Autoverkehr in Hamburg: Fünf Fragen an Philine Gaffron

Tempo 30 ist für die Stadt viel günstiger

Dr. Philine Gaffron, 41, ist Verkehrswissenschaftlerin an der TU Hamburg-Harburg

Hamburger Abendblatt:

1. Hamburg will 50 neue Tempo-30-Zonen einrichten - liegt die Stadt im bundesweiten Vergleich eigentlich vorne mit ihrem Anteil verkehrsberuhigter Straßen?

Philine Gaffron:

Eigentlich nicht: In München liegt der Anteil der Tempo-30-Straßen bei fast 85 Prozent, in Berlin bei etwa 75 Prozent. In Hamburg bisher erst bei 50 Prozent. Das ist noch zu wenig.

2. Sie würden Tempo 30 also eher befürworten?

Gaffron:

Ja, bei aktuellen internationalen Städte-Rankings hinsichtlich der Lebensqualität liegen Städte wie Berlin vorne, Hamburg wird nicht erwähnt. Das hat natürlich nicht nur mit Tempo 30 zu tun, ein hoher Anteil ist einer solchen guten Bewertung aber wohl nicht abträglich.

3. Bringt Tempo 30 für eine Stadt also Vorteile?

Gaffron:

Ja. Zum einen eine Reduzierung von Luftschadstoffen, gerade die Feinstaub- und Stickoxid-Belastung ist in Hamburg noch zu hoch. Und es bringt eine deutliche Reduzierung von Lärmwerten, die an vielen Straßen der Stadt ebenfalls noch zu hoch sind. Und dann wirkt es sich natürlich positiv für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer aus, weil sich der Anhalteweg von Tempo 50 auf Tempo 30 von 30 auf 15 Meter verkürzt.

4. Autofahrer warnen davor, dass Tempo 30 den Verkehrsfluss behindern könnte, dass man dann ständig bremsen und anfahren muss und mehr Sprit verbraucht. Stimmt das?

Gaffron:

Nein. Der Verkehrsfluss ist abhängig von den Knotenpunkten, also den Kreuzungen. Im Übrigen beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit in der Stadt sowieso nur etwa 18 bis 25 Kilometer je Stunde, nur zwischenzeitlich wird schneller gefahren - was dann wieder zum Abbremsen führt. Anfahren und bremsen ist aber maßgeblich für die Abnutzung der Fahrbahnen verantwortlich. Tempo 30 käme einer Stadt bei den Unterhaltungskosten daher viel günstiger. Wichtig wären aber auch bauliche Veränderungen, weil unsere Straßen noch für schnelles Fahren ausgelegt sind. Verändert man sie, bekäme man ohne große Kosten auch zusätzlichen Platz für Bus- und Radfahrspuren.

5. Befürworten Sie generell Tempo 30 in der Stadt, also eine flächendeckende Tempo-30-Zone, und nicht viele kleine?

Gaffron:

Ich denke: ja. Es müsste eben umgekehrt sein: Generell gilt Tempo 30 und nur in begründeten Ausnahmefällen und nach ausreichender Prüfung darf schneller gefahren werden. Das empfiehlt im Übrigen auch der wissenschaftliche Beirat des Bundesverkehrsministeriums in einem Gutachten von 2010. Und das sollte auch die Perspektive für Hamburg sein.