Parkplätze in Hamburg

Anwohner sauer über Knöllchen-Aktion in Winterhude

Polizei verteilt gezielt Strafzettel in der zugeparkten Flemingstraße. Bürger hätten sich über Probleme beschwert und forderten Einbahnstraße.

Hamburg. Robert Cadmus ist groß gewachsen, Geschäftsführer einer Computerfirma in Winterhude - dass er einen Smart fährt, würde man zunächst nicht annehmen. Doch wie viele Großstädter hat er irgendwann seine lange Karosse gegen den kleinen Flitzer eingetauscht. "Damit ich weniger Probleme bei der Parkplatzsuche habe", sagt Cadmus. Einige Jahre ging das gut. Aber in jüngster Zeit entdeckt er unter seinem Scheibenwischer immer wieder Strafzettel wegen angeblichen Falschparkens in der Flemingstraße. Die verbindet Dorotheen- und Sierichstraße.

Vor rund einem Monat sei ihm zum ersten Mal aufgefallen, dass sämtliche in der Flemingstraße parkenden Autos einen Strafzettel an der Scheibe gehabt hätten. "Alle, ausnahmslos", sagt Cadmus. Gleiches gelte für die parallel verlaufende Gryphiusstraße. Er habe sich zwar geärgert, sich aber nicht mehr dabei gedacht - bis vergangenen Dienstag: Wieder wurden alle Fahrzeuge mit einem Gruß der Polizei versehen. Die Flemingstraße ist zwar keine Parkverbotszone, ein kleines Schild an der Straßenecke weist aber darauf hin, dass nur längs am Bordstein geparkt werden darf. Aus Platzgründen werden die Autos jedoch quer zur Straße gestellt. Laut Straßenverkehrsordnung darf Cadmus mit seinem Smart das, trotzdem soll er Strafe zahlen. Ob er Widerspruch einlegt, hat er noch nicht entschieden.

Zweimal am Tag werden Strafzettel verteilt

Der Computerfachmann wurde misstrauisch - und sprach die Polizisten auf ihrer Knöllchentour an. Tatsächlich gaben die Beamten des Kommissariats am Wiesendamm an, gezielt in die Fleming- und Gryphiusstraße geschickt worden zu sein. "Ein Polizist sagte, es gebe ,Anweisungen von oben', hier zweimal am Tag Strafzettel zu verteilen", sagt Cadmus. Seine Nachbarin Babette Becher, Inhaberin eines Blumengeschäfts an der Ecke Dorotheestraße/Flemingstraße, bestätigt die Beobachtungen: "Vormittags und am Nachmittag ist jeweils ein Polizeiwagen vorgefahren, hat die Beamten ausschwärmen lassen, damit sie in den beiden Straßen Knöllchen aufschreiben können, und sie danach wieder eingesammelt. An den umliegenden Straßen waren die gar nicht interessiert."

Laut Andreas Schöpflin, Sprecher der Hamburger Polizei, habe es in den vergangenen Wochen vermehrt Beschwerden von Anwohnern wegen Falschparkens gegeben. Denn immer wieder sei es zu Staus oder Unfällen gekommen, weil jemand ein parkendes Auto gestreift habe. "Einmal kam nicht einmal mehr die Müllabfuhr durch", sagt Schöpflin. Deshalb habe man die Fahrzeughalter gezielt auf ihr Fehlverhalten hinweisen wollen. Dass nicht alle Betroffenen mit dieser Maßnahme einverstanden seien, läge auf der Hand. "Einige Bürger haben in der Vergangenheit aber sogar gefordert, dass die Flemingstraße Einbahnstraße werden solle", sagt Schöpflin.

Robert Cadmus schüttelt darüber nur den Kopf. "Hier ist es eng, aber wo sollen die Autos hin? Tiefgaragen gibt es unter den Altbauten nicht, die Anwohner haben gar keine andere Möglichkeit", sagt er. Er vermutet, dass hinter der Anweisung der Polizei mehr steckt. "In der Straße wohnt die Zweite Bürgermeisterin Dorothee Stapelfeldt. Sie hat sich in der Nachbarschaft schon über die Parksituation beschwert. Ihr Dienstwagen hatte morgens offenbar Probleme, durch die Straße zu kommen." Stapelfeldt wies zurück, mit der Knöllchenaktion etwas zu tun zu haben. Cadmus selbst ist jetzt erstmal auf Roller umgestiegen. (sap)