Absage: Zu viele Unklarheiten und zu hohe Kosten

Pläne für Uni-Umzug offenbar geplatzt

Ende Januar stellt die Behörde Details vor. Doch Vertreter von GAL und CDU, Studenten und Professoren lehnen das Projekt ab.

Noch bevor der Senat konkrete Pläne präsentiert hat, ist das Szenario eines Umzugs der Universität in die HafenCity auf politischer Ebene offenbar geplatzt. Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) hat aus der eigenen Partei und vom Koalitionspartner GAL klare Absagen erhalten. CDU-Hochschulexperte Wolfgang Beuß bezeichnet das mindestens drei Milliarden Euro teure Projekt als nicht finanzierbar. "Wir müssen erkennen, dass die Zeiten sich geändert haben. Als die Prüfung des Totalumzugs eingeleitet wurde, hatte die Finanzkrise noch nicht zugeschlagen", sagte Beuß, der sich als Kreischef in Eimsbüttel auch für die Interessen des Stadtteils einsetzt. GAL-Fraktionschef Jens Kerstan sagte dem Abendblatt: "Wir haben von Anfang an klargemacht, dass wir diesem Szenario skeptisch gegenüberstehen. Für uns gehört die Uni nach Eimsbüttel." Auch die zunächst aufgeschlossene Studierendenvertretung AStA hält das Projekt mittlerweile für unrealistisch. "Ein Umzug würde zu viel Geld kosten, viel zu lange dauern und zu wenig nennenswerte Vorteile bringen", sagte Vorsitzender Benjamin Gildemeister. Auch stößt eine angedachte Nutzung der Flächen am Kleinen Grasbrook auf Widerstände (siehe unten).

Erstmals warnt auch der ehemalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) vor zu vielen Unklarheiten. Zwar sei die gegenwärtige bauliche Lage der Uni erneuerungsbedürftig, auch fehle ein zentraler Campus. Ob sich jedoch in der HafenCity ein passendes Umfeld für die Hochschule entwickeln könne, sei "schwer zu beurteilen". Auch müsse die Finanzierbarkeit eines solchen Riesenprojekts gesichert sein. "Die Frage nach einem Umzug der Universität ist derzeit nicht zu beantworten", sagte von Dohnanyi dem Abendblatt.

Es war ein Paukenschlag, mit dem Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) kurz nach ihrem Amtsantritt im Sommer die Zukunft der Uni zum Stadtgespräch machte. Der Senat prüfe vier Zukunftsszenarien für die Uni, eines davon die komplette Verlegung in die HafenCity, teilte sie mit. Zur teilweisen Finanzierung der Neubauten an der Elbe sollen Gebäude des City-Campus verkauft werden. Während Bürger im Grindelviertel Unterschriften gegen diese Pläne sammeln, hüllt sich die Senatorin in Schweigen und verweist auf Arbeitsgruppen, in die "nicht mal sie selbst" Einblick habe. Ende Januar sollen Ergebnisse veröffentlich werden. Geprüft werden auch eine teilweise Verlagerung von Fachbereichen oder eine Sanierung vor Ort.

Als Senatorin Gundelach diese Pläne präsentierte, war öffentlich allerdings noch nicht bekannt, dass die schwarz-grünen Projekte, etwa die Schulreform, ohnehin rund 800 Millionen Euro zusätzliche Ausgaben bedeuten, zudem sind die Erwartungen an das Steueraufkommen für 2009 deutlich gesunken.

Besonders Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz engagiert sich seit Bekanntgabe der Pläne für einen kompletten Umzug, ihren Angaben zufolge aus Platzmangel am City-Campus. Ihr Amtsvorgänger Jürgen Lüthje hingegen bezeichnete die Umzugspläne gegenüber dem Abendblatt als "schädlich". Bereits unter Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) sei ein Masterplan zur Universitätsentwicklung immer wieder aufgeschoben worden, rund 50 Millionen Euro, der in der Finanzplanung bereits für die Sanierung des Geomatikums vorgesehen war, wurde zugunsten der HafenCity-Universität verlagert. Außerdem stünden am City-Campus ausreichend Bauflächen zur Verfügung, Kosten für Neubauten und Sanierung vor Ort lägen bei 500 Millionen Euro. Dem stehen mindestens drei Milliarden Euro für einen kompletten Umzug gegenüber. "Eine Verlagerung lähmt zudem die Entwicklung der Universität weit mehr als zehn Jahre lang, während sich in diesem Zeitraum in zwei weiteren Exzellenz-Wettbewerben die Leistungshierarchie der deutschen Universitäten verfestigt", sagte Lüthje. Zu einem ähnlichen Fazit kommt auch SPD-Hochschulexpertin Dorothee Stapelfeldt: "Nichts spricht dafür, dass eine vollständige Verlagerung finanzierbar oder sinnvoll wäre." Stattdessen müsse die Uni nun Mittel für moderne Bauten inmitten der Stadt erhalten.

Auch die Mitglieder des kunstgeschichtlichen Seminars, darunter der Hamburger Kunsthistoriker Hermann Hipp, haben sich indes in einem Brief an das Uni-Präsidium gegen die Umzugspläne positioniert. Neben dem Argument der Finanzierung wollen sie "Qualitäten des City-Campus in die Waagschale werfen", heißt es in dem Schreiben. Die Universität sei auf "einzigartige Weise mit ihrem Viertel verflochten, einem der schönsten Stadtteile Hamburgs". Rotherbaum seinerseits profitiere von der Universität, so wie sie umgekehrt von der Alsternähe Ansehen und Lebensqualität gewinne. Weiter heißt es: "Diesen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Universitäten aufs Spiel zu setzen halten wir für falsch, gar fahrlässig."