Sülldorf/Rissen

Nabu will 55 Bauanträge der Sülldorfer Bauern stoppen

Der Kiebitz (Vanellus vanellus), hier beim Brüten, hat es schwer in der Feldmark

Der Kiebitz (Vanellus vanellus), hier beim Brüten, hat es schwer in der Feldmark

Foto: picture alliance

Im Streit um die Feldmark soll der runde Tisch schlichten. Die Bauern sehen ihre Existenz gefährdet, die Naturschützer den Kiebitz.

Altona.  Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schlagen Alarm: Im Streit um den Schutz der Sülldorf Rissener Feldmark hätten die Bauern etwa 55 Bau- und Vorbescheidsanträge eingereicht, um noch vor Erlass neuen Baurechts vollendete Tatsachen zu schaffen. Das Bezirksamt dürfe die Anträge jetzt nicht positiv bescheiden, sagte Nabu-Chef Alexander Porschke.

„Das wird es auch nicht tun“, sagte der Altonaer SPD-Fraktionschef Thomas Adrian. „Es wird die Anträge mit Hinweis auf das laufende Bebauungsplanverfahren zurückstellen.“ Adrian kündigte für die kommende Woche Gespräche mit den Landwirten an um festzustellen, „was davon ernst gemeint“ sei. Er habe die Hoffnung auf eine Einigung noch nicht aufgegeben. Die Bauern sprachen von „Notwehr“.

Am runden Tisch streiten Landwirte, Bezirksamt und Naturschützer um Grenzziehungen auf 640 Hektar Plangebiet. Nabu-Chef Porschke sieht die Interessen des Gemeinwohls bedrängt von den Bewirtschaftungsinteressen der Landwirte. „Die zu intensive Nutzung der Feldmark zerstört die Grasnarbe und die Knicklandschaften. Seit Jahrzehnten entwickelt sich der Bestand der Kiebitze negativ, seit 1965 sind 20 Prozent der Knicks verloren gegangen.“ Hamburg brauche die Feldmark als Naherholungsgebiet und müsse dem Siedlungsdruck Grenzen setzen.

Die Bauern dagegen wollen ihre Freiheiten erhalten: das derzeit noch privilegierte Baurecht und die Möglichkeit, ihre Gebäude und Felder nach Bedarf zu nutzen. Die neuen Bebauungspläne für die Feldmark würden diese Freiheiten und damit ihre wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten stark einschränken: Es soll feste Baugrenzen geben, die sich auf die Hofstellen beschränken, Hofläden, Gewerbe, Gastronomie und Hotelerie sollen verboten und eine zunehmend extensive Nutzung der Felder vorgeschrieben werden. Laut Naturschützer für knapp 60 Hektar, laut Bauern für rund 140 Hektar.

Ein Gutachten der Wirtschaftsbehörde bescheinigt den Bauern, dass die neuen Bebauungspläne 16 der jetzt noch 18 landwirtschaftlichen Betriebe der Feldmark in ihrer Existenz gefährden. Die Naturschützer beeindruckt das nicht. Eine solche „Existenzgefährdung“ sei schnell behauptet, sagte Porschke.

Neben dem runden Tisch arbeitet bereits eine Clearingstelle verschiedener Behörden an der Lösung des Konflikts um die Ausgleichsflächen. Laut Nabu will der Bezirk Altona in der Feldmark allein 35 Hektar Grünland auf Vorrat ausweisen, um für künftige Bauvorhaben in anderen Teilen des Bezirks die naturschutzrechtlichen Auflagen erfüllen zu können.

Porschke: „Diese Ausgleichsflächen sind städtisch und von den Bauern nur gepachtet. Und ein Pächter muss schon damit rechnen, dass der Eigentümer vorgibt, was mit seinem Land passiert.“