Bauprojekt in Altona

Holsten-Areal: SPD will "Bündnis gegen Spekulanten"

Der Holsten-Gebäudekomplex soll abgerissen werden und zu einem neuen Quartier für Wohnen, Arbeiten und Flanieren umgestaltet werden.

Der Holsten-Gebäudekomplex soll abgerissen werden und zu einem neuen Quartier für Wohnen, Arbeiten und Flanieren umgestaltet werden.

Foto: Roland Magunia

SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf greift den Holsten-Investor an. Auch Altonas CDU-Fraktionschef ist genervt.

Hamburg. Die geplante Bebauung des Holsten-Areals in Altona hat sich zu einem Problem für die Stadt entwickelt. Aus einem Vorzeigeprojekt wurde längst eine Posse. Auf dem rund 86.000 Qua­dratmeter großen ehemaligen Brauereigelände plant die Consus Real Estate AG rund 1300 Wohnungen, Büros, Kitas, Einzelhandel, Hotel und Gastronomie. Mit dem Abriss der Gebäude und Hallen wurde bislang nicht begonnen, obwohl eine entsprechende Genehmigung vorliegt. Die „Rückbauarbeiten“ sollen „noch in diesem Jahr starten“, kündigte ein Consus-Sprecher an.

Die Geduld der Politik mit der Consus und weiteren Playern in deren Umfeld ist unterdessen am Ende. SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf äußerte im Abendblatt-Gespräch scharfe Kritik. „Solche Unternehmen brauchen wir nicht in Hamburg. Wir müssen sie aktiv bekämpfen. Das Holsten-Quartier ist zu einem reinen Spekulationsobjekt verkommen.“ Der Ton wird noch schärfer. „Diese Unternehmen handeln unsozial sie verhindern den Bau dringend benötigter bezahlbarer Wohnungen in Hamburg. Sie schaden damit der Allgemeinheit. Wir als Stadt müssen deutlich machen, dass wir solche Unternehmen, solche Spekulanten nicht wollen. Es muss eine Art Bündnis gegen Spekulanten geben“, forderte Kienscherf.

Anlass für Diskussionen

Dem SPD-Fraktionschef ist wichtig. „Für das Holsten-Quartier muss der Investor konkret erklären, welche Wohnungen er wann und zu welchen Mietkonditionen bauen will. In erster Linie brauchen wir hier bezahlbaren Wohnraum. Zudem lehnen wir an diesem Standort einen umfangreichen Bau von Eigentumswohnungen ab.“

Das dürfte noch Anlass für Diskussionen geben. Der Mix, den Consus umsetzen möchte, besteht aus je einem Drittel geförderter und frei finanzierter Wohnungen sowie Eigentumswohnungen. Dem Abendblatt sagte ein Consus-Sprecher. „Mit Fokus auf dringend benötigte Wohnungen im Ballungszentrum Hamburg entwickelt die Conus ein urbanes, modern durchmischtes Quartier und schafft damit ein weiteres Musterbeispiel für eine zukunftsfähige Stadtteilentwicklung.“ Kienschef ist entschlossen. „Die Stadt muss jetzt den Druck erhöhen.“

Der Zeitplan dürfte wieder einmal nicht eingehalten werden können, eigentlich sollten laut Consus 2024 die ersten Gebäude bezogen werden. Das ist ambitioniert, denn inzwischen geht der Bezirk Altona davon aus, dass der städtebauliche Vertrag mit dem Investor, der die Grundlage für eine spätere Baugenehmigung ist, erst „Ende des zweiten Quartals 2021“ unterschrieben werden kann. Consus selbst geht von einer Unterzeichnung des Vertrags im November dieses Jahres aus, was der Bezirk jedoch ausschließt.

Die ersten Gebäude sollten 2021 fertiggestellt sein

Dass die Nerven der Politik blank liege, ist nachvollziehbar. Denn eigentlich sollten die ersten Gebäude auf dem Holsten-Areal 2021 fertiggestellt werden. So hatte es die Düsseldorfer Gerchgroup angekündigt, die das Filetgrundstück im Jahre 2016 von der Carlsberg-Gruppe – zu der die Holsten-Brauerei gehört – gekauft hatte. Danach kam es immer wieder zu Verzögerungen und neuen Eigentümerstrukturen.

Die Gerchgroup ist schon lange raus aus dem Bauvorhaben, das dann von der SSN Group übernommen wurde, die später mehrheitlich an die Consus Real Estate ging. Schon bald könnten sich die Eigentumsverhältnisse für das Holsten-Areal wieder ändern – denn die Consus soll mit den Immobilienunternehmen ADO Properties S.A. und Adler Real Estate AG zur Adler Group zusammengeschlossen werden. Das Projektteam der Consus soll weiterhin das Holsten-Quartier realisieren.

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Auch Altonas CDU-Fraktionschef Sven Hielscher ist genervt. „Bei diesem für Altona so wichtigen Bauvorhaben kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass man gar nicht mehr weiß, welcher Gesellschaft denn nun gerade das Grundstück gehört. Ein positives Signal wäre auch, wenn endlich mit dem Abriss auf dem Gelände begonnen würde.“ Mit Sorge beobachtet Dorothee Stapelfeldt (SPD) die Entwicklung. Dem Abendblatt sagte die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen: „Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht dadurch, dass Grundstücke diverse Male zu immer höheren Preisen weiterverkauft werden und dabei unentwickelt bleiben.“

Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Eine Jury, der Oberbaudirektor Franz-Josef Höing angehört, entscheidet am 24. August über den Sieger des Architektenwettbewerbs für das Baufeld 8 auf dem Gelände. Dort soll die Verwaltung der Holsten-Brauerei, die temporär mit rund 150 Mitarbeitern in der Marzipanfabrik in Ottensen sitzt, einziehen. Die Produktion ist bereits Ende 2019 von Altona nach Hausbruch verlegt worden.