Protestdemonstration gegen die Primarschule

Eltern fürchten "Schulchaos" und fordern Reformstopp

Rund 4000 Kritiker haben am Sonnabend in Hamburgs Innenstadt gegen die von CDU und Grünen geplante Einführung einer Primarschule protestiert. Viele Eltern fürchten, dass ihre Kinder als "Versuchskaninchen" missbraucht werden. Bilder von der Protestdemo.

Mehr als 4000 Menschen haben am Sonnabend Mittag in der Hamburger Innenstadt gegen die sechsjährige Primarschule demonstriert, die von 2011 an in Hamburg eingeführt werden soll. Mit Trillerpfeifen, Rasseln, Tröten und selbst gemalten Schildern zogen Väter, Mütter, manche Großeltern und viele Kinder vom Gänsemarkt zum Rathausmarkt.

Es war ein freundlicher, friedlicher Protest mit einer klaren politischen Botschaft, die sich vor allem an Bürgermeister Ole von Beust (CDU) richtete. "Herr Bürgermeister, ziehen Sie die Notbremse! Es droht uns ein organisatorisches Chaos", rief der Schauspieler Sky du Mont, zweifacher Vater, auf dem Rathausmarkt unter donnerndem Beifall. "Sagen Sie: Yes, we can. Wir haben den Mut, diese Reform zu stoppen!"

Die Gegner der Schulreform des schwarz-grünen Senats kamen Stadtteilen wie Eppendorf, Lurup, Niendorf, Wilhelmsburg und den Elbvororten, von wo die Protestbewegung ihren Ausgang genommen hatte. Sie wenden sich gegen die Abschaffung des Elternwahlrechts für die weiterführende Schule und sind für den Wechsel nach Klasse vier.

Eine Sorge ist, dass die Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium zur Schließung vieler Standorte führen würde. Viele waren zum ersten Mal oder zum ersten Mal seit langer Zeit auf einer Demonstration. "Wir sind keine Versuchskaninchen", stand auf den T-Shirts, die sich viele Kinder, aber auch einige Erwachsene übergezogen hatten. "Ole zum Nachsitzen", stand auf Plakaten oder eine neue Lesart von CDU: "Chaos Durch Unfähigkeit".

Zum einzigen Zwischenfall mit zwei kleinen Rangeleien kam es, als sich dem Demo-Zug auf dem Jungfernstieg eine Gruppe von 50 Gegendemonstranten entgegenstellte. Die von der Lage überraschte Polizei benötigte eine halbe Stunde, bis die jungen Leute beiseite gedrängt waren.

Letzter Redner auf dem Rathausmarkt war Walter Scheuerl, der Sprecher der Volksinitiative "Wir wollen lernen", die die Primarschulreform per Volksentscheid kippen will. "Das war nur die erste Demonstration. Wir kommen wieder", reif Scheuerl der begeisterten Menge zu.

Als die Orgaisatoren dann den letzten Satz mit gereckten Fäusten mehrfach skandierten und viele Demonstranten lautstark einstimmten, hatte der bürgerliche Protest plötzlich einen Hauch von Revolutionsromantik der 60er und 70er Jahre.