Hybrid Nanostructures

Nanoforschungszentrum feiert Richtfest in Bahrenfeld

Am Donnerstag feierten die Beteiligten das Richtfest für das neue Forschungszentrum in Bahrenfeld

Am Donnerstag feierten die Beteiligten das Richtfest für das neue Forschungszentrum in Bahrenfeld

Foto: Beate Zoellner / HA

Hamburger Wissenschaftler wollen auf dem Bahrenfelder Campus Verbindungen aus biologischem Gewebe und Elektronik untersuchen.

Hamburg.  Mit winzigen bioelek-tronischen Implantaten zerstörte Sinne zu ersetzen und so Blinden, Gehörlosen oder Gelähmten zu helfen – das ist eine Vision des Centers for Hybrid Nanostructures (CHYN), das 2017 auf dem Forschungscampus in Bahrenfeld eröffnet werden soll. Am Donnerstag feierten 130 Gäste das Richtfest für den Bau, in den Hamburg und der Bund mehr als 61 Millionen Euro investieren.

Auf einer Fläche von 4650 Quadratmetern sollen Physiker, Chemiker, Biologen und Mediziner erforschen, wie sich elektronische und biologische Materialien verbinden lassen, um so neue Anwendungen für die Medizintechnik zu entwickeln. Weitere Schwerpunkte bilden Forschungen zu Datenspeichern und Batterien, die auf Nanotechnik basieren. Nanoteilchen haben eine Größe von wenigen Atomen bis zu 100 Nanometern. Ein Nanometer ist ein millionstel Millimeter.

Der interdisziplinäre Ansatz des CHYN sei weltweit einzigartig, sagte Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). „Forschungsbauten sind Bekenntnisse. Sie bekunden: Diese Forschungsrichtung hat Zukunft“, sagte Fegebank. „Wir erhoffen uns davon technische und gesellschaftliche Fortschritte.“

Das Gebäude und die künftige Technik seien „ein Traum für Wissenschaftler“, sagte Robert Blick, Leiter des Instituts für Nanostruktur- und Festkörperphysik an der Universität Hamburg und künftiger Direktor des CHYN. Der Professor arbeitete zuletzt in den USA und davor in München. Acht Arbeitsgruppen aus seinem Institut, die bisher an der Jungiusstraße 11 untergebracht sind, sollen in dem Neubau arbeiten, der Platz für insgesamt 180 Wissenschaftler bietet.

Teil der besonderen Ausstattung ist etwa ein 250 Quadratmeter großer Reinraum, in den die Forscher durch eine Schleuse gelangen werden. Um die Instrumente und Proben dort nahezu staubfrei zu halten, soll durch die Decke Luft in den Raum hineingepresst werden, die kontinuierlich durch 628 Löcher im Boden abgesaugt wird. Geplant sind zudem Labore mit besonderem Schutz vor Erschütterungen und Schwingungen.

Der Neubau befindet sich in der Nachbarschaft des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (Desy) und des Zentrums für Freie-Elektronen-Laser (CFEL), wo Forscher etwa mit extrem hellen Röntgenlasern die Struktur von Biomolekülen und Festkörpern untersuchen. Geplant ist, dass ein reger Austausch mit den Nanowissenschaftlern vom CHYN stattfindet und sich beide Seiten unterstützen.

Dieser Verbund soll um weitere Forschungseinrichtungen erweitert werden, etwa das Centre for Structural Systems Biology (CSSB), das im September Richtfest feierte. Dort wollen Forscher die Angriffsmechanismen von Krankheitserregern bis auf wenige Atome genau studieren, um bessere Medikamente entwickeln zu können.