Elbufer

Können neue Regeln die Blankeneser Osterfeuer retten?

Die Osterfeuer an der Elbe ziehen jedes Jahr Tausende Schaulustige an.  Doch die Funken bedrohen die reetgedeckten Häuser im Treppenviertel

Die Osterfeuer an der Elbe ziehen jedes Jahr Tausende Schaulustige an. Doch die Funken bedrohen die reetgedeckten Häuser im Treppenviertel

Foto: Bodo Marks / dpa

In diesem Jahr kam es nach Funkenflug zu teilweise chaotischen Szenen. Jetzt gibt es für die Traditionsveranstaltung klare Ansagen.

Blankenese.  Bei Temperaturen um 20 Grad Celsius und mitten im Juni denken wohl die wenigsten an Oster­feuer. Doch das Thema ist brandaktuell. All diejenigen, die mit der Organisation der Großveranstaltung am Blankeneser Elbstrand zu tun haben, müssen sich damit befassen.

Die Stimmung kocht, denn im Stadtteil verbreitet sich derzeit die Botschaft, die in kleinen Kreisen und hinter verschlossenen Türen bereits verkündet wurde: Es weht ein neuer Wind in Sachen Osterfeuern. Der bedeutet für Besucher und Organisatoren, dass sie sich auf dunklere und kältere Zeiten einstellen müssen.

Denn nach dem Dilemma in diesem Jahr gibt es klare Ansagen für die Organisatoren der Osterfeuer in Blankenese. Erstens: Bei jeglicher Form von Südwind bleiben die Feuer in Zukunft aus. Zweitens: Feuer, die die erlaubten Maximalgrößen überschreiten, werden von der Stadt konsequent entfernt. Diese neuen „Spielregeln“ verkündete kürzlich Jürgen Langbehn vom Altonaer Bezirksamt auf einer Stadtteilkonferenz der Blankeneser Bezirkspolitiker. Dem vorausgegangen waren Gesprächsrunden mit Vertretern von Polizei, Feuerwehr, Bezirksamt und Helfern.

Massive Probleme zum Osterfest in diesem Jahr

Grund für die verschärften Bedingungen sind die massiven Probleme, die es zum Osterfest 2016 gab. Beim Anzünden der Feuer am Blankeneser Elbstrand entwickelte sich ein starker Funkenflug. An diesem 26. März kam der Wind aus Süden, trieb die Funken in Richtung Hang und somit in Richtung der alten Reetdachhäuser im Blankeneser Treppenviertel. Die waren laut Feuerwehr stark gefährdet. „Wir haben im Hanggebiet ohnehin eine ungünstige Situation“, sagt Michael Steinbock als Leiter der zuständigen Osdorfer Feuerwehr. Zugeparkte Straßen, enge Wege sowie fehlende Zufahrten erschwerten die Löscharbeiten. Würden die Reetdachhäuser erst einmal brennen, wären sie laut Steinbock fast unmöglich zu retten.

Beim letzten Osterfeuer zogen die Behörden die Notbremse, bereits angezündete Feuer wurden wieder gelöscht, andere durften gar nicht mehr angezündet werden. Das gab es so noch nicht. Keine Feuer und die fehlende Kommunikation beziehungsweise Informationen darüber sorgten für Frust. Manche versuchten, die Feuerwehr von den Löscharbeiten abzuhalten, Schläuche wurden durchgeschnitten. Die Polizei musste einschreiten. „Das darf so nie wieder passieren“, machte Michael Allers von der Osdorfer Polizeiwache ganz deutlich.

Die Osterfeuer 2016:

Vier Feuer gibt es in Blankenese

Eines ist aber auch klar: Die Blankeneser lassen sich ihr Osterfeuer nicht verbieten. Die Feuer haben eine jahrhundertealte Tradition im einstigen Fischerdorf. An dem Blankeneser Strandabschnitt finden sich seit Jahrzehnten Familien und Anwohner zusammen, die das Aufschichten der Großfeuer organisieren, darunter auch Anwälte, Politiker und Unternehmer.

Vier große Feuer gibt es, die im Volksmund Mühlenberg, Osten, Knüll und Viereck heißen. Unter den jeweiligen Einheizern gibt es einen Wettbewerb, wer das schönste und größte Feuer hat. Der Wettbewerb verträgt sich allerdings nicht mit den Regeln des Altonaer Ordnungsamts und der Feuerwehr bezüglich der festgelegten Maximalgrößen, was immer wieder zu Aus­einandersetzungen im Vorfeld der Veranstaltung führte.

Die Osterfeuer werden nur geduldet

Eine offizielle Genehmigung oder einen Veranstalter für das Großspektakel, das bei gutem Wetter bis zu 30.000 Besucher anlockt, gibt es aber nicht. Die Feuer werden aufgrund der langen Tradition nur geduldet. Genauso wie die wenigen Essensbuden und Getränkestände auf privatem beziehungsweise Vereinsgrund. Einnahmen für die Stadt: Fehlanzeige. Dafür verursacht die Großveranstaltung aber Kosten.

Genau das wächst sich zum Pro­blem aus. Denn hinter den Kulissen wird um die Kosten gerungen. Bislang übernahm die HPA (Hamburg Port Authority) als Eigentümer des Strandabschnitts einen Großteil. Laut HPA-Sprecherin Sinje Pangritz verschlingt die Reinigung des Strandes, die Aufbereitung der Flächen und die Entsorgung von Abfällen 35.000 Euro pro Jahr. In diesem Jahr beliefen sich die Kosten allerdings auf 60.000 Euro. Grund war das nötige Abräumen eines der Osterfeuer mit einem schwimmenden Bagger von der Elbe aus. Das Feuer durfte nicht entzündet werden aufgrund der Brandgefahr. Das droht angesichts der verschärften Bedingungen in den kommenden Jahren erneut.

Laut dem Altonaer Bezirksamt sollen nun Gespräche geführt werden, wer welchen Anteil an den Kosten trägt, um die Veranstaltung auch zukünftig zu sichern.