Streit um Feldmark

Sülldorfer Bauern im Recht: Gericht kippt Bebauungsplan

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Axel Ritscher
Die Zukunft der Sülldorfer Feldmark ist hitzig umstritten.

Die Zukunft der Sülldorfer Feldmark ist hitzig umstritten.

Foto: Andreas Laible

Landwirte in Sülldorf dürfen nach Entscheidung neue Hofläden, Kitas und Cafés einrichten. Naturschützer verlieren.

Sülldorf. Seit gut 30 Jahren ringen Bauern und Naturschützer verbissen um die Zukunft Sülldorfs und der Sülldorfer Feldmark. Zwischen den Fronten versuchen Politik und Verwaltung mit schwindendem Erfolg, den Streit zu schlichten. Vor allem die Bauern konnten die ausgleichenden Absichten nicht erkennen: Ihre Interessenvertreter erhoben Klage gegen den 2014 erlassenen Bebauungsplan Sülldorf 4. Jetzt bekamen sie recht.

„Das Gericht hat den Bebauungsplan für weitestgehend unwirksam erklärt“, sagte ein Gerichtssprecher dem Abendblatt. „Ausgenommen sind praktisch nur Funktionsflächen zum Beispiel für die Feuerwehr.“ Damit haben die Bauern einen Etappensieg errungen. „Das Gericht hat festgestellt, dass das neue Baurecht den Höfen zu wenig Entwicklungsmöglichkeiten lässt“, sagte die Altonaer FDP-Fraktionschefin Katarina Blume. Die Sprecherin der Grünen-Regierungsfraktion im Altonaer Rathaus, Gesche Boehlich, bestätigte diese Einschätzung und sprach darüber hinaus von „zu kleinteiligen Festsetzungen“.

Bebauungsplan verhinderte Hofcafés und Ferienwohnungen

Die Bauern hatten beanstandet, dass ihnen das neue Baurecht Nutzungsänderungen für ihre Grundstücke verbaue und erschwere. Damit würden die sonst an Siedlungsrändern üblichen Entwicklungen der Höfe verhindert: Ferienwohnungen, Hofläden und -cafés, Kitas mit Naturbezug oder auch der Umbau von klassisch landwirtschaftlichen Betrieben zu Reiterhöfen. Die Naturschützer wollen solche Entwicklungen stark regulieren und einschränken. Sie verweisen auf den damit erzeugten Autoverkehr und die Schutzinteressen der Natur und der großteils denkmalgeschützten Hofstellen in dem Gebiet.

Offenbar haben die Naturschützer und die Altonaer Verwaltung dabei aber überzogen. „Wir haben schon immer gesagt, dass der Plan die Landwirte vertreiben wird“, sagte die FDP-Abgeordnete Blume. „Und das geht nicht. Sie leben zum Teil schon seit Jahrhunderten in Sülldorf und der Feldmark.“ Die Grünen-Politikerin Boehlich erklärte jetzt ebenfalls, dass „den Landwirten zu wenig Raum gelassen“ worden sei.

Scheune soll zu Kita umgebaut werden

Die Grünen hatten den Plan maßgeblich mit vorangetrieben, gaben sich aber gelassen. Boehlich: „Wir wussten schon vor der Festsetzung des Bebauungsplans, dass er vor Gericht angegriffen werden würde. Jetzt ist eine Entscheidung da, und das Gericht wird uns sagen, was genau wir falsch gemacht haben. Dann werden wir entsprechend nachbessern.“ Dafür allerdings muss die schriftliche Begründung des Urteils vorliegen. Das wird einige Wochen dauern.

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Die Nachbesserungen würden den Bebauungsplan Sülldorf 4 zwar nicht gänzlich erneuern, sondern nach den Maßgaben des Gerichts nur modifizieren. Trotzdem würde damit das Planverfahren wieder neu aufleben, mit den entsprechend zeitaufwendigen Beteiligungsverfahren der Öffentlichkeit. In der Zwischenzeit tritt das alte Baurecht, der Baustufenplan Iserbrook-Sülldorf von 1955, wieder in Kraft. So, als hätte es den neuen Bebauungsplan nie gegeben. In der letzten Altonaer Planungsausschusssitzung vor der Urteilsverkündung stand der Antrag auf Umnutzung der Scheune gegenüber dem Timmermannschen Hof zu einer Kita auf der Tagesordnung. Er wird jetzt sicher positiv beschieden werden.

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