Pilotprojekt

Ottensen bekommt Freitag seine erste Mini-Carsharing-Station

So soll ein switchh-Standort in Ottensen aussehen

So soll ein switchh-Standort in Ottensen aussehen

Foto: Hamburger Hochbahn AG

Premiere in Hamburg: An der Reitbahn wird eine neuartige Auto- und Fahrradleihstation für eine ganze Nachbarschaft eingeweiht.

Hamburg. Nach Anwohnerbefragung, zäher Standortauswahl und viel Kritik wird am kommenden Freitag die erste Carsharing-Station für eine Hamburger Nachbarschaft eröffnet. An der Reitbahn in Ottensen soll die Fläche für Leihwagen, die aus dem Pilotprojekt "firstmover" hervorgeht, ans Netz gehen. Vertreter der Verkehrsbehörde, der BMW Group, der Hochbahn sowie des Bezirks Altona weihen die neue Station ein.

Das neuartige Mobilitätsangebot soll es den Bewohnern dicht bebauter Quartiere leichter machen, auf ihr eigenes Auto zu verzichten, ohne in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Deshalb werden diverse Sharing-Angebote vor der Haustür bereitgestellt – vom Leihauto über das Leihfahrrad bis hin zum Lastenrad. An der Reitbahn soll es ein Mini-Switchh-Punkt werden.

Leihstation gehört zum Projekt "Firstmover"

Trotz eher verhaltenem Anwohnerinteresse hat die Verkehrsbehörde an ihren Carsharing-Stationen in Wohngebieten festgehalten. Das im vergangenen Jahr gestartete Mobilitäts-Projekt „firstmover.hamburg“ soll neben Ottensen auch in Eimsbüttel umgesetzt werden und die Abschaffung des eigenen Autos erleichtern.

In Ottensen wurden dafür vier Standorte ausgewählt, die nach und nach umgesetzt werden. Demnach hat sich die Projektgruppe für den Standort Nernstweg mit zwei Carsharing-Stellplätzen und die Planckstraße mit drei Carsharing-Stellplätzen sowie Lastenräder- oder E-Roller-Plätze entschieden. Auch an der Holländischen Reihe entstehen vier Carsharing-Stellplätze und Stellplätzen für Lastenräder sowie E-Roller.

Mäßige Beteiligung hatte zu Kritik geführt

Dem Projekt vorangegangen waren eine Befragungen von rund 560 Eimsbütteler und Ottensener Anwohnern durch das Karlsruher Institut für Technologie sowie Bürgerworkshops in den beiden Stadtteilen. Dabei besaßen 237 Haushalte schon jetzt keinen Pkw.

Die mäßige Beteiligung hatte für Kritik an dem Projekt und dessen Legitimierung gesorgt. Die Ergebnisse seien aber in konkrete Projekte übertragen worden, laut Senat werden in Ottensen erstmals mehrere, kleinere switchh-Punkte mitten in Wohngebieten geplant. Das entspräche dem Bedarf der Anwohner.

Neu sind Elektro-Roller zum Leihen

Ziel beim Projekt ist, die Elektromobilität voranzutreiben. Deshalb werden so viele Standorte wie möglich mit Elektro-Ladesäulen ausgestattet. An größeren Standorten sollen auch Elektro-Roller-Sharing sowie Platz für Lastenräder integriert werden. Dazu werde eine Kooperation mit dem Betreiber von „emmy“ vorbereitet, der bereits 150 E-Roller in Hamburg anbietet.

Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) ist guter Dinge: „Wir wollen die Parkplatznot in dicht bebauten Quartieren lindern. Dafür bietet dieses Projekt eine Lösung an. Mit switchh bleibt die Anzahl der Parkplätze wie sie ist, weil sich aber mehrere Nutzer ein Auto teilen, ist der Bedarf auch geringer.“ Davon würden sogar Autobesitzer profitieren, die weiterhin aufs eigene Gefährt setzen.

Zahl der Leihwagennutzer hoch

Ganz Ottensen gewinne Mobilitätsangebote und Flexibilität direkt in den Wohngebieten. „Nah am Puls der Bewohner“, nennt Jens Brückner, Leiter der Stabsstelle Komplementäre Mobilität der Hamburger Hochbahn AG, das Projekt. Vorteilhaft bewertet auch Bezirksamtsleiterin Liane Melzer diesen Schritt: „Den Bürgern im dicht bebauten Ottensen eröffnet sich damit absehbar die Möglichkeit zur Nutzung dieses zukunftsfähigen Mobilitätskonzeptes.“

Schon heute ist die Zahl der Leihwagennutzer in den Untersuchungsgebieten mit ihren 16.000 Einwohnern (Eimsbüttel) und 18.000 (Ottensen) hoch. Allein mehr als 3200 Kunden des Carsharing-Dienstes DriveNow leben in Eimsbüttel, in Ottensen knapp 2000. Die Pläne für die Firstmover-Stationen in Eimsbüttel sollen nach der Sommerpause im Kerngebietsausschuss der dortigen Bezirksversammlung zur Entscheidung vorgestellt werden.