Internat Louisenlund - hier wird im Abendkleid gefeiert

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Caroline Deuss

Schoss: Die Lehranstalt gilt als Salem des Nordens. Die Verbindungen halten ewig . . .

Das Herzklopfen vergisst man nie. Es ist da bei der Fahrt durch die lange Allee und beim ersten Blick auf das weiße Schloss an der Schlei. Davor steht die Sonnenuhr - Symbol des berühmtesten Internats im Norden: Louisenlund. Kaderschmiede für Hanseaten-Kinder. Bankier Max Warburg (55) ging hier zur Schule, Reeder Nikolaus W. Schües (67) baute sein Abitur in Louisenlund, Adelsfamilien wie die Prinzen zu Schleswig-Holstein, von Hessen, die Rantzaus oder Sayn-Wittgensteins schätzen das Internat für die Ausbildung ihrer Zöglinge. Von dem Herzklopfen erzählen sie alle. Die so genannten "Lunder". Die Schüler, die hier leben und lernen. Und die ehemaligen Schüler, die "Altlunder", die immer noch an ihrer Schule hängen und sie fördern. An diesem Abend wird in Louisenlund gefeiert - das große Sommerfest, Abschluss des Schuljahres. Stundenlang haben sich die jungen Mädchen geschmückt. Sie schreiten in langen Abendkleidern in Pastelltönen über den Rasen und sehen wie kleine Prinzessinnen aus. Die Jungen tragen dunkelblaue Blazer und Krawatten zur coolen Gel-Frisur. Es gibt Prosecco, Bier und Würstchen unter freiem Himmel - danach wird in einem Zelt getanzt. "Der Höhepunkt vor den Ferien", findet Tabea (16) und zupft an ihrer rosa Taftrobe, die sie in einer Boutique in Hamburg extra für diese Feier ausgesucht hat. Louisenlund hat den Ruf einer Eliteschule. Es gehört neben Salem am Bodensee und Stein in Bayern zu den feinsten Internaten Deutschlands. In Norddeutschland gibt es neben Louisenlund noch Marienau bei Lüneburg und das Nordsee-Internat St. Peter-Ording. "In Louisenlund wird für die Zukunft gelernt", sagt Schulleiter Henning Kraack (55), der seit 28 Jahren hier tätig ist. In einer Satzung bekennen sich die Louisenlunder zu Verantwortung, Ehrlichkeit, Respekt und Toleranz. "Viele der Eltern legen Wert darauf, dass ihre Kinder hier Freunde finden, die passen", so Kraack. 2090 Euro im Monat kosten Schule und Unterbringung. Teil- und Vollstipendien sorgen dafür, dass auch begabte Kinder von weniger begüterten Eltern hier hier Abitur machen können. In 40 so genannten Gilden gibt es Freizeitaktivitäten für die Mädchen und Jungen wie Segeln, Tennis, Hockey, Golf oder Reiten, aber auch Theater und eine Debating Society. Außerdem ist Louisenlund offizieller THW-Stützpunkt, es gibt eine Löschgruppe der freiwilligen Feuerwehr und soziale Aufgaben, wie zum Beispiel Altenbetreuung durch die Schüler in den Nachbargemeinden. Der wachsende Unmut vieler Eltern über staatliche Schulen freut Louisenlund - das Internat verzeichnet eine steigende Nachfrage. "Wir sind nahezu hundertprozentig ausgelastet", sagt Kraack. Neben dem schulischen Programm ist ihm wichtig, dass seine Schüler fürs Leben lernen: "Schule erfasst nur einen Teil der Fähigkeiten eines Menschen - im Zusammenleben und der Übernahme von Verantwortung füreinander lernen die Jungen und Mädchen, der Chance des Aufwachsens an einem priviligierten Ort gerecht zu werden." Schüler Solomon (14): "Das Gemeinschaftsgefühl hier ist groß. Man ist rund um die Uhr zusammen - die Freundschaften, die wir schließen, sind sicher intensiver als auf staatlichen Schulen." Es sind oft Freundschaften, die ein Leben lang halten. Rund 1300 ehemalige Schüler sind Mitglied im Altlouisenlunder Bund, der vor über 40 Jahren gegründet wurde. Sie treffen sich regelmäßig in Städten wie Hamburg, Berlin und München, aber auch in London oder New York. Wiebke Bahl (36) leitet die Geschäftsstelle des ALB-Vereins in Hamburg: "Wir organisieren Berufsseminare, vermitteln Praktika, Wohnungen oder helfen bei der Suche nach alten Klassenkameraden." Vor allem aber die Lebenswege werden begleitet: "Es gibt viele Louisenlunder Ehen. Hochzeitsfotos und Geburtsanzeigen veröffentlichen wir in unserer Zeitung, der ,ALB-Post'." Auch die Altlunder feiern gern - jedes Jahr gibts ein großes Fest. Dann kehren sie alle zum weißen Schloss zurück und spüren es wieder - das Herzklopfen, wenn sie auf die Schlei schauen. Altschüler Eibe Jantzen (66) aus Hamburg erklärt seine Gefühle für Louisenlund so: "Ich habe geheult, als ich hierher kam, und ich habe geheult, als ich wieder weg musste."

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