Osdorf

Rot-grüner Senat plant Radstreifen auf Ring 3

Der Rugenbarg: Hier plant der Senat Radstreifen auf Kosten von Autospuren. Der Bezirk Altona ist strikt dagegen und kritisiert die Landesregierung

Der Rugenbarg: Hier plant der Senat Radstreifen auf Kosten von Autospuren. Der Bezirk Altona ist strikt dagegen und kritisiert die Landesregierung

Foto: Roland Magunia

Zwei von vier Autospuren sollen in Altona wegfallen. Der Bezirk ist entsetzt. Ärger gibt’s auch um Straßenrückbau in Rissen.

Hamburg. Für Autofahrer aus Schleswig-Holstein weisen große Schilder hier den Weg zum Flughafen und zu den Sport-Arenen der Stadt aus. Auf vier Spuren rollt auf dem Ring 3 zwischen Osdorfer Landstraße und Rugenbarg der Verkehr zu diesen zentralen Zielen, mehr als 1000 Fahrzeuge werden dort pro Stunde in Spitzenzeiten gezählt. Und doch soll der Ring 3 jetzt hier von vier auf zwei Fahrspuren zurückgebaut werden, um Platz für Radfahrstreifen auf der Fahrbahn zu bekommen – obwohl rechts und links der Straße zwei wenig befahrene Radwege vorhanden sind.

Es ist eine der ersten Straßenbaumaßnahmen, nachdem der neue rot-grüne Senat den massiven Ausbau des Radwegenetzes angekündigt hat. Und ein Projekt, das zu heftigem Protest führt. Der Rückbau würde „jede Form der Verhältnismäßigkeit sprengen“, heißt es in einer Stellungnahme der Bezirksversammlung Altona, die von der dortigen SPD dominiert wird. Die Kommunalpolitiker befürchten, dass sich Autofahrer dann andere Wege suchen. Diese „Insellösung“ im Verlauf des Rings 3 würde allen Bemühungen, den Verkehr aus den Wohngebieten herauszuhalten, konterkarieren, so heißt es weiter in der Stellungnahme. Der Bezirk fordert daher nun eine Plan­änderung.

„Völliger Quatsch“, zürnt der Altonaer CDU-Verkehrspolitiker Tim Schmuckall über den geplanten Rückbau. Heftige Kritik kommt auch von der FDP-Bürgerschaftsfraktion. Es sei „abwegig“, die Kapazität des viel befahrenen Rings für Autos zu halbieren und Spuren für Radfahrer zu schaffen, die dort gar nicht gebraucht würden. „Die Verkehrspolitik war zu Zeiten der SPD- Alleinregierung schon schlimm, nach dem Regierungseintritt der Grünen dreht die Behörde offenbar durch“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Elb-Liberalen, Wieland Schinnenburg.

Auch Sanierung der Rissener Landstraße stößt auf Unverständnis

Tatsächlich ist es – zumindest in Altona – nicht der einzige Radwegausbau, der auf Unverständnis stößt. So wird derzeit auch die Rissener Landstraße zwischen den Stadtteilen Rissen und Blankenese saniert. Bislang trennt eine Baumreihe die Radwege von der Straße. Das ändert sich jetzt, der Radweg wird zum reinen Fußweg, die Radfahrer sollen auf die Straße.

Dies aber führt zu heftigen Bedenken von Eltern, weil dann Schulkinder dort unmittelbar neben teils schnell fahrenden Autos radeln sollen Der Bezirk habe deshalb gefordert, dass wenigstens für Kinder ein Radweg bleiben muss oder dass sie einen breiten Gehweg mitbenutzen dürfen, sagt CDU-Verkehrsexperte Schmuckall: „Wer will, soll auf der Straße fahren, für andere muss es aber eine Alternative geben.“

Die Verkehrsbehörde will nun zumindest die Forderung des Bezirks zum Ring 3 noch einmal prüfen, wie eine Sprecherin auf Anfrage des Abendblatts ankündigte. Zur Zeit sei man in der Phase der Behördenabstimmung. „Noch ist dort nichts in Stein gemeißelt“, so die Behördensprecherin. Anders als der Bezirk halte die Verkehrsbehörde eine zweispurige Verkehrsführung mit Blick auf die Fahrzeugmengen dort aber für „möglich“.

Eine Änderung für die Rissener Landstraße ist indes nicht geplant. Auf den Nebenflächen der Straße sei nicht genügend Platz, um dort einen „regelkonformen“ Radweg bauen zu können. Im Übrigen dürften Kinder bis zu ihrem zehnten Geburtstag weiterhin auf dem Gehweg fahren.

Unterstützung bekommt die Verkehrsbehörde zudem von dem Radfahrerverband ADFC. „Wir begrüßen es sehr, dass die Verkehrsbehörde jetzt die rechtlichen Mindestanforderungen für den Radverkehr auf dem Ring 3 streckenweise erfüllen will“, sagt Benjamin Harders vom ADFC Altona. Die Forderung der Bezirksversammlung nach einer Planänderung bezeichnet er indes als „rückständig und nicht im Sinne einer modernen Verkehrspolitik.“ Der ADFC propagiert das Radfahren auf der Straße, weil es sicherer als das Radeln auf Radwegen sei. Radfahrer würden so besser von Autofahrer gesehen, während sie auf Radwegen oft aus dem Blickfeld verschwänden.

Dennoch dürfte der Ring 3 nicht zu den größten Gefahrenpunkten in Altona zählen. Bei einer Internet-Befragung durch den Bezirk konnten kürzlich Radfahrer kritische Straßenabschnitte melden. Zahlreiche Hinweise hatte es dabei gegeben. Der jetzt von der Stadt ins Auge gefasste Abschnitt auf dem Ring 3 wurde jedoch kein einziges Mal genannt. CDU-Politiker Schmuckall: „Hier wird an den tatsächlichen Bedürfnissen völlig vorbei geplant.“