Elbvertiefung in Hamburg

Blankeneser Leuchttürme werden abgerissen

Hafenbehörde ersetzt Unterfeuer am Strand und Oberfeuer im Park. Grund ist die mit der Elbvertiefung verbundene Anpassung der Fahrrinne.

Hamburg. Erst wollte ihn keiner, heute ist er ein Wahrzeichen, rot-weiß gestreift, weithin sichtbar und ein beliebtes Ausflugziel für alle, die die Elbe mal aus einer etwas anderen Perspektive betrachten wollen: Der Leuchtturm am Strandweg, das sogenannte Unterfeuer Blankenese, lotst seit fast 30 Jahren gemeinsam mit dem Leuchtturm im Baurs Park Schiffe über die Elbe. Nun sollen die beiden Türme abgerissen werden. Das bestätigte Alexander Schwertner, Sprecher der zuständigen Hamburg Port Authority, auf Anfrage.

Grund ist die mit der Elbvertiefung verbundene Anpassung der Fahrrinne. "Im Bereich Blankenese bis Wedel soll sie auf 385 Meter verbreitert werden", sagt Schwertner. Bisher orientieren sich die in Hamburg einlaufenden Schiffe nach den Lichtzeichen der Leuchttürme am Strandweg und im Baurs Park: "Wenn die Zeichen beider Türme eine Linie bilden, weiß der Schiffsführer, dass er auf dem richtigen Weg ist und Kurs hält", so Schwertner. Aufgrund der Verbreiterung müssen diese Zeichen, die Richtfeuer, nun etwa 125 Meter nach Süden verschoben werden. So sollen sich auch größere Schiffe begegnen können, die Navigation wird leichter. Dafür werden zwei neue Leuchttürme gebaut: das sogenannte Unterfeuer östlich des Anlegers Blankenese und das Oberfeuer am Elbuferweg in Höhe des Jollenhafens Mühlenberg. "Anschließend werden die bestehenden Leuchttürme der alten Richtfeuerlinie abgerissen", sagte Schwertner.

Dies werde voraussichtlich nicht vor Ende 2014 geschehen - abhängig vom tatsächlichen Starttermin der Gesamtmaßnahmen. Schon 2006 war der Abriss der beiden Türme ein Thema, verzögerte sich aber mit den Plänen zur Elbvertiefung immer wieder.

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So manchem Blankeneser werden die Türme fehlen - obwohl die Anwohner erst dagegen waren. Anfang der 80er-Jahre, als die Leuchttürme ausgerechnet in bester Lage am Elbufer gebaut wurden, machten sie mobil: Ein Nachbar prozessierte mehr als ein Jahr lang gegen die Stadt, ein Protestbrief der Anwohner erreichte Bürgermeister und Bürgerschaft: Auf Generationen hin würden Landschaft und Elbblick verschandelt, hieß es, die moderne Navigation sei gut genug, um die Sicherheit der Schiffe zu garantieren.

Gerade auf der Elbe ist dem aber noch heute nicht so, sagt der Vorsitzende der Bezirksversammlung Altona und Leuchtturm-Experte, Frank Toussaint. Gerade die Richtfeuer an Elbe und Weser, die nur in eine Richtung strahlen, seien noch immer unersetzlich. "Wegen der engen Fahrrinne ist eine genaue Positionierung der Schiffe hier umso wichtiger. Bei Seefeuern wie auf Helgoland oder Norderney ist es nicht so wichtig, ob ein Schiff 100 Meter vom Kurs abkommt oder nicht. Aber hier, wo die Schiffe nah aneinander vorbeifahren, sind 20 Meter schon ein großes Problem." Mit Blick auf die Richtfeuer könne ein Schiff viel zuverlässiger navigiert werden, als abwechselnd auf Computer und Wasser zu schauen. "Leuchttürme werden außerdem viel stärker wahrgenommen", so Toussaint. "Wenn die Lichter keine Linie mehr bilden, sehen das alle an Bord sofort." Rund 40 Meter sind die alten Türme hoch, die neuen werden sie überragen. Mit rund 60 Metern würde das Oberfeuer einer der höchsten Leuchttürme Deutschlands werden, der bisher höchste steht in Campen an der Ems und misst 65 Meter.

Die Fläche, auf dem der Leuchtturm am Strandweg bisher steht, soll dann wieder neu aufgearbeitet werden und als Ponton erhalten bleiben. Details zur Neugestaltung stehen noch nicht fest. Schon vor Jahren brachte Toussaint einen Antrag in die Bezirksversammlung ein, den Leuchtturm am Strandweg auch nach der nautischen Nutzung für Besucher zu erhalten. Leuchttürme als Aussichtspunkte gibt es unter anderem auf vielen Inseln, der einzige auf Hamburger Boden steht auf Neuwerk. Der Antrag wurde angenommen, neue Nutzungsmöglichkeiten diskutiert. Ein Restaurant war im Gespräch, doch damit wäre plötzlich alles teuer geworden. Die Diskussion verlief sich. "Dabei könnte man das auch auf einem sehr kleinen Level andenken", sagt Toussaint. "Man könnte zum Beispiel immer eine begrenzte Besuchergruppe nach oben lassen. Dann bräuchten wir eine Aufsicht, mehr nicht."

Der Turm im Baurs Park soll ganz, der Turm am Strandweg mindestens bis zur Aussichtsplattform zurückgebaut werden. Jürgen Weber, Erster Vorsitzender des Bürgervereins, plädiert für deren Erhalt. "Gerade der Leuchtturm am Strandweg mit dem Strandabschnitt bis zum Anleger übt bei Einheimischen und Touristen eine großen Anziehung aus", sagt er. "Deshalb wäre es wünschenswert, diese Plattform in jedem Fall zu bewahren."

Die 1983 und 1984 erbauten Türme in Blankenese gehören zu den jüngeren Leuchttürmen Deutschlands. Schon ab dem 13. Jahrhundert entstanden an der Ostsee im Zuge der Hanse erste Steintürme als Träger. An der Nordsee entwickelten sich die Leuchtfeuer erst ab dem 17. Jahrhundert - weil große Handelsschiffe das gefährliche Wattenmeer lange gemieden hatten.