Offen gesagt

Von Käfern und Zombies

Ein Ratschlag von Thomas Andre

Was gab es schon für innovative Projekte in der Geschichte der Menschheit, um deren Arbeitsscheu zu befördern. Schließlich ist auch der sogenannte Fortschritt an sich nur der immer wieder variierte Versuch, effizienter zu sein - um öfter nicht arbeiten zu müssen. Jede Erfindung ist ein Lob der Faulheit. Wir üben uns nicht nur gerne im Faulenzen, wir sparen auch gerne Zeit. Und weil nichts zeitfressender ist als die Lektüre eines Buchs, sparen sich manche diese gleich. Bildungshuber wollen freilich so tun, als kennten sie die Klassiker der Weltliteratur. Die gab es schon des Öfteren in Kurz- und Kürzestform, zudem unlängst erst als Tweet-Version: "Twitteratur" nannte sich das dann.

Dan Wilbur kommt auf seiner Homepage www.betterbooktitles.com (fast) ganz ohne Text aus, wenn er Leuten hilft, sich vor dem Lesen zu drücken: Er gestaltet die Cover der Klassiker neu und gibt ihnen neue Titel. Charles Darwins "Die Entstehung der Arten" heißt bei ihm länglich "Nach alldem heiratete ich immer noch meine Cousine (und bekam kranke Kinder)". Kann man drüber lachen, muss man aber nicht. Auch sonst lässt es Wilbur, durchaus nicht unlustig, ordentlich krachen: Keith Richards' Biografie heißt "Der Zombie-Überlebens-Führer" (klingt besser auf Englisch: "Zombie Survival Guide"). Sigmund Freuds epochale "Traumdeutung" heißt knapp "Über Penisse", Franz Kafkas "Verwandlung" etwas weniger inspiriert "Das Leben eines Käfers".

Wir sagen: gut gekalauert. Und: Mehr ist mehr. Das ganze Buch zu lesen lohnt immer.