Speed-Dating: Hier geht es nicht ums Flirten

Ein Date für Hamburgs Zukunft

Stadtplaner testen neue Art der Bürgerbeteiligung. Zum ersten Treffen kamen 75 Menschen nach Altona.

Es ist eine Methode, die bisher eher dazu führen sollte, den richtigen Traumpartner zu finden: Beim "Speed-Dating", einer Art Blitz-Kennenlernen, hat man nur wenige Minuten Zeit, sich vorzustellen und sein mehr oder weniger zufällig ausgewähltes Gegenüber von sich zu überzeugen. Statt um Liebe ging es am Mittwochabend beim "Speed-Dating" im "Kulturwerk West" in Altona aber um etwas ganz anderes: Stadtplanung und die Zukunft Hamburgs. Nicht Traumpartner sollten sich dabei finden, sondern Menschen, die neue Ideen für ihre Stadt voranbringen wollen. "Eine ganz neue Form der Bürgerbeteiligung", wie Julian Petrin von der Initiative "Nexthamburg" sagt. Das klingt zunächst sehr abstrakt, hat aber einen sehr konkreten Hintergrund und auch weltweite Vorbilder: Die Initiative "Nexthamburg" ist eine Gruppe junger freier Stadtplaner, die unter anderem vom Bund mit rund 200 000 Euro gefördert wird. Die kommenden zweieinhalb Jahre sollen fünf weitere solche Initiativen in Hamburg entstehen. "Das ist kein Ersatz für die Planung der Behörden, soll ihr aber viele neue Impulse geben", sagt Petrin.

Tatsächlich dürfte es an neuen Ideen nicht mangeln: Schon gleich bei der Premiere waren 75 Menschen gekommen. Verteilt an acht Thementischen, hatten sie drei Minuten Zeit, ihrem direkten Gegenüber eine Idee vorzustellen, dann rutschten alle einen Stuhl weiter - und neue Gesprächspaare saßen sich gegenüber. Der Geräuschpegel erinnerte dabei an das laute Stimmengewirr in einer Theaterpause. Viel wurde da diskutiert: Die Neu-Hamburgerin und Unternehmensberaterin Anke Steinbach (36) warb beispielsweise für ihre Idee, die Straße an der Alster in St. Georg zu untertunneln, um die Uferpromenade vom Verkehrslärm zu befreien. Die Juristin Renate Thomsen (57) will das marode Einkaufszentrum Mümmelmannberg für soziale Projekte öffnen. Andere Vorschläge beschäftigen sich mit dem Elbufer gegenüber den Landungsbrücken. Dort dürfe nicht einfach die Büro-Architektur der HafenCity wiederholt werden, sondern dieses Areal beim Musicalzelt "König der Löwen" müsse zu einem Ausflugziel für Hamburg werden. Ein Vergnügungspark wie in Kopenhagen sollte dort entstehen, so einer der vielen Vorschläge.

Siegervorschlag wurde dann nach einer großen Diskussionsrunde und einer Abstimmung allerdings etwas anderes: Hamburg soll eine spezielle Agentur gründen, die für vorübergehend leer stehende Gebäude eine günstige Nutzung durch Künstler oder Unternehmensgründungen vermittelt. Petrin: "Wir werden die Idee jetzt konkretisieren, Daten sammeln und mit Maklern sprechen." Es ist gut möglich, so hofft der Planer, dass schon die erste Speed-Dating-Idee auch umgesetzt wird. (at)

Infos: nexthamburg.de