Altona

2500 Wohnungen sollen am A-7-Deckel entstehen

 So soll der Altonaer Deckel im Bereich von Bahrenfeld aussehen. Die durch die Autobahn geschlagene Wunde in Hamburgs Westen ist geheilt

So soll der Altonaer Deckel im Bereich von Bahrenfeld aussehen. Die durch die Autobahn geschlagene Wunde in Hamburgs Westen ist geheilt

Foto: DEGES/V-KON.media

Der Bezirk Altona verpflichtet sich zum Wohnungsbau und bekommt einen Lärmschutzdeckel über die Autobahn.

Hamburg.  Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz erinnert sich durchaus gern an diese Mission. Als SPD-Kreischef in Altona habe er in den 90er-Jahren bei den Bürgermeistern Henning Voscherau und Ortwin Runde sowie dem mächtigen Bausenator Eugen Wagner wiederholt für einen Lärmschutzdeckel über die Autobahn 7 in Bahrenfeld geworben, sagte Scholz am Montag. Und jetzt sei diese Lösung zum Greifen nah.

Kurz zuvor hatten im Beisein von Scholz Bausenatorin Dorothee Stapelfeldt, Wirtschaftssenator Frank Horch, die Altonaer Bezirksamtsleiterin Liane Melzer und der Vorsitzende der Bezirksversammlung, Frank Toussaint, eine Vereinbarung über den Bau von 2500 Wohnungen im Bezirk unterzeichnet. Im Gegenzug bekommt Altona einen 2300 Meter langen Lärmschutzdeckel über die A 7.

Damit endet ein mehr als 20 Jahre langes Ringen um besseren Lärmschutz auf den beiden Seiten der viel befahrenen Verkehrstrasse im Bereich Othmarschen und Bahrenfeld. 1994 hatten Anwohner die Bürgerinitiative „Ohne Dach ist Krach“ gegründet und seitdem für eine Überdeckelung der A 7 gekämpft.

Als die Autobahn Anfang der 70er-Jahre gebaut wurde, gingen die Planer von rund 40.000 Fahrzeugen am Tag aus. Bei der Eröffnung des Elbtunnels im Januar 1975 wurden bereits 60.000 Fahrzeuge gezählt. Heute gehört die A 7 zwischen Elbtunnel und Nordwestkreuz mit bis zu 155.000 Fahrzeugen am Tag zu den meistbefahrenen Autobahnteilstücken Deutschlands. Das bedeutet: alle vier Sekunden ein Lkw und alle 0,85 Sekunden ein Pkw.

Es dürfte daher nicht viele Orte in Hamburg geben, an denen ein Lärmschutztunnel so notwendig erscheint wie in Altona. Vom Süden her betrachtet soll das Bauwerk an der Brücke Behringstraße beginnen und dann über eine Länge von 2300 Metern bis zum Volkspark reichen. Auf dem Dach des Tunnels wird rund 14 Hektar Grünfläche entstehen. Ein Teil der 530 Kleingärten, die wegen des geplanten Wohnungsbaus verlagert werden müssen, werden dort angesiedelt.

Der Tunnel ist wegen der gestiegenen Anforderungen an den Lärmschutz notwendig geworden. Allerdings verpflichtet das Gesetz den für die Autobahnen zuständigen Bund dazu, einen Tunnel von lediglich 730 Meter Länge zu errichten. Aus städtebaulichen Gründen – die A 7 zerschneidet Hamburgs Westen – und der Notwendigkeit des Wohnungsbaus möchte die Hansestadt jedoch den langen Tunnel.

Um die Kosten der Tunnelverlängerung zumindest teilweise zu finanzieren, werden die durch das Bauwerk beiderseits der A 7 entstehenden sogenannten Entwicklungsflächen für den Wohnungsbau vermarktet. Die am Montag mit dem Bezirk geschlossene Vereinbarung bildet dafür den politischen Rahmen. Die Stadt will absichern, dass auch wirklich 2500 Wohnungen errichtet werden. Allerdings behält sich der Senat die Schaffung von Planungsrecht vor – „um die termingerechte Entwicklung der Flächen zu gewährleisten“, heißt es.

Hamburg werde die Verlängerung rund 193 Millionen Euro kosten, sagte Wirtschaftssenator Horch. 111 Millionen Euro erhoffe man sich durch den Verkauf von Wohnungsbauflächen. Die restlichen 82 Millionen würden über den Haushalt der Hansestadt finanziert. Das sei ein „sehr überschaubarer Betrag“, sagte Scholz. Horch meinte, er rechne mit einem Baubeginn für den Tunnel in drei bis vier Jahren.

„Das Gesamtprojekt ‚Deckel A 7‘ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Interessen – Schaffung von Wohnraum, wirtschaftliches Wachstum und Lärmschutz bei steigendem Verkehrsaufkommen – zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger miteinander vereinbar sind“, sagte Scholz. Horch ergänzte: „Wir können mit diesem Jahrhundertprojekt europaweit Vorbild werden bei der Integration einer hochbelasteten Autobahn in einen gewachsenen Stadt- und Landschaftsraum.“

Bezirksbürgermeisterin Melzer bezeichnete den langen Deckel als „großes Geschenk für Altona“. Dieser rücke mit der Unterzeichnung der Vereinbarung in greifbare Nähe. Endlich würden die beiderseits gelegenen Stadtteile wieder zusammengefügt. Zugleich wurde am Montag vereinbart, dass der Holstenkamp als neue, zweistreifige Haupterschließungsstraße von der Kreuzung Schnackenburgallee/Holstenkamp über den Autobahndeckel bis zum Ebertplatz geführt wird.