Handel

Hamburgs erster Fair-o-mat steht jetzt in Altona

Voll fair. Der neue, stromlose Snackautomat im Altonaer Rathaus. Hans Christoph Bill vom Altonaer Weltladen betreibt ihn mit Marion Grossmann.

Voll fair. Der neue, stromlose Snackautomat im Altonaer Rathaus. Hans Christoph Bill vom Altonaer Weltladen betreibt ihn mit Marion Grossmann.

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Kaugummi-Automat, nur fairer: Nach vier Jahren wurde das Gerät im Altonaer Rathaus in Betrieb genommen. Nachhaltig, versteht sich.

Hamburg.  Aus der Kantine duftet es nach Ofengemüse. Außerdem gibt’s heute Seelachs und Spaghetti Bolognese im Altonaer Rathaus. Doch das nehmen drei Leuten eine Treppe höher gar nicht wahr. Sie sind zu beschäftigt, im Gang zur Kantine ein vergleichsweises bescheidenes Ergänzungsangebot in einen Automaten zu verfrachten. Schokoriegel vom Typ Ingwer-Zartbitter etwa oder vegane Fruchtgummis. Alles verschwindet ebenso hinter einer frisch geputzten Glasscheibe wie eine Mischung aus Nüssen und Trockenobst.

Neben dem neuen Gerät nehmen die drei dann Aufstellung, Hans-Christoph Bill und Marion Grossmann aus dem Ottensener Weltladen und die Grünen-Politikerin Stephanie Faust. Das hier ist nämlich ihr Projekt. Und sie sind sichtlich froh, nach einem langen Weg am Ziel zu sein: Hamburgs erster Fair-o-mat wird heute im Altonaer Rathaus in Betrieb genommen.

Klingt spektakulär, ist es aber nicht. Der Fair-o-mat, sagt Hans-Christoph Bill, sei demnach nur der erste und einzige stromlose, mit fair gehandelten Bioprodukten bestückte Snack-Automat der Stadt. Die angebotene Cashew-Mischung kommt etwa von einer Frauen-Kooperative aus Honduras, der Rohrzucker für die Schokolade aus Paraguay. Co2-Bilanz des Bestellvorgangs: positiv.

Wer hier vollautomatisiert kaufe, könne das mit gutem Gewissen tun, sagt Bill. Zudem unterstütze jeder Kunde direkt die Produktion vor Ort – etwa ein Drittel des Preises, der zwischen 60 Cent und zwei Euro liegt, wird weitergereicht.

„Wir freuen uns, dass nach fast vier Jahren dieses Projekt in der Fairtrade-Stadt Hamburg jetzt umgesetzt wurde“, sagt Weltladen-Mann Bill mit mildem und vielsagendem Lächeln. Die Premiere dieses vergleichsweise harmlosen Geräts hatte sich vom Beschluss des Altonaer Umweltausschusses im Jahr 2013 bis zur Aufstellung im Januar 2017 hingezogen. Immer wieder scheiterte die Inbetriebnahme an Widrigkeiten wie Brandschutzfragen oder der Grundsatzdiskussion über den richtigen Standort. Der Weltladen sei jedenfalls unschuldig.

Der herkömmliche Snackautomat im Kundenzentrum sollte beispielsweise nicht mit dem Fair-o-maten konkurrieren, sagt Grünen-Politikerin Stephanie Faust. Politik und Verwaltung hätten sich lange, also fast vier Jahre, nicht einigen können. Zudem sei das Projekt auch immer wieder in Vergessenheiot geraten, musste wiederholt angesprochen werden. Dabei lagen die vom Bezirk für das Projekt bewillgten 2500 Euro seit 2013 vor.

Das Endgerät selbst hat dabei 1600 Euro gekostet und wurde von zwei Tüftlern aus Nordrhein-Westphalen gefertigt. Seit 2010 basteln die beiden Fairtrade-Referenten Hendrik Meisel und Klaus Hamelmann schon an ihrer CO2-freien Automaten-Vision, 2012 erhielten sie dafür den Fairtrade-Award. Inzwischen haben sie etlichen Altgeräten zur neuen Bestimmung verholfen, und zwar sowohl bundesweit, als auch darüber hinaus wie eine Karte auf ihrer Internetseite zeigt.

So wurde auch aus einem alten italienischen Automaten der erste Hamburger Fair-o-mat im Altonaer Rathaus. Ein stilvoller schwarzer Kasten mit zehn Drehknöpfen an der Seite. Die stromlose Mechanik des Geräts löst in manchen Nostalgie aus, folgt sie doch dem Prinzip alter Kaugummiautomaten. Also: Geld rein, drehen – und warten, bis was herauskommt. Losung: „Kein Strom, voller Genuss.“

Beschlossen hat ihn die Politik in Altona, bestückt und betrieben wird der Fair-o-mat vom Weltladen Ottensen. Am Mittwoch kündigte Marion Grossmann, eine Ehrenamtliche mit bunter Strickmütze, an, wöchentlich nach dem Gerät schauen zu wollen und gegebenenfalls die zehn Produktlinien nachzufüllen.

Nachmachen wiederum sollen das Projekt nach dem Willen der Initiatoren andere öffentliche Gebäude in Hamburg. „Wir haben sieben Bezirksämter und 20 Kundenzentren in der Stadt – genügend Platz für weitere Fair-o-maten“, sagt Stephanie Faust. Es müssen ja nicht jedes Mal vier Jahre Vorbereitungszeit sein. Zum Aufstellen benötige man eigentlichb nur den Automaten, einen Betreiber und zwei Bohrlöcher in der Wand.