Event-Villa in Hamburg

In der Elb Lounge heiraten Hamburgs Prominente

Das imposante Anwesen wird 140 Jahre alt. Hier kann man exklusiv feiern. Es gibt hochkarätige Veranstaltungen.

Nienstedten.  Als die ehrwürdige Halle komplett mit knallfarbigen Tüchern ausgeschlagen wurde, den Tischen lila Decken verpasst wurde, Goldverzierungen glitzerten, und man meinte, 1000 Glöckchen klingeln zu hören – da war selbst Kathleen Nufer kurz mal perplex. Bollywood an der Elbchaussee? Genau, eine indische Braut hatte hier ihre Traumhochzeit verwirklichen lassen. „Das war wirklich einzigartig, wie verändert die Villa aussah“, sagt Nufer, der es als Geschäftsführerin der Elb Lounge mittlerweile wirklich selten die Sprache verschlägt. Dafür hat die engagierte Gastronomie-Beraterin, die seit knapp vier Jahren die Geschicke des Hauses lenkt und seit 25 Jahren in der Branche tätig ist, schon zu viele Superlative gesehen, selbst organisiert und begleitet. Schließlich ist ihr Arbeitsplatz die größte und exklusivste Location in Hamburg, wo unter komplettem Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert werden kann: 1876 als Sommerresidenz einer fünfköpfigen Kaufmannsfamilie erbaut, nennt sich das Anwesen mit dem Herrenhaus an der Elbchaussee 486 heute schlicht Event-Villa.

Hier können bis zu 250 geladene Gäste feiern

Und das drückt genau das aus, was Nufer mit ihrem Konzept und ihrem Team im Namen des Eigentümers umsetzt: Hier gibt es hochkarätige Veranstaltungen, Events hinter historischen Mauern. Neben Hochzeiten, die hier von Paaren aus der ganzen Welt mit maximal 250 Gästen bis in den Oktober hinein gefeiert werden – oftmals zwei an einem Wochenende (natürlich niemals zeitgleich) –, nutzen Firmen die Räumlichkeiten für exklusive Produktpräsentationen, wie es der Hamburger Juwelier Bucherer jüngst tat. Phil Collins gab vor einigen Jahren im Erdgeschoss ein Privatkonzert, um einem ausgewählten Kreis seine neuen Lieder zu präsentieren, Opernweltstar Anna Netrebko trat als Gast eines Sommerfestes auf.

Und sie alle genossen den Zauber dieses Ortes, einer grünen, ruhigen Oase, die sich gut versteckt hinter den hohen Bäumen der hoch frequentierten Elbchaussee. Der Naturschutz ist übrigens ein bedeutender Punkt für Nufer, die nicht nur dem Haus und den Gästen mit Respekt begegnet, sondern auch viel in Erhalt und Pflege des 17.000 Qua­dratmeter großen Parks mit See, der weißen Rundbrücke und in die 200 Jahre alten Hänge-, Blutbuchen, Eichen und den weiteren Bestand von 165 Bäumen investiert. Drei davon werden sogar einmal im Jahr per Ultraschall untersucht, um ihren Zustand festzustellen.

Allein an diesem Tag sind drei Gärtner unterwegs, um die Anlage zu pflegen. „Man muss es so zu schätzen wissen, was wir hier mitten in der Stadt haben“, sagt die Fachfrau, die in Eppendorf lebt und täglich von „einer Schokoseite der Stadt zur anderen“ pendelt. Urbanes, quirliges Leben versus Naturidylle. „Mittlerweile haben sich hier ein Fischreiher und eine zwölfköpfige Entenfamilie angesiedelt – das ist nicht selbstverständlich.“

Deshalb gibt es grundsätzlich keine Genehmigung für Feuerwerke. So lehnt Nufer auch Anfragen für Dreharbeiten grundsätzlich ab, in denen Tiere vorgeführt oder nicht adäquat dargestellt werden. Ein Kamel an der Leine, das müsse nicht sein. Jan Fedder als Kommissar oder Vater einer Millionärsgattin in spe? Immer gern. „Gerade haben hier auch Anke Engelke und Wotan Wilke Möhring gedreht, das war ein großes Vergnügen, diese Schauspieler kennenzulernen und bei der Arbeit zu beobachten“, sagt Nufer. Denn in der Woche, wenn sich das Team von den Partys der Wochenenden regeneriert, finden Konferenzen, Tagungen, Mode-Shootings und Filmaufnahmen statt. „Auch wenn wir eine romantische Location sind, agieren wir natürlich als wirtschaftlicher Betrieb mit acht festen Mitarbeitern“, sagt Nufer.

Stil-Elemente blieben trotz Eigentümerwechsel erhalten

100.000 Euro des Erwirtschafteten fließen jedes Jahr in die Instandhaltung der Villa, mal geht es um den Anstrich, dann um die neuen Kupferbeschläge an den Balkonen. Alles soll zum Haus passen. So will es der Besitzer, ein erfolgreicher IT-Unternehmer, der die Öffentlichkeit scheut, in der Schweiz lebt, jedoch zehnmal im Jahr nach der Villa sieht, um dann mit Nufer die wichtigen Dinge zu besprechen. „Er ist nicht der Typ ,Großgrundbesitzer‘, er hat die Villa 1999 vom damaligen Eigentürmer BP gekauft, der sie als Studienhaus genutzt hatte“, weiß Nufer.

Gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt seien damals die Räumlichkeiten saniert und teilweise – ob der oftmals prominenten und vermögenden Gäste – sogar mit kugelsicheren Fenstern ausgestattet worden. Doch die „DNA“ des Hauses blieb erhalten, viel Ursprüngliches konnte „wiederbelebt“ werden: So waren zum Beispiel alle acht Kamine zugemauert, heute ist besonders der historische Kamin in der Eingangshalle mit schwarz-weißem Marmorboden zu einem Blickfang und beliebtem Treff im Herbst und Winter avanciert.

Die originalen Böden, die auch zu Zeiten der britischen Besatzung zum Großteil von Teppichen bedeckt waren, konnten aufbereitet werden. Heute sorgt dieses Parkett für einen wahren Wohlfühlfaktor. Denn das ist es, was die Villa ausmacht: Sie ist nicht beliebig. Sie kommt einladend daher, wie ein warmes Heim auf Zeit. „Auch ein DAX-Vorstand und Konzernchef freut sich, abgeholt zu werden und sich wie zu Hause zu fühlen“, sagt Nufer. Wahrscheinlich gibt es deshalb so viele Stammkunden im Tagungsbereich, die sich gegen den Konferenzsaal im Edel-Hotel entscheiden. Die lieber im 1. Stock in der Onyx-Bar, der mit imprägniertem Kalbsleder ausgekleideten Zigarren-Lounge (deshalb riecht es hier kein bisschen nach Rauch) und dem Tagungsraum zusammensitzen. Bis zu 25 Personen können hier tagen (für 89 Euro für Lunch und Kaffeepause pro Person). Und gern auch in der Pause im Park Fußball spielen, wie es das Team eines erfolgreichen Managers zu tun pflegt. „Wo geht das sonst?“, fragt Nufer rhetorisch.

Und sonst geht viel. Gerade im Hochzeits- und Familienfestbereich gibt es kaum Grenzen nach oben. Details lässt sich Nufer nicht entlocken. Doch ist klar, dass Gäste, die als Grundpreis die Tagesmiete von 5500 Euro zahlen, wozu die Kosten der Menüs (drei Gänge ab 58 Euro) für die Gäste und Dienstleistungen wie Nannys sowie Blumenschmuck und Dekoration kommen, auch ausgefallenere Wünsche haben – der rote Teppich im Park, sehr viel Kaviar für ein russisches Brautpaar. Außenminister Frank-Walter Steinmeier war hier zu Gast und Brautleute wie Spitzenköchin Cornelia Poletto und Bahn-Chef Rüdiger Grube haben hier gefeiert. Auch Janina Otto, Versandhaus-Erbin und Tochter von Michael Otto, und ihr Ehemann, der Hamburger Boxer Ismail Özen, haben in der Elb Lounge ihre Hochzeitsgäste empfangen. Bei jeder Hochzeit nimmt sich die Villa zurück und lässt den Gästen die Möglichkeit, ihre persönliche Traumfeier in den im Erdgeschoss liegenden Räumen Ausblick, Blauer Salon, der Bar und dem Clubraum zu gestalten. Und zu einigen Träumen gehört wohl auch Roastbeef mit Bratkartoffeln. „Manchmal gibt es kulinarische Familientraditionen, die wir gern umsetzen“, sagt Nufer dazu. Bratkartoffeln kann man ja trüffeln.

Mit dem Koch-Team der Veranstaltungsmanufaktur Traiteur Wille, das in der 80 Quadratmeter großen Küche mit Ausstattung auf Gourmet-Restaurant-Niveau die Köstlichkeiten für die Gäste frisch zubereitet, hat die Elb Lounge einen festen Partner in diesem Bereich. Um den Blumenschmuck kümmert sich zumeist das Team der Meisterfloristen von Himmel und Erde. Zur Elb Lounge gehören auch zwei Suiten im ersten und zweiten Obergeschoss, in die sich Brautpaare zurückziehen können, ein rückwärtiger Parkplatz und ein Weinkeller. Im Gästehaus, das mit einem Spaziergang zu erreichen ist und extern betrieben wird, kann man übernachten.

Doch auch ohne Einladung zum rauschenden Fest, Bankett oder Society-Event kann man an ausgewählten Tagen die Villa genießen – immer wieder öffnet Nufer das Haus für karitative oder kulturelle Veranstaltungen, wie für die Lesungs-Reihe „Literatur in den Häusern der Stadt“ oder bei Lunches und Treffen für Hannelore Lays „Stiftung Kinderjahre“. Und wer bei einem Spaziergang freundlich fragt, den würde Nufer sicher nicht abweisen – dafür ist sie viel zu sehr Gastgeberin.