will 92 Hektar große Wattfläche schaffen.

Weil die Umweltbehörde an Hamburgs östlichster Grenze eine etwa 92 Hektar große Wattfläche schaffen möchte, fürchten Bewohner des angrenzenden schleswig-holsteinischen Escheburg-Vossmoor um ihre Häuser. Denn: Damit auf den "Borghorster Elbwiesen" ein Tide-Auwald und Stromlandwiesen entstehen können, muss der Leitdamm im Dreieck Altengammer Hauptdeich, Horster Damm und Elbe auf einer Länge von 80 Metern geöffnet werden. Nur so können die Gezeiten wie zuletzt vor etwa 35 Jahren wieder ungehindert ein- und ausströmen.

Doch das EU-Life-Projekt, das aus Brüssel bezuschusst wird, macht den Anwohnern Angst. Sie fürchten, dass der äußerst empfindliche Wasserhaushalt in der Region durcheinander gerät. Ein steigender Grundwasserspiegel könnte Keller und Grundstücke durchfeuchten. Die Stabilität von etwa 150 überwiegend hochwertigen Häusern wäre durch unterirdische Ausspülungen gefährdet.

"Wo heute Häuser stehen, haben vor 40 Jahren noch Kinder gebadet", sagt Wilfried Weilbach (66), Vorsitzender der Bürgerinitiative und einer der ersten Siedler im Vossmoor. "Das Gelände war durchnässt. Das änderte sich erst nach dem Bau des Leitdamms. Heute ist dies eine gefragte Wohngegend", sagt der pensionierte Lehrer, der sein Grundstück noch zu einem Qua-dratmeterpreis von sechs Mark (etwa 3,08 Euro) kaufen konnte. Inzwischen ist der Preis auf rund 200 Euro gestiegen. "Aber", sagt Weilbach, "damit wir hier weiter sicher leben können, sind wir auf einen stabilen Grundwasserstand angewiesen. Jeder starke Eingriff in den Wasserhaushalt führt zur Katastrophe." So habe sich schon die Elbvertiefung negativ ausgewirkt. Einige Häuser hätten Risse bekommen, manche Grundstücke im Frühjahr über Wochen unter Wasser gestanden.

Doch damit nicht genug. "In unmittelbarer Nachbarschaft der ,Borghorster Elbwiesen' stand die Pulverfabrik Düneberg. Niemand weiß, welche Schadstoffe dort freigesetzt werden, wenn der Boden durchfeuchtet", sagt Anwohner Gernot Schreiber (41). "Aber natürlich hat das Projekt aus Sicht der Hamburger Behörde keine negativen Auswirkungen. Alle Probleme entstehen ja auf Schleswig-Holsteiner Gebiet."

Vorwürfe, die die Umweltbehörde scharf zurückweist: "Das Vorhaben wäre nicht als EU-Life-Projekt genehmigt worden, wenn solche Aspekte unberücksichtigt geblieben wären", sagt deren Sprecher Volker Dumann (50). "Bei dem Fabrikgelände wurde schon Ende der 80er-Jahre festgestellt, dass kein Sanierungsbedarf besteht." Und auch das Wasserproblem habe die Behörde immer im Blick gehabt. Hauptursache für die Schwierigkeiten sei, dass die Brookwetterung, ein Grabensystem, nicht mehr richtig arbeite. Gestern sei jedoch beschlossen worden, den Graben zu ertüchtigen. "Wir haben das Problem gesehen und sind aktiv geworden", so Dumann. Wilfried Weilbach glaubt nicht an eine einfache Lösung. "Wir wissen aus Erfahrung, dass das Grundwasser und das Grabensystem nichts miteinander zu tun haben."