Hamburg

Schröders Tunnel an der Elbe wird aufwendig renoviert

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Matthias Schmoock
Der südliche Eingang des Tunnels mit Schröders Initialen.

Der südliche Eingang des Tunnels mit Schröders Initialen.

Foto: Matthias Schmoock / Schmoock

Für Publikumsverkehr ist der Tunnel in den kommenden Wochen gesperrt. Auch ein neues Beleuchtungskonzept ist geplant.

Hamburg.  Viele Spaziergänger und einige Radfahrer nutzen ihn seit Jahren, um schnell und ohne Verkehrslärm vom Elbewanderweg auf die nördliche Seite der Elbchaussee zu gelangen – oder umgekehrt. Doch in den kommenden Wochen müssen sie auf ihren gewohnten Weg verzichten: Der Tunnel unterhalb des Internationalen Seegerichtshofs wird vom 20 Juli an voraussichtlich fünf Wochen lang renoviert.

Während dieser Zeit ist er für den Publikumsverkehr geschlossen, teilt das Bezirksamt Hamburg-Altona mit. Vor Ort wurde bereits mit Erdarbeiten begonnen. „Schröders Elbschlosstunnel“, so der offizielle Name, erhält außerdem ein neues Beleuchtungskonzept.

Aktuell bietet der schmale, nach Norden hin ansteigende Tunnel noch wenig Erbauliches. Die Eingänge und Wände sind mit Graffiti beschmiert, durch die beiden Öffnungen fällt nur wenig Licht. Im Tunnel werden alle Geräusche unangenehm deutlich verstärkt, die spärliche Beleuchtung flackert. Doch das soll vom 28. August an alles anders sein.

Bankier Schröder wollte durch Tunnel Begegnungen mit dem einfachen Volk vermeiden

Nur wenigen Nutzern dürfte bislang der eingelassene Stein oberhalb des südlichen Eingangs mit den eingemeißelten Buchstaben JRS und der Jahreszahl 1894 aufgefallen sein. Sie verweisen auf die Entstehungsgeschichte des kleinen Bauwerks – und die ist nicht ohne. 1887 hatte der Bankier Johann Rudolf Freiherr von (seit 1904) Schröder (1852 bis 1938) das riesige Anwesen auf der nördlichen Elbchaussee-Seite mit rund 36.000 Quadratmetern Land gekauft, das heute den Altbau des Internationalen Seegerichtshof bildet.

Kaum zu glauben: Schröder und seine Familie nutzten die pompöse Villa in Nienstedten nur im Sommer, während man die restliche Zeit im Stadthaus am Neuen Jungfernstieg „weilte“. Wie in einigen heimatkundlichen Schriften kolportiert wird, soll der Freiherr gleichermaßen arrogant und menschenscheu gewesen sein. Und so erklärt sich auch der Bau des Tunnels. Schröder, der jahrelang „britische“ Lebensweise kopierte und die Attitüde eines Landlords zur Schau getragen haben soll, ließ ihn demnach anlegen, um von seinem Garten aus ungestört zur Elbe und zurück flanieren zu können. Auf diese Weise vermied der Bankier Begegnungen mit dem einfachen „Volk“.

Der Einbau der neuen Beleuchtung ist Teil des EU-Projekts „Lucia“. Dabei werden moderne, energiesparende Beleuchtungskonzepte in kleinerem Rahmen umgesetzt und langfristig erprobt. Die Befragung von Nutzern ist Teil des Projekts.

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