Kunst-Tipp

Die ganze Welt in einem Ei in der Galerie Leiss

| Lesedauer: 2 Minuten
Auch „Schachspiel im Dschungel“ ist zu sehen.

Auch „Schachspiel im Dschungel“ ist zu sehen.

Foto: Edda Henschel

Das Ei ist nicht nur bei uns in Europa ein Symbol für Fruchtbarkeit und den Beginn des Frühlings. Viele asiatischen Schöpfungsmythen erzählen sogar vom Ei als Ursprung der Welt, im so bezeichneten Heiligen Ei sei die Welt schon vor ihrem Erschaffen eingeschlossen gewesen.

Dass sich in einem Ei eine ganze Welt befinden kann, beweist auch Edda Henschel mit ihrer Osterausstellung in der Galerie Leiss am Großen Burstah. Die Künstlerin bearbeitet Hühner- und Gänseeier in aufwendiger Kleinarbeit so, dass sich in ihnen eine komplette Szenerie mit Figuren, Tieren und Ausstattung befindet. Ein Leuchtturm mit weidenden Schafen davor, zwei im Dschungel Schach spielende Schimpansen oder eine Dressur-Show mit weißen Pferden im Zirkus Krone - der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Henschels Werke sind feingliedrige Miniaturen, in denen sich auch nach längerer Betrachtung noch neue Details und Anspielungen entdecken lassen.

Was zunächst als Nebenerwerb zum Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg begann, hat sich für Edda Henschel in mehr als 30 Jahren zur Profession entwickelt. Mithilfe einer Handfräse arbeitet sie kleine oder größere Öffnung in die Schale der zuvor ausgepusteten Eier. Je nach Szenerie werden Zwischenböden und andere Bauteile aus Pappe angefügt, später durch Miniaturfiguren von Menschen und Tieren bevölkert. Durch viel Liebe zum Detail bekommt jedes Motiv seinen besonderen Reiz: Der Altar des Kirchen-Eis ist aus einem Bücherkatalog ausgeschnitten und für ein Ei, das eine Mini-Version einer Supermarktfiliale darstellt, hat Edda Henschel originale Marken-Emblemes auf Millimetergröße kopiert. Die Eier mitsamt der Figuren und Ausschmückung bemalt sie mit Tusch- und Bastelfarben, alle sind an der Spitze mit einem Band zum Aufhängen versehen. Preislich liegen sie zwischen 20 und 1000 Euro pro Stück.

Natürlich dürfen Hamburgensien nicht fehlen: neben dem Michel und der Elbphilharmonie gibt es auch ein Ei, das den Ohlsdorfer Friedhof inklusive Beerdigung mit Trauergemeinde und Friedhofsgärtner zeigt. Außerdem präsentiert Edda Henschel in der Galerie Leiss Ostereier sowie Span- und Kartonschachteln mit klassischen Ostermotiven. Eine weitere Besonderheit: bemalte Eier, die Ausschnitte aus Wilhelm Buschs Bildergeschichte „Max & Moritz“ zeigen. Die Ausstellung läuft bis zum 11. April.


Edda Henschel: „Die Welt im Ei“ bis 11.4., Galerie Leiss (Bus 3, 17, 35, U Rödingsmarkt), Großer Burstah 36-38, weitere Infos: www.hilde-leiss.de, Eintritt frei

( hpmw )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Tagestipps