Altona

Rissener bremsen Autofahrer mit Tempo-30-Zonen aus

Der Protest zeigt Wirkung: Bürgerinitiativen kämpfen im Hamburger Westen um Temporeduzierungen. In Rissen werden zwei Straßen nun entschleunigt.

Der Protest zeigt Wirkung: Bürgerinitiativen kämpfen im Hamburger Westen um Temporeduzierungen. In Rissen werden zwei Straßen nun entschleunigt.

Foto: Michael Arning

Tinsdaler Kirchenweg und Heideweg werden Tempo-30-Zonen. Durchgangsverkehr wird so ausgebremst. Sorge vor Wedeler Wachstum.

Rissen.  „Es ist geschafft!“, feiert die Bürgerinitiative TKW30 den Durchbruch. Nach jahrelangem Ringen gibt es aus zuständigen Fachbehörden grünes Licht. Sowohl der Tinsdaler Kirchenweg als auch der Tinsdaler Heideweg sollen entschleunigt werden. „Im gesamten Rissener Süden kann der Durchgangsverkehr so nachhaltig ausgebremst werden“, freut sich der Sprecher der BI, Kristopher Sell. Dafür geht es runter von Tempo 50 auf 30. Damit die neuen Schilder auch durchschlagende Wirkung erzielen, wird baulich nachgeholfen. Am Mittwochabend stellte das Altonaer Bezirksamt den Anwohnern erstmals Pläne vor.

Änderung der Vorfahrt, Verengungen, sodass Begegnungsverkehr nur mit Warten möglich ist, Verschwenkungen, Querungshilfen, Entschleunigung der Kreuzungsbereiche: Was die meisten der Anwesenden begeistert aufnahmen, lässt ÖPNV-Vertreter und Autofahrer stöhnen. So pendeln die Busse der Linie 189 zwischen Blankenese und Wedel hier entlang. Zudem nutzen viele Autofahrer die Strecke als Alternative zur Wedeler Landstraße. Genau das nervt die Betroffenen. Allerdings seit Jahrzehnten. Warum nun plötzlich Schwung in die Sache kommt?

Schuld daran sind die Pläne in der Hamburger Nachbarschaft. Direkt an der Stadtgrenze entsteht derzeit in Wedel ein BusinessPark auf einer ehemaligen Industriebrache. Auf dem 18 Hektar großen Areal am Tinsdaler Weg sollen sich in den kommenden Jahren Unternehmen ansiedeln, möglichst aus der Technologie- und Dienstleistungsbranche. Von 8000 neuen Arbeitsplätzen träumte man einst in Wedel. Der damit einhergehende Durchgangsverkehr sorgt in Rissen nur für Albträume. Von bis zu 7000 zusätzlichen Fahrzeugen, die das Rissener Straßennetz täglich belasten, ist die Rede. Bislang verteilt sich der Verkehr laut Bezirk auf den Tinsdaler Heideweg und auf den Tinsdaler Kirchenweg mit jeweils bis zu 4000 Fahrzeugen pro Tag.

In Rissen hat man genug vom Wedeler Schleichverkehr und macht dicht. Auch im nördlich der vierspurigen Straßenschlucht gelegenen Sandmoorweg formierte sich Protest. Zeitweise sollte dort eine Sperre die Autofahrer in ihre Schranken weisen. Am Ende wurde die Straße ebenfalls durch Verkehrsinseln entschleunigt. Der nahe gelegene Rheingoldweg wird derzeit zur Fahrradstraße umgebaut. Allein Anlieger dürfen mit ihrem Pkw durch.

Wann es mit dem Umbau des Tinsdaler Kirchenwegs und Heidewegs losgeht, ist unklar. Auch zu den Kosten, die zumindest beim Ausbau des Kirchenwegs teilweise auf die Anwohner zukommt, konnten die Vertreter des Bezirksamts am Mittwoch nichts sagen. Am 6. Juni befasst sich der Verkehrsausschuss mit dem Thema. Vor der Sommerpause sollen die öffentlichen Träger einbezogen werden. Dann geht es in die Detailplanung.