Ein Hamburger bringt Google in Bedrängnis

Der Internetkonzern speicherte jahrelang auch private E-Mails

Hamburg. Der hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat mit einer Nachfrage das amerikanische Internetunternehmen Google in Erklärungsnot gebracht. Für seinen Straßenfoto-Dienst Google Street View hatten die mit Kameras ausgerüsteten Google-Fahrzeuge jahrelang nicht nur Straßenzüge fotografiert, sondern auch WLAN-Funknetze aufgespürt und private Daten von Internetnutzern, etwa Teile von E-Mails, gespeichert.

Das räumte Google am Wochenende ein, nachdem das Unternehmen wenige Tage zuvor noch verkündet hatte, dass lediglich WLAN-Netze, aber keine Daten registriert worden seien. Erst auf die Hamburger Nachfrage habe man einen "Fehler" in der Street-View-Programmierung entdeckt, der durch "ein Versehen" hineingeraten sei, teilte Google-Vizetechnikchef Alan Eustace im Internet mit.

Hamburgs Justizsenator Till Steffen (GAL) reagierte verärgert. "Google ist dabei, das letzte Fünkchen Vertrauen zu verspielen", sagte Steffen, der eine sofortige Offenlegung aller Daten fordert. Wie berichtet, haben Hamburg und das Saarland eine Bundesrat-Initiative für ein neues Gesetz gestartet, das private Daten vor dem Zugriff von Unternehmen besser sichern soll. Steffen: "Wir brauchen ein Gesetz, um den Konzern an die Leine zu legen."