Altona

Gründerzeit-Häuser an der Breiten Straße abgerissen

Der Abriss an der Breiten Straße hat
nun endgültig begonnen

Der Abriss an der Breiten Straße hat nun endgültig begonnen

Foto: Roland Magunia / HA

Auf dem Areal entstehen nun Eigentums- statt Sozialwohnungen. Die Altonaer SPD gibt sich selbstkritisch.

Hamburg.  Um die zwei leerstehenden Gründerzeit-Häuser tobt seit fast zehn Jahren ein politischer Streit in Altona, vor zwei Jahren führte dabei eine gewalttätige Hausbesetzung von Linksautonomen sogar zu bundesweiten Schlagzeilen, als Polizeibeamte verletzt wurden. Am Dienstag hat nun der tatsächliche Abriss der alten Gebäude an der Breiten Straße in Altona begonnen.

Eine Abrissgenehmigung und auch eine Baugenehmigung für den geplanten Neubau gibt es indes schon seit mehr als einem Jahr. In der Altonaer Bezirkspolitik hatte es dazu von den großen Parteien noch eine breite Zustimmung gegeben, inzwischen ist man zumindest in der SPD angesichts der aktuellen und offensichtlich wieder geänderten Neubaupläne etwas selbstkritischer geworden. Denn zunächst war im Laufe der Auseinandersetzungen von Sozialwohnungen die Rede, später dann von „preisgedämpften“ Mietwohnungen, die dort geplant würden. Tatsächlich bietet das Makler-Unternehmen Grossmann & Berger im Auftrag eines inzwischen zweiten Investors aktuell im Internet unter dem wohlklingendem Projektnamen „Elbside“ 18 Eigentumswohnungen an: Ein Teil ist bereits verkauft, andere kosten zwischen 274.000 und knapp 500.000 Euro. Und für die größere der beiden Dachgeschosswohnungen muss man 1,49 Millionen Euro auf den Tisch legen.

„Zufrieden sind wir damit nicht“, sagt der baupolitische Sprecher der Altonaer SPD-Bezirksfraktion, Gregor Werner. Die Zustimmung habe sich noch auf den ursprünglichen Plan bezogen. Später dann habe die Politik keinen Einfluss mehr nehmen können, sagt der SPD-Politiker. Und das konnte der erste Investor mit einer einfachen Planänderung erreichen: Ab 20 Wohnungen hätte er im Drittelmix auch günstige Mietwohnungen bauen müssen, doch dann ging er mit seiner Planung einfacher darunter. Man habe aus „dieser Entwicklung“ inzwischen gelernt, sagt SPD-Mann Werner heute.

Altonas Linken-Fraktionschef Robert Jarowoy spricht hingegen von einem „Skandal“. Hier seien „ohne Grund“ günstiger Wohnraum und schöne Gründerzeithäuser vernichtet worden. Der Altonaer CDU-Bauexperte Sven Hielscher verteidigt indes den Abriss. Die Häuser seien von Schimmel befallen gewesen und hätten nicht mehr gerettet werden können.

Doch der Reihe nach: 2006 kaufte ein Investor die Häuser und strebte wohl zunächst auch einen Abriss an, der in Altona noch auf Ablehnung stieß. Stattdessen wollte man einen neuen Bebauungsplan für den Abschnitt aufstellen. Dann wurde vom Investor ein Architekt beauftragt, der nach eigener Darstellung auch einen Teilerhalt der Häuser plante. Weil er früher für die Grünen selbst in der Bezirkspolitik aktiv gewesen war, unterstellten Kritiker ihm eine zu große Nähe zur Politik.

Ein Denkmalschutz für die Gebäude wurde dann von der zuständigen Behörde aber abgelehnt. Begründung: Die Straße sei eher durch Nachkriegsbauten geprägt und Gründerzeitbauten dort nicht schutzwürdig. Ohne Denkmalschutz und damit ohne Förderung sei eine teure Sanierung aber nicht zu leisten, argumentierten nun Investor und Planer. Und auch die Bezirkspolitik ließ sich zum größten Teil überzeugen, dass ein Erhalt angeblich wirtschaftlich nicht möglich sei. „Wir haben das auf Herz und Nieren geprüft – da war nichts mehr zu retten“, so Grünen-Fraktionschefin Gesche Boehlich.

Mit der Abrissgenehmigung in der Tasche verkaufte der Investoren dann nach Jahren des Streits die Häuser schließlich einfach weiter.