Michael Neumann - vor ihm hat sogar von Beust Respekt

Der 32-Jährige gilt als die Nachwuchshoffnung der Hamburger Sozialdemokraten

Sein Händedruck passt prima ins Bild. Nachdem Michael Neumann (32) einen begrüßt hat, kontrolliert man verstohlen, ob nicht vielleicht ein Knochen der eigenen Hand zersplittert ist. Ein harter Händedruck gilt ja gemeinhin als männlich - und so vervollkommnet die Begrüßung erst einmal das Klischee, in das Neumann perfekt zu passen scheint: Berufssoldat, innenpolitischer Hardliner, SPD-Parteirechter aus dem Bezirk Mitte mit dem unausgesprochenen Berufswunsch Innensenator. Ein harter Hund, den die SPD gebraucht hat, um den Kurs in Sachen Innere Sicherheit nach Jahren der Weicheierei zu korrigieren. Ein Provinz-Schily für Hamburg - der perfekte Gegenspieler für Ronald Schill.

Tatsächlich hat der gebürtige Dortmunder seinen schnellen Aufstieg zum Fraktionsvize gerade Schill zu verdanken. Neumann ist in der Hamburger SPD einer der Sieger der Wahlniederlage von 2001. Kaum ein anderer Genosse konnte sich im ersten Jahr Opposition so profilieren wie der talkshowtaugliche Oberleutnant.

Neumann hat Schill ständig mit Zahlen zu Kriminalität und Polizeistärke getriezt, er hat lange vor Schill ein Konzept für einen Ordnungsdienst vorgelegt, er hat den Senat beim Thema Verfassungsschutzgesetz wochenlang vor sich hergetrieben - und er hat die hadernde SPD auf Brechmitteleinsätze gegen Dealer und auf geschlossene Heime eingeschworen. "Wir sind selbst Schuld an der Wahlniederlage von 2001", sagt Neumann. "Die SPD hatte das Thema Innere Sicherheit jahrelang verschlafen."

Und doch gibt es noch einen anderen Neumann. Den gläubigen Katholiken etwa, der im Hamburger Vorstand des Vereins Donum Vitae sitzt, "um die Schwangeren-Konfliktberatung sicherzustellen, auch wenn es dem alten Mann in Rom nicht gefällt". Oder den Ehemann, der am 13. Dezember, Stunden vor dem Rücktritt von SPD-Fraktionschef Uwe Grund (50), die Deutsch-Türkin Aydan Özoguz (35) geheiratet hat und im Sommer ein Kind mit ihr erwartet. Die Verbindung mit der in Hamburg geborenen Anglistin, die seit 2001 für die SPD in der Bürgerschaft sitzt, hat viele überrascht, weil beide als zu unterschiedlich galten: der Katholik und innenpolitische Hardliner einerseits - und die gläubige Muslimin, die sich in der Sozialpolitik engagiert, andererseits. Dieser Brückenschlag im Privaten zeigt, dass Neumann eben nicht einfach in eine Schublade zu stecken ist. Problematisch könnte sein, dass Özoguz' Bruder Yavuz als islamischer Fundamentalist gilt - und ihm in der "Frankfurter Allgemeinen" gar eine Nähe zum Terrorismus nachgesagt wurde. Neumann sieht das gelassen: Erstens liege gegen Yavuz Özoguz nichts vor - und zweitens gebe es keine Sippenhaft.

Gelassenheit und kühle Verbindlichkeit sind Neumanns Markenzeichen, vermutlich Markenzeichen des Berufssoldaten, zu dem er 1996 ernannt wurde. Seine Frau wundere sich manchmal über sein Vertrauen in Staat, Polizei und Bundeswehr, so Neumann. "Dann sagt sie immer: An diesem Vertrauen merkt man, dass Du ein Einzelkind bist."

Aufgewachsen ist Neumann in Dortmund, gut behütet und ohne Mangel zu leiden, wie er sagt. Dass er bereits mit 19 Jahren in die SPD eingetreten ist, liege an seiner Herkunft. Sein Vater habe auf der Zeche gearbeitet, seine Mutter sei Verkäuferin. "Da tritt man nicht in die FDP ein." Ebenfalls 1989, verpflichtete er sich bei der Bundeswehr - "weil diese Gesellschaft es wert ist, dass ich mein Leben für sie einsetze".

Zum Studium der Politikwissenschaft kam Neumann an die Hamburger Bundeswehr-Uni - und engagierte sich in der Horner SPD, deren Vorsitzender er 1996 wurde. Seit 1997 sitzt er in der Bürgerschaft, seit 2001 ist er Fraktionsvize. In der Haushaltsdebatte erhielt Neumann jetzt eine Art Ritterschlag: Ole von Beust (47) wandte sich nur kurz an SPD-Fraktionschef Grund - um sich dann minutenlang mit Neumann auseinander zu setzen, der Beust offenbar als gefährlicher Gegenspieler erscheint.

Viele haben Neumann zugetraut, nach dem Rücktritt von Fraktionschef Grund selbst zu kandidieren. Aber er hielt sich zurück. Einer, der 2005 Innensenator werden will und später vielleicht viel mehr, der darf sich nicht verheizen lassen. Zwar spricht er nicht offen über seine Ambitionen, aber eines betont Neumann: "Ich bin erst 32!"

Bis er ganz oben ist, arbeitet Neumann weiter - ohne Hektik und ohne sich an großen Visionen aufzureiben. Sein Vorbild Helmut Schmidt sagte mal, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen. Neumann formuliert das freundlicher. "Mein Ziel ist es nicht, eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung zu schaffen. Ich will erst mal was für meine Stadt tun."