Telemichel

Investor Dencker: "Telekom ließ mich abblitzen"

Hamburgs größtes Ärgernis: Fernsehturm steht seit 4125 Tagen leer. Unternehmer wollte Aussichtsplattform und Restaurant wieder eröffnen.

St. Pauli. Es ist seit mehr als zehn Jahren ein Trauerspiel. Die Aussichtsplattform des Hamburger Fernsehturms samt Gastronomie ist seit dem 16. Januar 2001 geschlossen - 4125 Tage. Seitdem fordern Politik und Bürger, dass dieses Wahrzeichen der Stadt aus seinem Dornröschenschlaf geholt wird. Doch es passiert nichts.

Jetzt erhebt der Hamburger Unternehmer Martin Dencker schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Funkturm GmbH, die Telekom-Tochter, die den Turm betreibt: "Die Deutsche Funkturm GmbH hat überhaupt kein Interesse daran, dass der Fernsehturm wieder zu einem Touristenmagnet wird. Ich hatte Geldgeber und Konzept, aber wurde abgewiesen", sagt Dencker.

Für den Fernsehturm, der eigentlich Heinrich-Hertz-Turm heißt und auch Telemichel genannt wird, habe er eine Reederei gefunden, die die Namensrechte für das Bauwerk erwerben wollte, und einen Schweizer Konzern, der die Gastronomie betreiben sollte.

Nachdem Martin Dencker in Hamburg seine Pläne nicht konkretisieren konnte, ging er nach Dortmund. Dort hat der 40-Jährige das Drehrestaurant im Fernsehturm vor wenigen Wochen eröffnet.

Der Grund dafür, dass die Telekom in Hamburg nicht mit Dencker ins Geschäft gekommen ist, dürfte sein: Der Konzern treibt hinter den Kulissen die Planung für ein Hotel am Fernsehturm voran. In den vergangenen Monaten gab es deshalb mehrere Termine mit Vertretern der Telekom bei Oberbaudirektor Jörn Walter in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU). Das bestätigte Walter auf Abendblatt-Anfrage: "Die Telekom hat die Pläne für das Hotel überarbeitet. Jetzt werden diese nach städtebaulichen, denkmalpflegerischen und architektonischen Aspekten bewertet."

Die Entwürfe stammen vom dänischen Architekten Christian Bay-Jørgensen. Dessen Büro Bay Arch hatte die Idee für das spektakuläre Hotelprojekt. "Die überarbeiteten Pläne werden wir demnächst auch der Politik vorstellen", sagte Bay-Jørgensen dem Abendblatt. Das Hotel soll um den Fernsehturm herum gebaut werden. Bereits im August 2011 hatte das Abendblatt über diesen Plan berichtet.

+++ Die Historie +++

Aber einen konkreten Vertrag mit einem Investor soll es laut Telekom-Sprecherin Stefanie Halle noch nicht geben. Aus Sicht der Telekom würden sich die erforderlichen Investitionen in eine Belebung des Fernsehturms nur auszahlen, wenn das Hotelprojekt realisiert würde. Für die Sanierung des Turms werden mindestens zehn Millionen Euro benötigt.

Das Geld hatte Martin Dencker, der bundesweit unter dem Namen mStore 17 Apple-Fachhandelsläden betreibt, nach eigenen Angaben zusammen: "Ich habe viel Zeit in dieses Vorhaben gesteckt und nach und nach die geeigneten Partner für dieses Projekt gefunden." Er habe seit 2009 mit der Deutschen Funkturm GmbH Kontakt gehabt. Mein Traum war es, endlich wieder den Fernsehturm mit Leben zu füllen." Aber daraus wurde nichts. "Ich habe im August 2011 eine E-Mail an meine Ansprechpartner bei der Deutschen Funkturm GmbH geschickt und mitgeteilt, dass ich nun gerne loslegen möchte. Ich habe darum gebeten, mir mitzuteilen, wie wir nun weiter verfahren sollen." Was dann passiert sein soll, bringt Dencker heute noch aus der Fassung: "Im September bekam ich einen Anruf von einem Juristen der Deutschen Funkturm GmbH, der mir erklärte, dass ich das Projekt nicht weiter verfolgen solle, weil man bereits mit einem anderen Interessenten einig sei."

Telekom-Sprecherin Stefanie Halle dagegen sagt: "Die Aussage von Herrn Dencker können wir nicht nachvollziehen." Es sei bis heute kein aussagekräftiges und nachhaltiges Konzept von Herrn Dencker eingereicht worden.

Dazu sagt Dencker: "Wieso soll ich noch ein Konzept einreichen, wenn ich von dem Juristen bereits eine Absage erhalten habe?"

Es ist nicht das erste Mal, dass die Telekom potenzielle Investoren ablehnt. Die kanadische Firma Avid Life Media Inc., die Erotik-Portale im Internet betreibt, wollte schon vor Jahren die Namensrechte für den Fernsehturm erwerben. Die Telekom lehnte die Offerte mit Hinweis auf das Geschäftsmodell des Unternehmens ab.

Sein Ärger über die Telekom verfliegt, wenn Dencker an sein Projekt in Dortmund denkt. Hier stand die Gastronomie in dem Fernsehturm ebenfalls leer. Aber hier bekam er seine Chance: "Nach wenigen Monaten hatte ich die Stadt überzeugt."

Es wurde umgebaut und im März eröffnet. Im Drehrestaurant in 137 Meter Höhe finden rund 100 Gäste Platz. Am Fuße des Turms betreibt Dencker eine weitere Gastronomie mit Restaurant und Biergarten.