Bauprojekt

Brammer-Fläche: Hospiz, Clubs und Feuerwehr unter einem Dach

Bezirksversammlung Altona verabschiedet Konzept für das Areal in der Schanze. Bauwagenplatz „Zomia“ soll 2014 weichen. Finanzbehörde beginnt mit der Suche nach einem geeigneten Investor.

Hamburg. Seit mehr als zwanzig Jahren ist die Brammer–Fläche in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schanzenviertel eine der größten unbebauten Gewerbeflächen. Ein letzter Bebauungsplan, der nie umgesetzt wurde, stammt aus dem Jahr 1996.

Jetzt soll es endlich voran gehen. Die Bezirksversammlung Altona hat einer Beschlussempfehlung des Planungsausschusses einstimmig zugestimmt. Das neue Konzept sieht einen „Nutzungsmix aus studentischem Wohnen, kleinteiligen Flächen für Existenzgründer, Musikclubs und Platz für weitere kulturelle und soziale Nutzungsmöglichkeiten“ vor. Ein Konzept wie eine Wunschliste.

Konkret sind in dem maximal fünfgeschossigen Bauprojekt bis zu 80 Wohneinheiten für Studenten, sowie mindestens 20 Weitere für Behinderte vorgesehen. Zudem sind ein 1500 Quadratmeter großer Innenhof und eine Dachterrasse geplant. Darüber hinaus sollen Räumlichkeiten für ein Hospiz, Mutter-Kind-Wohnen und die Freiwillige Feuerwehr Altona zur Verfügung gestellt werden.

Vorgesehen sind auch Nutzungsflächen für eine Kindertagesstätte, kleine Gewerbebetriebe und ein sogenanntes Mobilitätszentrum mit eigener Fahrradselbsthilfewerkstatt und Stellplätzen für eine Carsharing-Station.

Entlang des Bahndamms soll zudem eine „Club-Meile“ entstehen, um die „Konfliktlage Schulterblatt“ zu entlasten. Clubs wie „Astra-Stube“, „Fundbureau“ und „Waagenbau“, die derzeit noch unter der Sternbrücke untergebracht sind, sollen dort ein Zuhause finden. Eine Ausweitung der Gastronomie ist mit Ausnahme des Beachclubs jedoch nicht vorgesehen.

„Ein solches Konzept mag auf den ersten Blick mächtig und ungewöhnlich erscheinen“, sagt Gregor Werner, SPD-Abgeordneter der Bezirksversammlung Hamburg-Altona. „Wenn es uns gelingt, wird es ein einmaliges und beeindruckendes Projekt für den gesamten Stadtteil.“ Werner lobt vor allem den Dialog mit den Bürgern. Viele Ideen der Anwohner wurden nach einer Stadtteilversammlung im Januar in das Konzept aufgenommen, nachdem ein Bürgerbegehren zuvor knapp gescheitert war.

Ob alle diese Wünsche am Ende umgesetzt werden können, ist jedoch fraglich. Angesichts des „hoch spekulativen Umfelds“ des Schanzenviertels, fordert die Bezirksversammlung, dass die Finanzbehörde sich „bei der Kaufpreisfindung insbesondere an dem hohen Anteil an Gemeinbedarfs-, Sozial-, und Kulturflächen“ orientieren müsse. Die Art der baulichen Nutzung solle daher exakt bestimmt und eine Vergabe nur in enger Abstimmung mit dem Bezirksamt durchgeführt werden. Damit sollen Vorbehalte der Anwohner entkräftet werden, die seit Langem eine schleichende Gentrifizierung des Viertels beklagen.

Neben dem Beachclub „Central Park“ ist seit Ende 2011 auch der Bauwagenplatz „Zomia“ auf dem Gelände an der Max-Brauer-Allee untergebracht. Die Frist für das alternative Wohnprojekt läuft jedoch ab. Bis Ende Februar kommenden Jahres sollen die Bewohner die südliche Fläche räumen. „Eine erneute intensive Flächensuche durch das Bezirksamt wird nicht mehr durchgeführt“, teilt der Bezirk mit. Im Bedarfsfall soll jedoch eine einmalige finanzielle Unterstützung für die Herrichtung eines neuen Bauwagenplatzes gewährt werden.

Bereits im November hatten „Waagenbau"-Geschäftsführer John Schierhorn und der Architekt Leon Roloff auf einer öffentlichen Anhörung des Planungsausschusses ein Nutzungskonzept für die 8000 Quadratmeter große Fläche zwischen Schulterblatt, Max-Brauer-Allee und Lippmannstraße vorgestellt. Nach Zustimmung der Bezirksversammlung beginnt nun die Suche nach einem geeigneten Investor. Mit etwas Glück wird man nicht noch einmal 17 Jahre warten müssen. „Je schneller, desto besser“, sagt der Abgeordnete Gregor Werner. „Die Politik wird nicht der Verzögerer sein.“