Altona

Neubau der Sternbrücke: Bahn greift nach der „Mädchenoase“

| Lesedauer: 3 Minuten
Axel Ritscher
Die alte Sternbrücke soll einem Neubau weichen.

Die alte Sternbrücke soll einem Neubau weichen.

Foto: Andreas Laible

Ein Teil der Freifläche des Umwelt- und Erlebnisprojekts für Mädchen und junge Frauen soll für Jahre zum Materiallager werden.

Hamburg. Die Erneuerung der Sternbrücke verbreitet Existenzangst unter den „Dollen Deerns“ der „Mädchen­oase“. Das Umwelt- und Erlebnisprojekt für Mädchen und junge Frauen an der Altonaer Eifflerstraße 5–7 soll der Bahn vier Jahre lang Quartier machen und ihr als Werkzeug- und Materiallager für den 125 Millionen Euro teuren Brückenneubau dienen.

Die neue Brücke soll vor Ort vormontiert werden. Dafür und auch für Baumaterial und Maschinen braucht die Bahn weite Teile der Brammerfläche, will aber eben auch auf die Mädchenoase zugreifen. 2023 will die Bahn mit ihren Bautrupps anrücken und 2027 fertig sein.

50 Prozent der Außenflächen fielen weg

„Das bedeutet, dass wir nach den bisherigen Angaben der Bahn 50 Prozent unserer Außenflächen verlieren“, hieß es aus der Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit. „Eine Vielzahl der derzeitigen Aktivitäten könnte nicht mehr stattfinden.“ Gemüse pflanzen, Kaninchen umsorgen, Holz bearbeiten, töpfern, skaten und Kräutergarten und Feuerstelle bräuchten neue Orte.

Die Mädchenoase des Trägervereins „Dolle Deerns“ ist auch zu Pandemie­zeiten geöffnet. Maximal vier Mädchen gleichzeitig dürfen kommen, sonst sind es im Schnitt 60 Mädchen in der Woche. Ihr Problem mit der Baustelle: Werkzeugcontainer, Werkbank, Stall, Schaukeln und Basketballkorb etc. müssten auf der dann verbliebenen Fläche so eng zusammengeschoben werden, dass praktisch ein Lager entstünde und keine Bewegungsmöglichkeiten mehr übrig blieben.

Massive Zugangsbarriere

Zudem würden Lärm und Staub zum ständigen Begleiter der Jugendarbeit. Auch das Eingangstor müsste verlegt werden, was eine massive Zugangsbarriere schaffe, weil die Sichtbarkeit der Einrichtung litte.

„Insgesamt halten wir das Vorhaben der DB Netz AG für nicht tragbar“, schrieb die Geschäftsführung des Trägervereins an die Bezirksversammlung Altona. „Gerade im innerstädtischen Bereich sind grüne Rückzugsorte für Kinder unverzichtbar. Wir hoffen daher auf Unterstützung, um die Planungen frühzeitig abwenden zu können.“

Die Politiker sahen es genauso und forderten Sozialbehörde und Bezirksamtsleiterin auf, sich bei der Bahn für die Verschonung der Mädchen einzusetzen. Die Beeinträchtigung der Einrichtung müsse „unbedingt vermieden werden“, hieß im Beschluss des Hauptausschusses der Bezirksversammlung Altona.

Lesen Sie auch:

Die Bahn verwies auf einen noch ausstehenden Gesprächstermin mit Vertreterinnen der Mädchenoase und dem Jugendamt Altona im April. „Die bisherigen Planungen zeigen aber, dass die Inanspruchnahme der Fläche nur einen sehr geringen Teil der Fläche der Mädchenoase betreffen“, sagte eine Bahnsprecherin. „Ein Betrieb auf dem verbleibenden Großteil der Fläche während der Bauzeit wäre somit möglich.“

Die Politiker bezweifeln das, weil die Mädchenoase nicht nur Lager, sondern auch Baustelle werden soll. Einen Plan B gibt es derzeit nicht. Ein theoretisch denkbarer Umzug der Oase auf die Brammerfläche, wo Beachclub und Bauwagenplatz jetzt schon zusammen­rücken müssen, liefe auf ein Notquartier im Container hinaus. Und dies völlig ohne Freifläche.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Altona