Insolvenz: Norbert Pape soll sich beim Bau des Einkaufszentrums übernommen haben. Viele Handwerker warten auf ihr Geld.

Ein Haus in Hamburgs Norden - gepflegter Garten, großes Grundstück, gehobene Preisklasse. Vor der Tür ein dunkler S-Klasse-Mercedes, auf der Auffahrt ein Chrysler Van. Hier wohnt Norbert Pape (44), der Mann, der sich beim Bau des Stadtteilzentrums Volksdorf (wir berichteten) offenbar übernommen hat. Beinahe ein Dutzend Handwerksbetriebe wartet jetzt auf ihr Geld - einer hat bereits Insolvenz angemeldet. Doch Pape spielt entspannt mit seinen Kindern im Garten, während an der Fabriciusstraße in Bramfeld die Firma Optimatic abgewickelt wird. Sieben Arbeitsplätze gehen verloren. Der Lüftungs- und Klimaanlagenbauer hat seine Beteiligung am Bau des ehrgeizigen 12,5-Millionen-Euro-Projekts im Volksdorfer Ortskern nicht überstanden. Nach umfangreichen Arbeiten im April sollen Rechnungen in Höhe von mehreren 100 000 Euro bis heute nicht beglichen worden sein, heißt es aus dem Unternehmen. "Ja, wir haben am 23. Mai Insolvenz angemeldet", bestätigt Jozsef Toth (49), Projektleiter bei der Optimatic Energiesysteme GmbH. Am vergangenen Donnerstag stellte auch Investor Pape für seine Grundstücksgesellschaft Eulenkrugpfad 8-14 mbH den Insolvenzantrag. Möglicher Grund: Nach unbestätigten Informationen sollen die Kosten für den Bau des Einkaufszentrums die Marke von 12,5 Millionen um bis zu 50 Prozent überschritten haben. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Grundstücksgesellschaft wurde gestern der Hamburger Rechtsanwalt Jörn Weitz-mann (41) bestellt. Nun muss der Jurist, der bereits im Abendblatt über den Fall gelesen hatte, klären, ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden kann. Erst danach geht es um Details. "Es wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös, eine Tendenz zu nennen", sagt Weitzmann. "Wir müssen erst sehen, welche Entwicklungsmöglichkeiten es gibt. Eine Entscheidung, wie es weitergeht, wird wahrscheinlich in den kommenden vier Wochen fallen", so der Jurist. Schwierig könnte die Abwicklung werden, weil der Bau bereits seit einem Monat ruht. Denn sollten andere Unternehmen weiterbauen, müsste zunächst geklärt werden, welche Firma wofür die Haftung übernimmt. Grundsätzlich sind die beteiligten Handwerker jedoch bereit, den Bau zu Ende zu bringen. Mehr noch: "Wir haben schon zwei interessierte Investoren, die nahtlos weitermachen würden", sagt Gustav-Adolf Oertzen (67), Seniorchef der Haus- und Versorgungstechnik Oertzen. Die Firma hatte die Einrichtung der Sanitär- und Heizungsanlagen übernommen. "Auch bei uns sind noch erhebliche Summen offen. Aber unser Betrieb kann das abfangen", sagt Oertzen, der zehn beteiligte Firmen vertritt und auf eine schnelle Lösung drängt. "Im Interesse der Volksdorfer und der Handwerker sollte schnell weitergebaut werden. Möglicherweise kann dadurch auch die eine oder andere Firma vor Schlimmerem bewahrt werden", sagt er. Laut Oertzen haben sich die Zahlungsschwiergkeiten nicht angekündigt: Erst Mitte Mai gab es kein Geld mehr. Zwei Wochen später soll Norbert Pape dann auf der Baustelle erschienen sein. "Er sagte: Ihr müsst eure Sachen packen", so Oertzen. Die Winsener packten daraufhin nicht nur Rohrleitungen, sondern auch ganze Kesselanlagen wieder ein. "Wir hatten Glück. Einige andere konnten ihre Sachen nicht wieder ausbauen", sagt der Seniorchef, der noch an ein gutes Ende glaubt. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass schnell entschieden werde, weil sonst möglicherweise auch die Mieter der neuen Läden in dem Einkaufszentrum abspringen könnten. Norbert Pape, der sich schon in den vergangenen Tagen gegenüber dem Abendblatt nicht hatte äußern wollen, darf zu dem Vorgang nun nichts mehr sagen, weil das Insolvenzverfahren läuft.