Steganlage am Elbufer

Galerien und Ateliers direkt auf dem Wasser

Foto: trabitzsch dittrich architekten gmbh

Projektentwickler planen für 20 Millionen Euro acht farbige Cocons im Fischereihafen. 2017 könnte die Steganlage fertig sein.

Altona.  Das Elbufer könnte bald um eine Attraktion reicher sein. Im Altonaer Fischereihafen planen Hamburger Architekten und Investoren eine 250 Meter lange Steganlage mit acht im Fluss schwimmenden, in der Dunkelheit farbig beleuchteten Häusern. „Les Cocons“, so der offizielle Name des Projekts, sollen das Angebot im Umfeld der Großen Elbstraße erweitern. Die originell gestalteten Pontons an der Promenade des Fischereihafens sollen als Showrooms, Ateliers und Ereignisflächen fungieren. Die Idee ist einmalig in Deutschland und wohl auch in Europa. Das Kostenvolumen liegt bei 20 Millionen Euro.

„Ein Besuch dieser Cocons ist wie ein Kurzurlaub in Altona“, sagt Architekt und Projektentwickler Karsten Trabitzsch dem Abendblatt. „Der Liegeplatz ist wie ein Sechser im Lotto.“ Gemeinsam mit seinem Partner Stephan Dittrich, ebenfalls von Haus aus Architekt, arbeitet er seit mehr als einem Jahr an der Konzeption. Diese wurde jüngst dem Bauausschuss in Altona präsentiert.

„Es gab eine grundsätzliche Zustimmung, sodass wir alsbald mit einem positiven Vorbescheid der Politik rechnen“, sagt Trabitzsch. Dieser würde dann die Weichen für einen offiziellen Bauantrag stellen. Ziel ist es, im Sommer kommenden Jahres mit den Arbeiten zu beginnen. Dazu gehört ein Ausbaggern im alten, teilweise versandeten Fischereihafen. Im Frühjahr 2017 könnten die acht Cocons getauft werden. Der Name bezieht sich auf Kokons – putzige, von Insekten oder Spinnentieren kunstvoll geschaffene Gehäuse und Eihüllen.

Enge Abstimmung mit den Behörden nötig

Die Reaktion der großen Parteien ist durchweg zustimmend. „Wir können uns das gut vorstellen“, sagt Gregor Werner, baupolitischer Sprecher der Altonaer SPD-Fraktion. „Der Hafen ist als Ort der Innovation geeignet für außergewöhnliche Architektur.“ Seine Partei stehe solchen innovativen Konzepten aufgeschlossen gegenüber. Wichtig sei eine enge Abstimmung mit den Hafenbehörden. „Endlich wird das tote Fischereihafenbecken in Altona mit einer attraktiven Nutzung reaktiviert“, meint Sven Hielscher, Vizevorsitzender der CDU-Fraktion vor Ort. „Nach dem Verlust der drei Altonaer Beach-Clubs sind die Cocons auf dem Wasser eine tolle Alternative.“

Im Detail sieht die Idee so aus: Die acht schwimmenden Häuschen liegen an einem 250 Meter langen und drei Meter breiten Schwimmsteg, der in Ost-West-Richtung parallel zur Kaimauer verläuft. Jeder Cocon umfasst zwei Ebenen auf 250 Quadratmetern, sodass die gesamte Ereignisfläche 2000 Quadratmeter beträgt. Hinzu kommt das jeweils 106 Quadratmeter große Außendeck. Dieses soll etwa zu einem Drittel überdacht sein.

Am Abend soll die Steganlage vis-à-vis des Fischereihafen-Restaurants mit farbigen LED-Spots illuminiert werden. „Die unterschiedlich angestrahlten und praktisch aus sich heraus leuchtenden Cocons bieten in ihrer Summe ein differenziertes, sehenswertes Erscheinungsbild“, verspricht Trabitzsch. Besucher, so die Vorstellung, können per Bus, mit der Hafenfähre der Linie 62 bis zur benachbarten Haltestelle Docklands oder mit dem Auto kommen. Pkw-Stellplätze für Mieter und Gäste der acht schwimmenden Häuser sollen am Kreuzfahrtterminal angemietet werden.

Wer mit privaten Segel- oder Motorbooten anlegt, findet ausreichend Liegeplätze an den Seiten der Schwimmsteganlage. Die Cocons seien bewusst so arrangiert, dass sich eine exquisite Süd-West-Sicht auf den Köhlbrand ergibt, heißt es. Gleichzeitig gewährleiste die Dreieranordnung der Pontons, dass landseitig der Blick vom Ufer auf die Elbe erhalten bleibt.

Die schwimmenden Häuser sollen das Angebot an Restaurants ergänzen

„Die Investoren sind an Bord“, sagt Trabitzsch. Konkrete Namen will er erst nennen, wenn die Bezirksversammlung ein grünes Signal sendet. Wichtig, ergänzt sein Partner Stephan Dittrich, sei eine enge Zusammenarbeit mit den Hafenämtern, aber auch mit den Gewerbetreibenden im Viertel: „Das vorhandene Potenzial an Bars und Restaurants soll ergänzt und erweitert werden.“ Unter dem Strich würde das Angebot am Elbufer verbessert.

Die Architekten Stephan Dittrich und Karsten Trabitzsch betreiben in der Schröderstiftstraße eine Gesellschaft für Projektentwicklung. Nach ihren Ideen wurden beispielsweise ein Gymnasium in Mecklenburg-Vorpommern sowie rund 100 Passivhauswohnungen für die Saga GWG in Barmbek gebaut. Seit 2002 kümmert sich das Team auch um schwimmende Architektur. Dazu zählt das „Kai 10“, ein gemeinsam mit dem Mercure-Hotel auf einem Kanal an der Amsinckstraße umgesetztes Konferenz- und Erlebniszentrum. Auch die Cocons in Altona sollen ein leuchtendes Beispiel für Zukunftspläne sein, neues Leben auf die Gewässer der Hansestadt zu bringen.