Kommentar

Am Tropf des Staates

Von Brückentechnologie ist in dieser Zeit oft die Rede, wenn es um die Energiewirtschaft und die Atomkraft geht. Auch Hamburgs letzte Großwerft Blohm + Voss hat nun eine Brückentechnologie. Es sind die neuen Fregatten der Generation F125, deren Bau gestern begann. Die Marineschiffe sind derzeit die einzige Brücke der Hoffnung für das Traditionsunternehmen und Garant dafür, dass einige Hundert Arbeitsplätze von hoch qualifizierten Schiffbauern auch in den kommenden Jahren erhalten bleiben.

Eine Reihe stolzer deutscher Werften steht auch nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise mit dem Rücken zur Wand. Blohm + Voss gehört dazu, der Auftrag für die Hightech-Kampfschiffe kann darüber nicht hinwegtäuschen. Der Bau von Handelsschiffen wurde längst aufgegeben, und mit ihren Großyachten hatte die Werft in den vergangenen Jahren keinen wirtschaftlichen Erfolg. Das gut laufende Reparaturgeschäft allein aber kann Blohm + Voss nicht tragen. Mit den Marineschiffen wächst eine sehr ungesunde Abhängigkeit von staatlichen Beschaffungsprogrammen.

Das Unternehmen Abu Dhabi Mar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten will Blohm + Voss kaufen. Seit Oktober 2009 wird der Abschluss des Geschäfts erwartet. Wann endlich ist es so weit? Vor allem im arabischen Raum soll der künftige Eigner Blohm+ Voss neue Aufträge für Yachten und Marineschiffe hereinholen. Doch Arabien, von Libyen bis an den Persischen Golf, bebt unter Aufständen und gesellschaftlicher Umwälzung.

Wo also sind die Perspektiven für Blohm + Voss? Für die Beschäftigten und die Stadt wäre es gut, darauf bald eine Antwort zu bekommen.