Jung, gut ausgebildet, arbeitslos

Viele Eltern bleiben wider Willen zu Hause, zeigt eine neue Studie

Sie sind Fachkräfte. Sie sind jung und gut ausgebildet. Sie sind Eltern, und sie müssen ihr Potenzial verkümmern lassen. 66 Prozent der nicht erwerbstätigen Väter und rund 39 Prozent der nicht erwerbstätigen Mütter in Hamburg würden gerne arbeiten, finden aber keinen Arbeitsplatz oder bleiben aus Betreuungsgründen zu Hause. Damit waren 29 718 Mütter und 7872 Väter mit guter bis sehr guter Qualifikation im Jahr 2008 ohne Beschäftigung. Das ergab eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zur Erwerbssituation Hamburger Eltern. Auftraggeber ist die Allianz für Familien der Handelskammer.

Laut Studie lebt die Mehrheit der gut 286 000 Väter und Mütter in Hamburg nach wie vor nach dem traditionellen Familienmodell. Die geringste Erwerbstätigenquote bei den Frauen haben verheiratete Mütter. Von diesen arbeiten nur knapp zwei Drittel. Verheiratete Väter erreichen dagegen mit 87,8 Prozent die höchste Erwerbstätigen-Quote aller Männer. Mütter hingegen arbeiten - wenn überhaupt - in Teilzeit. Während nur 9,1 Prozent der erwerbstätigen Väter einer Teilzeittätigkeit nachgehen, haben 72 Prozent der Mütter mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter ihre Arbeitszeit auf die Hälfte reduziert, weil sie ansonsten Probleme mit der Kinderbetreuung bekommen würden. Damit leben 40,7 Prozent der Mütter überwiegend vom Unterhalt durch Angehörige - im Wesentlichen vom Geld des Ehe- oder Lebenspartners oder von Hartz IV. Dieser Umstand trifft nur auf zehn Prozent der Väter zu.

Auch über die Lebensbedingungen der Eltern gibt die Studie Aufschluss. So wohnen in der Hansestadt 220 602 verheiratete, 22 063 in Lebenspartnerschaften lebende und 43 601 alleinerziehende Elternteile, darunter allein 39 042 Mütter. Auf einen alleinerziehenden Vater kommen damit neun Mütter. Rund drei Viertel der Eltern sind deutscher Nationalität, fünf Prozent sind EU-Ausländer und knapp ein Fünftel Nicht-EU-Ausländer. Die meisten Familien (je rund 40 Prozent) haben ein oder zwei Kinder. Familien mit drei oder mehr Kindern sind mit 16,1 Prozent in der Minderheit.