Abschied von Gerda Gmelin

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Diana Zinkler

Die große Intendantin und Schauspielerin wurde im "Garten der Frauen" beigesetzt.

Abschied von einer großen Hamburgerin: Rund 150 Menschen kamen am Mittwoch zur bewegenden Trauerfeier für Gerda Gmelin auf dem Ohlsdorfer Friedhof, darunter viele ihrer Schauspielkollegen. Die Feierhalle B war mit weißen Lilien geschmückt, und auf ihrem dunklen Sarg erinnerte ein Porträt an die jahrzehntelange Chefin des Hamburger Theaters im Zimmer. Im Alter von 83 Jahren war Gerda Gmelin nach schwerer Krankheit am 14. April gestorben. Zu Beginn der Trauerfeier wurden Auszüge aus dem von ihr geliebten Adagio der 5. Sinfonie von Anton Bruckner gespielt. Die Intendantin des Ernst-Deutsch-Theaters, Isabella Vertes-Schütter (41), und die ehemalige Hamburger Kultursenatorin Helga Schuchardt (63) würdigten Gmelin und betonten in ihren Trauerreden den Mut der Grande Dame, der sie ihr Leben lang ausgezeichnet habe: "Ihr Renommee als anspruchsvolle und mutige Prinzipalin des Theaters im Zimmer ist unumstritten," sagte Isabella Vertes-Schütter. Als Gerda Gmelin 1959 nach dem Tod ihres Vaters, Hellmuth Gmelin, sein im Stadtteil Pöseldorf geführtes Theater übernommen hatte, "so machte sie das aus Pflichtgefühl, aber wie es ihre Art war, eben sehr gründlich", so Vertes-Schütter. 1999 wurde das Theater im Zimmer geschlossen. "Diese inhaltliche Lücke, die Gerda damit hinterlassen hat, ist nicht zu füllen", sagte Helga Schuchardt. Ihr Theater sei eine Institution für Innovation und Experimente gewesen. Stücke von Eugene Ionesco, Harold Pinter oder Franz Xaver Kroetz wurden in ihrem Theater erstmalig in Deutschland aufgeführt. Eine bestimmte Rolle ziehe sich durch ihr Leben wie ein roter Faden, die "Winnie" aus Samuel Becketts Stück "Glückliche Tage", so Vertes-Schütter. Die "Winnie" hat Gerda Gmelin 1968, 1981, 1998 und zuletzt 2002 gespielt. Nach ihrer Vorstellung am 22. Dezember "wusste sie, dass das unwiderruflich ihre letzte Vorstellung war", sagte Isabella Vertes-Schütter. Denn nach der Vorstellung habe die Gmelin gesagt: "Nun schließt sich der Kreis." In der Rolle der "Winnie" sagte Gerda Gmelin allabendlich: "Ist die Schwerkraft nun die alte, Willi? Ja, immer mehr das Gefühl, dass ich, wenn ich einfach ins Blaue hinaufschweben würde, und dass die Erde vielleicht eines Tages nachgeben und mich gehen lassen wird." "Direkt und kompliziert war sie", das sei nicht immer leicht für ihre Freunde gewesen, sagte Helga Schuchardt. Darüber habe man schnell vergessen können, wie zart und verwundbar ihre Seele eigentlich war. Zum Abschied wurde eines ihrer Lieblingslieder gespielt, das französische Chanson "Parlez moi d'amour". Gerda Gmelin wurde im "Garten der Frauen" auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.

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