Altona

Architekt ist über Abriss des Hermes-Hochhauses „entsetzt“

Der Bau des Hochhauses war einst aufwendig als Landmarke geplant und hochmodern. Planer von damals kritisieren Abrisspläne.

Ottensen. Wenn Heinrich-Holger Kläschen von seinem Haus in Harburg ins Büro nach Marienthal fährt, nimmt er gerne die Elbtunnel-Autobahn. Und dann an der Abfahrt Bahrenfeld sieht er es schon: Das Hermes-Hochhaus. Ein fast leuchtend weißes, geschwungenes 23 Stockwerke hohes Bürohaus, das dort wie eine weit sichtbare Landmarke steht. Und eines der ersten Gebäude, an den Kläschen als Juniorpartner im Büro Felixmüller und Partner mit plante.

So wie auch Klaus Bosselmann, 78, der da schon länger als Architekt bei dem vor einigen Jahren verstorbenen Titus Felixmüller beschäftigt war, der seinerzeit den eigentlichen Entwurf geliefert hatte. Später übernahm Kläschen das Büro, heute führt es sein Sohn Philipp. Das Hermes-Hochhaus sei eines der wichtigsten Bauten des Büros gewesen, sagen sie. Aber eben eines, das jetzt bald wieder abgerissen wird. „Ich war entsetzt, als ich das zum ersten Mal hörte, nach so kurzer Zeit“, sagt Bosselmann. Zu unwirtschaftlich soll es sein? Nein, das glaube er nicht, das war doch hochmodern, sagt er.

Skizzen, erste Zeichnungen lieferte Felixmüller für den Kreditversicherer Hermes bereits Anfang der 70er Jahre. Ein Verwaltungsbau für 1200 Mitarbeiter sollte dort gebaut werden, wo das Geburtshaus von Hamburgs Nachkriegs-Bürgermeister Max Brauer stand. „Ein fürchterlicher Bau mit grauem Putz“ sei das gewesen, erinnert sich Bosselmann. Leicht sollte das neue Gebäude trotz seiner Größe erscheinen, luftig und mit viel Grün drumherum.

Aus einem Kreis entwickelten die Planer den Grundriss der beiden Gebäudescheiben, ein 1,25-Meter-Raster ist die Basis für den Stahlbetonbau. Vorbild war das Uno-Gebäude in Wien. .„Die leichte Wölbung sollte die Wucht nehmen, “, sagt Kläschen. Die Architekten planten kleine Büros und sogar Sporträume. Nicht Großraumbüros wie in der City-Nord. „Bauen ist auch eine humanitäre Aufgabe“, sagt Kläschen.

Der Bezirk Altona schuf dazu einen neuen Bebauungsplan, es gab Studien zur Verschattung und Diskussionen mit Anwohnern. 1977 war schließlich Baubeginn, 1981 der letzte Abschnitt fertig. „Ein bisschen mehr Respekt vor der Architekten-Leistung hätte ich erwartet“, sagt Kläschen.