Altona

106 Bäume müssen für neue Schule gefällt werden

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Peter Wenig
Mitglieder einer Bürgerinitiative demonstrieren am Mittwoch vor dem Rathaus Altona gegen die Fällung von Bäumen für die neue Schule an der Königstraße.

Mitglieder einer Bürgerinitiative demonstrieren am Mittwoch vor dem Rathaus Altona gegen die Fällung von Bäumen für die neue Schule an der Königstraße.

Foto: Peter Wenig

An der Königstraße in Altona entsteht ein neuer Campus für 2000 Schüler. Für den Neubau müssen Bäume weichen. Scharfer Protest.

Hamburg. Der Protest formierte sich direkt vor dem Rathaus Altona. Mit einem Transparent demonstrierten am Mittwoch Mitglieder der Bürgerinitiative „Struensee-Bäume bleiben“ gegen die bevorstehende Fällung von 106 Bäumen auf dem Gelände der ehemaligen Schule Königstraße. Dort wird in den kommenden Jahren ein neuer Schulcampus entstehen – mit einer Grundschule, einem Gymnasium sowie einem Deutsch-Französischen Gymnasium. Ab 2022 sollen dort 250 Lehrkräfte 2000 Schülerinnen und Schüler unterrichten.

Für den Siegerentwurf der Rohdecan Architekten (Dresden) muss der alte Baumbestand weitgehend weichen. Nur elf Bäume bleiben, schon dies ist aus Sicht der Planer für das Baustellen-Management eine Herausforderung. Die 106 weiteren Bäume werden der Kettensäge zum Opfer fallen.

Neuer Schulcampus: 125 Bäume werden nachgepflanzt

„Das tut gerade mir als Grüne sehr weh“, sagte Stefanie von Berg (Grüne), seit Anfang Dezember 2019 neue Bezirksamtsleiterin. Aber man werde für den entsprechenden Ausgleich sorgen. Die Pläne sehen vor, dass auf dem Schulgelände 125 Bäume nachgepflanzt werden. Zudem sollen an weiteren Standorten im Bezirk Altona – angedacht ist unter anderem die Jessenstraße – 38 weitere Bäume gepflanzt werden.

„Unter dem Strich werden wir also deutlich mehr Bäume haben als jetzt“, sagte Stefanie von Berg. Zudem würden entsprechend kräftige Bäume, also Großgehölze, mit entsprechender Qualität nachgepflanzt – robust genug für den Klimawandel. Die Behörde für Umwelt und Energie empfiehlt Eichen wie die Sumpfeiche, Linden wie die Amerikanische Stadtlinde und Arten wie die Felsenbirne oder die Blumen-Esche. Der Durchmesser der neuen Stämme sollen im Schnitt bei etwa 30 Zentimeter liegen, die Höhe bei rund fünf Metern.

Fällgenehmigung für Schule – CDU spricht von Skandal

Gegen diese Pläne formiert sich allerdings Widerstand. Bereits bei der Sitzung des Hauptausschusses der Bezirksversammlung Altona Mitte Dezember entzündete sich an der Baum-Frage ein massiver Streit. CDU und Linke lehnten die Pläne strikt ab, Grüne und SPD setzen den entsprechenden Zustimmungsbeschluss mit ihrer Mehrheit durch.

Sven Hielscher, Fraktionschef der CDU kritisiert dies scharf: „Jeder Bauherr, ob Großinvestor oder Einfamilien-Häuslebauer, muss die Pläne einreichen. Es ist ein Skandal, dass diese rechtlich vorgegebenen Bauregeln beim Bau des neuen Schulcampus, also einer Baumaßnahme der öffentlichen Hand, missachtet werden. Die privilegierte Fällgenehmigung für die Schulbau Hamburg ist durch nichts zu erklären.“

CDU fordert bis zu 500 neue Bäume im Struensee-Quartier

Eine Nachpflanzung von 163 Bäumen reiche bei weitem nicht aus. „Pro Baum muss üblicherweise mit der Neupflanzung von vier bis fünf neuen Bäumen gerechnet werde“ sagt Hielscher. Er fordert 400 bis 500 neue Bäume im Struensee-Quartier: „Grünflächen und Bäume in Hamburg sind rar und wertvoll. Gerade die Grünen halten angesichts der weltweit geführten Klimadebatte gern Sonntagsreden. Klima- und Umweltschutz zeigt sich aber vor allem in konkretem Handeln vor Ort.“

Auch Robert Jarowoy, Fraktionschef der Linken, ist strikt gegen das Fällen der Bäume: „Gerade in Zeiten des Klimawandels ist eine solche Aktion nicht zu vertreten.“ Stefanie von Berg weist die Vorwürfe zurück. Gerade CDU und Linke hätten immer wieder kritisiert, dass der Schulbau mit dem Wohnungsbau nicht Schritt halte: „Jetzt entsteht in unserem Bezirk ein neuer Campus. Dann stehen wir auch in der Verantwortung.“

Die Bürgerinitiative „Struenseebäume bleiben“ lädt am kommenden Sonnabend (25. Januar) um 10 Uhr zu einem Trauermarsch ein. Treffpunkt ist an der S-Bahn-Station Königstraße, Ausgang Fischmarkt.

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