Aufruf

Bürger in Altona sollen Wohnungs-Leerstand melden

Das Bezirksamt Altona hat in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 340 leerstehende Wohnungen registriert (Symbolfoto)

Das Bezirksamt Altona hat in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 340 leerstehende Wohnungen registriert (Symbolfoto)

Foto: picture alliance/JOKER

Bezirksamt richtet eigenes E-Mail-Postfach sowie eine Telefon-Hotline ein. Vermietern drohen bei Leerstand hohe Bußgelder.

Altona. Das Bezirksamt Altona weitet die Suche nach leerstehenden Wohnungen aus und bindet nun auch die Bürger mit ein. Damit soll nach Willen der Bezirkspolitik besser geprüft werden können, ob Vermieter gegen das Hamburger Wohnraumschutzgesetz verstoßen und möglicherweise dringend benötigten Wohnraum absichtlich nicht vermieten – etwa aus Spekulationsgründen.

Bezirk richtet Telefon-Hotline ein

Das Bezirksamt hat dazu seit heute ein eigenes E-Mail-Postfach freigeschaltet, wo Bürger "vermutete Wohnungsleerstände" rund um die Uhr melden könnten: "leerstand@altona.hamburg.de", so lautet die Adresse. Auch eine eigene Leerstands-Hotline hat das Bezirksamt – das in jüngster Zeit mehrfach durch Personalmangel bei Servicestellen aufgefallen war – jetzt eingerichtet und folgende Nummern dazu angegeben: 428 11 6140, 428 11 6142 und 428 11 6037 (montags und donnerstags von 9 bis 11 Uhr). Am heutigen Vormittag war dort jedoch noch niemand zu erreichen.

Das Bezirksamt Altona werde aber den Hinweisen nachgehen und überprüfen, ob in den gemeldeten Fällen ein Verstoß vorliegt, sagt Bezirkssprecher Martin Roehl. Die Maßnahme des Bezirksamts gründet sich dabei auf einen gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen in Altona: „Es ist nicht akzeptabel, dass viele Menschen Wohnungen suchen, während andererseits Wohnungen leerstehen oder unzulässig umgenutzt werden“, hieß es dazu zur Begründung.

Das Problem eines absichtlichen Leerstands dürfte in Hamburg allerdings überschaubar sein. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts hat Hamburg im bundesweiten Vergleich die geringste Leestandsquote aller größeren Städte. Sie liegt demnach bei 4,4 Prozent, landesweiter Durchschnitt beträgt 7,9 Prozent. Seit 2007 ist die Quote in Hamburg stark gesunken.

Leestandsquote in Hamburg sehr gering

Das ist offensichtlich auch der Bezirkspolitik klar. Im Newsletter der SPD-Fraktion fordert der SPD-Politiker Wolfgang Kaeser, dass alle "Zwangsmaßnahmen" von der Anhörung, über Bußgelder bis hin zu treuhänderischen Vermietungen durch die Behörden ausgeschöpft werden müssten. Allerdings: Das Ergebnis der Meldungen werde wohl im "überschaubaren Rahmen bleiben", vermutet auch SPD-Politiker Kaeser. Die Verschärfung der Überprüfung findet er dennoch gerechtfertigt "Kleinvieh macht auch Mist", so Kaeser.

Tatsächlich hat das Bezirksamt Altona in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 340 leerstehende Wohnungen registriert, wie aus einer Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht. Teilweise seien dabei auch Zwangsgelder verfügt worden. Zur Überprüfung der gemeldeten Fälle werde in Altona bis Ende 2017 eine Stelle durch die Stadtentwicklungsbehörde finanziert, heißt es weiter in der Antwort des Amts auf die FDP-Anfrage. Ob es dafür auch in einem Jahr noch Geld gibt, sei indes noch offen.