Standort: GAL, Opposition und Umweltverbände attackieren den Energiekonzern

Kraftwerk Wedel bleibt am Netz - Empörung über Vattenfall

| Lesedauer: 2 Minuten

Die Vorwürfe reichen von "Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Vattenfall" über "Wortbruch" bis hin zu "gezielte Täuschung". In der Kritik an der...

Die Vorwürfe reichen von "Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Vattenfall" über "Wortbruch" bis hin zu "gezielte Täuschung". In der Kritik an der Entscheidung Vattenfalls, den Kraftwerksstandort Wedel nun doch nicht aufgeben zu wollen, herrschte gestern ungewohnte Einigkeit bei Regierungspartei, Opposition und Umweltverbänden.

Bisher hatte es geheißen, Vattenfall wolle im Gegenzug zum Bau des Kraftwerks Moorburg den Standort in Wedel aufgeben. Gestern hatte das Unternehmen dem Abendblatt bestätigt, dass sich diese Pläne, mit Verweis auf die unsichere Situation in der Energiepolitik, mittlerweile geändert hätten.

Jenny Weggen, umweltpolitische Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion, sagte dazu: "Die Schließung alter Werke galt bei Vattenfall bisher als das Hauptargument für den Bau neuer Kohlekraftwerke. Das Verhalten des Energieversorgers zeigt deutlich, dass er an klimafreundlicher Energiegewinnung nicht im Mindesten interessiert ist."

Mit der Abkehr von der ursprünglichen Planung, den Standort Wedel aufzugeben, produziere der Energiekonzern aus Sicht von SPD-Umweltexpertin Monika Schaal "neue Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit".

Ihre linke Fachkollegin Dora Heyenn sagte: "Vattenfall fühlt sich an keins seiner durchsichtigen Versprechen gebunden. Die Dreckschleuder Moorburg kommt und die in Wedel bleibt, das ist doppelter Wortbruch."

Von "Wortbruch" spricht auch die Umweltorganisation Greenpeace. Der Umweltverband Nabu wirft dem Stromerzeuger "gezielte Täuschung der Öffentlichkeit und der Stadt Hamburg" vor. Die Schließung des Standortes Wedel sei das Hauptargument für den Bau von Moorburg gewesen, betonte Nabu-Geschäftsführer Stephan Zirpel.

Vattenfall selbst wies gestern noch einmal darauf hin, dass die "Versorgungssicherheit der Fernwärmekunden Priorität" habe. Nach der Inbetriebnahme von Moorburg solle das Heizkraftwerk Wedel zunächst in der sogenannten warmen Reserve gehalten werden. Das Kraftwerk werde dabei mit geringerer Leistung eines seiner beiden Blöcke betreiben, um nötigenfalls schnell die Versorgung übernehmen zu können. Später soll es ein Jahr lang in der kalten Reserve laufen. Das Kraftwerksgelände in Wedel möchte Vattenfall auch zukünftig als Standort erhalten. Das 1971 errichtete Gasturbinenkraftwerk wird dort weiter betrieben. Darüber hinaus gebe es derzeit keine konkreten Pläne für eine weitere Nutzung.

( rek )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg