Traditionslokal

Stuttgarter Investor reißt Bahrenfelder Forsthaus ab

Vor dem verheerenden Brand: Die Gaststätte Bahrenfelder Forsthaus in der Von-Huuten-Straße in Bahrenfeld

Vor dem verheerenden Brand: Die Gaststätte Bahrenfelder Forsthaus in der Von-Huuten-Straße in Bahrenfeld

Foto: Klaus Bodig/HA

Traditionslokal war durch Feuer zerstört worden. Bezirkspolitiker wollten die Gastronomie erhalten. Neuer Eigentümer hat andere Pläne.

Hamburg. Früher wurde hier getanzt, geschlemmt und gekegelt, jetzt schieben Bagger die letzten Reste des Bahrenfelder Forsthauses zusammen. Ein Jahr nach dem verheerenden Brand ist das Ende des Traditionslokals zwischen Schrebergärten, Friedhof und Lutherpark im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld besiegelt. Seit einigen Tagen laufen die Abrissarbeiten. Das große Backsteingebäude war nahezu vollständig zerstört. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts will der neue Eigentümer auf dem Grundstück Wohnungen errichten. Die Gespräche mit der Bezirkspolitik laufen bereits.

Der Brand Ende März hatte weit über die Grenzen des Bezirks Altona für Entsetzen gesorgt. 20 Meter hoch waren die Flammen in der Nacht zum 23. März aus dem vier Stockwerke hohen Gebäude geschlagen, die Feuerwehr kämpfte bis zum Morgengrauen gegen das Feuer. Nur einen Tag danach kam die nächste Schocknachricht: Es war Brandstiftung . Die Suche nach dem Täter blieb bis heute ohne Erfolg. „Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen“, sagte Polizeisprecherin Heike Uhde gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Abrisspläne schon vor dem Brand

Und immer noch brodelt die Gerüchteküche, auch weil schon vor dem Feuer über einen möglichen Abriss des Lokals spekuliert worden war. Die damaligen Eigentümer hatten das zu dem Zeitpunkt verpachtete Grundstück unter Vorbehalt an das Hamburger Immobilienunternehmen Köhler & von Bargen verkauft, das auf dem Areal Wohnungen bauen wollte. Es gab bereits breite Zustimmung aus der Bezirkspolitik. Allerdings existieren eindeutige planrechtlliche Vorgaben, die an dem Ort einen Naherholungs-Grünzug vorsehen und einen gastronomischen Betrieb. Bezirksamtleiterin Liane Melzer (SPD) hatte deshalb eine Prüfung angekündigt.

Dann legten Unbekannte das Feuer, übrig blieb eine Ruine – und eine ungewisse Zukunft. Für die Pächter Mehmet und Fatma Tas ein Katatrophe. Auch sie wollten das Forsthaus kaufen. Jetzt bekommen sie nach eigenen Angaben nicht einmal die Versicherungssumme ausbezahlt. Auch der Verkauf an das Immobilienunternehmen Köhler & von Bargen zerschlug sind. Im Dezember erwarb das Stuttgarter Immobilienunternehmen Doubleline das 6150 Quadratmeter große Areal. „Es handelt sich um eine interessante Lage in einer interessanten Stadt“, so Geschäftsführer Christoph Wendel gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Investor will Wohnungen bauen, keine Gaststätte

Der Unternehmer aus Schwaben will Wohnungen bauen. Von einer neuen Gaststätte ist nicht die Rede, maximal könne er sich eine kleine Serviceeinheit vorstellen. „Wir sind in einem offenen Dialog“, so Wendel. Er hat allerdings bereits einen Architekten engagiert, der an Plänen arbeitet.

Erste Gespräche mit der Politik gibt es schon, bestätigte auch der Altonaer SPD-Fraktionschef Thomas Adrian. Er signalisierte Zustimmung zum Wohnungsbau, allerdings nur mit einem gastronomischen Angebot. Das klingt anders als noch vor einem Jahr. Damals hatte Adrian gesagt: Eine Ausflugslokal passe dort gut hin, „deshalb wollen wir das Forsthaus auch unbedingt erhalten“.

Fakt ist, dass das Areal in direktem Zusammenhang mit den Neubauplänen im Zuge des Autobahndeckels über die A7 steht. Deshalb muss alles auch mit den übergeordneten Plänen abgestimmt werden. Investor Wendel sieht darin seine Chance auf eine Änderung der Planungsvorgaben. In Zukunft sinke der Aspekt der Naherholung in dem Wohnungsbaugebiet, damit falle auch die Begründung weg, weshalb dort eine Gaststätte stehen müsse. Einen Bauantrag hat er nach Angaben des Bezirksamts bislang nicht gestellt.

Altonaer Politiker schreibt Krimi über den Forsthaus-Brand

Es bleibt also spannend. Und zwar im Wortsinn. Der Altonaer Linken-Abgerordente Robert Jarowoy hat inzwischen sogar einen Kriminalroman rund um den Brand im Forsthaus geschrieben. „Das Diebsteich-Komplott“ ist im März erschienen. Die Handlung ist fiktiv, aber er knüpft an reale Vorkommnisse an. Der Band, der im Ottensener Buchhandel zu kaufen ist oder beim Autor direkt bestellt werden kann (stadt-land@t-online.de), verkauft sich übrigens gut.