Hamburg

Teure Möbel verrotten in Osdorfer Grünanlage

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Matthias Schmoock
Eine teure Fehlplanung: Möbel in der Osdorfer Grünanlage

Eine teure Fehlplanung: Möbel in der Osdorfer Grünanlage

Foto: Matthias Schmoock

Im Herbst 2018 wurde die Grünfläche für 659.000 Euro umgestaltet. Entstanden ist die „Kleine Wildnis“.

Hamburg. Bei der Wiedereröffnung im Herbst 2018 wirkte alles noch überzeugend: Nach langer Umbauphase präsentierte sich die namenlose Grünanlage zwischen Hemingstedter Weg und der Kleingartenanlage Püttkuhl in Osdorf in neuem Glanz: Frische Wege waren in der Grünzone angelegt, Böschungen befestigt, neue Verbindungen geschaffen worden.

Als Highlight wurden die quietschgrünen, futuristischen Möbelgruppen vorgestellt, die man an verschiedenen Stellen der Anlage installiert hatte. Daneben schlängeln sich aus toten Ästen gebildete sogenannte Benjeshecken durchs Unterholz, deren Einfassungs-pflöcke – das ist der besondere Gag – ebenfalls quietschgrün gestrichen sind. Dass die schrille Farbe – offizielle Bezeichnung „Lemongrün“ – einen besonderen farblichen Akzent im Dunkelgrün des kleinen Parks setzen würde, konnten sich damals viele Spaziergänger und Anwohner vorstellen. In der Tat leuchteten sie vor allem während der Herbst- und Wintertage, dass es für manchen eine helle Freude war.

Doch wer heute durch die Grünanlage spaziert, radelt oder joggt, die sich nördlich an den Loki-Schmidt-Garten anschließt, kann davon auf den ersten Blick nicht mehr viel entdecken.

Grünanalage in Osdorf wird „Kleine Wildnis“ genannt

Die Anlage wird in der Gegend inoffiziell „Kleine Wildnis“ genannt – und das mit gutem Grund. Das Wäldchen auf der Westseite ist weitgehend sich selbst überlassen, wird nur sporadisch gepflegt. Wild austreibende Ahorn-Schösslinge und Brennnesseln, manche mehr als einen Meter hoch, bilden einen Großteil der Vegetation. Die Büsche wirken zum Teil wie grüne Wände, dazwischen liegt Totholz. Mittendrin stehen sie: tisch- und stuhlartige Gebilde, die aussehen wie überdimensionierte Champignons aus Kunststoff.

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Einige sind stark von Unkraut zu gewuchert und kaum erreichbar, andere stehen mit Schlagseite auf unebenem Boden. Dass sie noch nicht einmal zwei Jahre alt sind, ist den meisten nicht anzusehen: Zerkratzt, verschmutzt und zum Teil beschmiert stehen sie da – manche auch nicht mehr besonders gerade. Und: Zum Teil sind sie schon jetzt so verwittert, dass der besondere „lemongrüne“ Akzent im kunterbunten Grün der unmittelbaren Umgebung kaum noch auszumachen ist.

Umgestaltung der Anlage hat 659.000 Euro gekostet

„Ich habe in den vergangenen Jahren nur einmal Menschen hier sitzen sehen“, sagt Hundebetreuerin Heike F., die fast täglich durch die Anlage geht. „Das waren Schüler, die ein paar Minuten lang auf einem Tisch saßen und rauchten.“ Kein Wunder: Zum Sitzen sind die Möbel extrem unbequem, die Abstände zwischen dem, was wohl Tische sein sollen, und den „Stühlen“ viel zu groß.

Hinzu kommt: Die Bäume drum herum sind so hoch und die Blätterdächer mittlerweile so dicht geschlossen, dass kaum Licht auf die „Möbel“ fällt. Als Ergebnis ist es im Sommer kaum möglich, dort beispielsweise zu lesen. Da außerdem zahlreiche öffentliche Parks, darunter Jenischpark und Lise-Meitner Park mit zum Teil großzügigen Liegewiesen nicht weit entfernt liegen, lassen Erholung­suchende die „grüne Wildnis“ meist links liegen.

Stolze 659.000 Euro hat die Umgestaltung der Anlage als Teil des Bebauungsplans Osdorf 41 gekostet. 90.000 Euro, so die Auskunft des Bezirksamts Altona, wurden für Pfähle, Hecken, Sitzmöbel, Tische und Bänke ausgegeben. Schon in der Planungsphase hatte sich das Bezirksamt viel Mühe gegeben. In den Jahren 2015 und 2016 wurden „Beteiligungsworkshops“ veranstaltet, bei denen interessierte Bürger eigene Ideen in die Gestaltung einbringen und sich laufend über den Stand des Projekts informieren konnten.

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