Offen gesagt

Am Kap der fiesen Filme

In den vergangenen Jahren wurden die Filmeplaner von ARD und ZDF von einer Schicksalsfrage umgetrieben: Wo noch hin mit unseren schlicht gestrickten Wohlfühl-Filmchen, in denen sich Herz auf Schmerz reimt? Alle Kuscheldörfchen in Cornwall und Schottland sind unter Bergen von Rosamunde-Pilcher-Schmalz begraben, das "Traumschiff" kreuzt wie Wagners "Fliegender Holländer" mit einer Besatzung aus scheintoten C-Mimen über die Weltmeere, um an exotischen Gestaden pauschalteutonischen Frohsinn zu verbreiten. Glottertal war einmal, Wörthersee ist auch passé. Dort drehte RTL Anfang der 90er eine berüchtigt blöde Serie, in der wirklich jeder Drittelpromi sein Gesicht ins alpenländische Postkarten-Panorama halten durfte.

Wohin also mit all den Superfrauen? Wo können Veronica Ferres, Christine Neubauer & Co. lieben, leiden oder sonst was von dem anstellen, was schöne und kluge Frauen in Lebenskrisen angeblich tun? Die Lösung: Ab zum Kap der miesen Filme mit ihnen. Die Drehs sind billig dort und das Wetter gut, bald ist auch noch Fußball-WM, und früher oder später kann man Menschen - bevorzugt Kinder - mit dunkler Hautfarbe durchs Bild laufen lassen, damit ihnen weiße Menschen Herzensgutes antun. Heute beispielsweise sendet das ZDF "Ellas Geheimnis". Ein "Melodram über eine verbotene Liebe", in dem eine "angesehene Neuropsychiaterin" aus Hamburg "das Kind ihrer Liebe" sucht, weil "ihre Wurzeln in Afrika stärker sind als gedacht". Mit anderen Worten als denen des ZDF: Südafrika ist der neue Wörthersee. Nur noch flacher.