Elbchaussee: Villen ja, Glaskästen unerwünscht

Bezirk Altona will Neubauten künftig strenger prüfen.

Hamburgs schönste Straße, die Elbchaussee - sie soll so bleiben, wie sie ist, geprägt von alten Villen und weitläufigen Parks. Und damit sie so bleibt, will der Bezirk Altona künftig so weit wie möglich den Neubau quadratischer Stadtvillen aus Glas und Stahl und klotziger Wohnanlagen verhindern. "Wir haben endlich ein Instrument in Händen, mit dem wir an der Elbchaussee schnell intervenieren können", sagt Reinhard Schier (48), Leiter der Stadtplanungsabteilung des Bezirks. In einer monatelangen Stadtbilduntersuchung sind sämtliche 501 Häuser an der achteinhalb Kilometer langen Straße katalogisiert worden. "Jetzt sind alle architektonischen Denkmäler und sämtliche erhaltenswerten Gebäude markiert. Jetzt kann uns nichts mehr durch die Lappen gehen", sagt Schier, "wenn ein Bauantrag kommt, wissen wir jetzt sofort, ob ein Gebäude erhaltens- oder sogar denkmalwürdig ist, und können eingreifen." So könne der Bezirk etwa für eine Gruppe von Gebäuden eine Erhaltungsverordnung erlassen oder bei einem Abrissantrag eine Veränderungssperre verhängen. Schier: "Kein Abriss geschieht mehr aus reiner Dummheit oder Unwissenheit der Verwaltung." Schon 2001 hatte die Bezirksversammlung einstimmig beschlossen, den "Kaffeemühlen", wie die neuen Glasklötze spöttisch genannt werden, die rote Karte zu zeigen. "Das ist architektonische Dutzendware, die auf einer solchen Prachtstraße eigentlich nichts verloren hat", sagt Altonas Baudezernent Reinhold Gütter. Zu finden sind die Fremdkörper zum Beispiel an der Ecke Liebermannstraße oder auf dem ehemaligen Gelände der Elbschloss-Brauerei. Stadtplanerin Brigitte Siemonsen wurde beauftragt, eine Stadtbilduntersuchung zu starten. Sie nahm alle 501 Gebäude der Chaussee unter die Lupe. Jedes vierte steht unter Denkmalschutz. Die Stadtplanerin beschreibt den "Mythos Elbchaussee" als offenes Villengebiet. Fast alle Neubauten der letzten Jahre hätten diesen Mythos unterwandert. Gütter: "Viele Bauherren stimmen mit uns in der Erhaltung der Struktur der Elbchaussee überein. Doch wenn es an ihre Grundstücke geht, dann haben sie nur noch die Geschosszahl im Kopf." Siemonsen gibt Empfehlungen wie den Abriss der Pavillons der Fachhochschule im Heine-Park oder die Neugestaltung im Bereich der Tankstellen in Blankenese. Schier: "Zum Guten zwingen können wir allerdings keinen Bauherren. Trotz aller Auflagen bleibt nicht ausgeschlossen, dass jemand ein hässliches Haus baut." Letztlich bliebe nur der Appell an die Bauherren: "Leistet euch einen Architekten, denkt nach, bevor ihr baut." Die Stadtbilduntersuchung soll am 4. März im Planungsausschuss vorgestellt werden.