Großprojekt

Enttäuschung über neuen Fernbahnhof in Altona

Die Bahn stellte erste Pläne vor, die Gleise werden mehr oder weniger nur „überdacht“. Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter spricht von einem „Hundehütten-Komplex“. Politiker reagierten enttäuscht.

Hamburg. In den 1970er-Jahren wurde der historische Backsteinbahnhof in Altona abgerissen und durch einen Betonbau ersetzt, der heute als Bausünde gilt. Doch auch der jetzt neu geplante Altonaer Fernbahnhof an der S-Bahn-Station Diebsteich wird offenbar kein architektonisches Glanzstück: Die Bahn will sparen und plant daher einen sehr schlichten Bau. „Das werden 405 Meter lange Bahnsteige, da kommt ein Dach drauf und das war’s dann auch schon“, fasst der zuständige Bahnprojektleiter Bernd Homfeldt im Planungsausschuss der Bezirksversammlung Altona zusammen.

Die Politiker dort reagierten enttäuscht. Man habe sich einen Bahnhof wie in Berlin-Spandau vorgestellt, hieß es. Und auch Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter reagierte verschnupft und sprach von einem „Hundehütten-Komplex.“ So etwas habe die einst selbstständige stolze Stadt Altona nicht verdient, sagte Hamburgs ranghöchster Stadtplaner und kündigte weitere Gespräche mit der Bahn an: „Das ist noch lange nicht ausgemacht. Wie der Bahnhof aussehen wird, darüber wird noch zu reden sein.“ Doch der Bahnmanager ließ wenig Zweifel daran, dass sein Unternehmen bei der Verlegung des Altonaer Bahnhofs die Kosten genau im Blick haben will. Homfeldt zu Walter: „Man kann reden – aber nur wenn Sie das Portemonnaie mitbringen.“ Mit anderen Worten: Wenn Hamburg dort ein größeres und repräsentativeres Gebäude haben will, muss die Stadt es selbst zahlen.

Hintergrund der Verlegung ist die dringend anstehende Sanierung der Gleisanlagen im heutigen Fernbahnhof Altona. Lange hatte die Bahn Gutachter rechnen lassen, welche Variante günstiger sei: eine Verlegung oder eine Sanierung.

Der Beschluss zur Verlegung um eine S-Bahn-Station nach Diebsteich wurde im Juli dieses Jahres verkündet und stieß in Hamburg auf breite Zustimmung, weil damit ein riesiges Areal für den Bau des zweiten Abschnitts der Neuen Mitte Altona frei wird. Statt 1600 können mitten im Bezirk nun in den kommenden Jahren 3600 neue Wohnungen gebaut werden. „Aus dem Pony ist ein Pferd geworden“, so Walter.

Welchen Zeitplan es für die Bahnhofsverlegung gibt und wie sich das Projekt nach Berechnung der Behörden auf den Verkehr und die Straßen auswirkt, das stellten der Bahnprojektleiter und der Amtsleiter in der Hamburger Verkehrsbehörde, Martin Huber, im Ausschuss ebenfalls vor: Die S-Bahn-Station Altona und auch der zentrale Busbahnhof dort sollen demnach am jetzigen Standort bleiben. Lediglich der Fernbahnabschnitt wird verlegt. In Diebsteich würden dann rund 22.000 Reisende täglich die Bahn nutzen. Zum Vergleich: Der S-Bahn-Knotenpunkt in Altona mit etwa 70.000 Reisenden bliebe weit größer.

Der neue Bahnhof wird zu fast 100Prozent auf Gelände gebaut, das schon in Besitz der Bahn ist. Etwa 25 Kilometer neue Gleise und 48 neue Weichen sind dort laut Bahnprojektleiter Homfeldt geplant. Der Neubau erfolgt parallel zum vollen Bahnbetrieb. „Eine sehr komplizierte Sache“, so Homfeldt. Sechs Fernbahngleise und zwei S-Bahngleise an insgesamt vier Bahnsteigen sind für den neuen Bahnhof vorgesehen.

Der Zugang soll über den heutigen Fußgängertunnel in Diebsteich erfolgen, der dann verbreitert wird. Dort wird es einige Kioske geben, Treppen und eben ein Dach über den gesamten Komplex. Die Fertigstellung ist für 2023 terminiert, 2015 startet dazu das Planfeststellungsverfahren.

Eine große Verschiebung der Fahrgastzahlen zwischen den Hamburger Bahnhöfen erwartet die Hamburger Verkehrsbehörde durch den Neubau nicht. Lediglich Reisende aus den westlichen Stadtteilen wie Blankenese würden dann den neuen Bahnhof nicht mehr direkt mit der S1 erreichen und werden vermutlich in Dammtor zusteigen. Bezirkspolitiker regten ein großes Parkhaus für den neuen Bahnhof an, weil vermutlich in Diebsteich mehr Fahrgäste aus Schleswig-Holstein zusteigen könnten. Doch das lehnt Amtsleiter Huber ab. „Wir werden nicht noch Autofahrer aus dem Umland zusätzlich anlocken“, sagte der Beamte.

Chancen bietet die Verlegung Huber zufolge aber an anderer Stelle. „Wir könnten dann endlich den Lessingtunnel neu planen“, kündigte der Amtsleiter an. Die Unterführung in Altona unter etlichen Gleisen ist ein stetes Ärgernis im Bezirk. Ein Flaschenhals mit engen Wegen für Radfahrer und Fußgänger. Doch eine Verbreiterung war der Stadt immer zu teuer, weil eben Fernbahngleise darüber verlaufen, die nun bald entfallen. Eine Verbreitung wäre dann wesentlich günstiger zu erreichen, sagt Huber.